06.12.2025
von Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms
Liebe Leser und Leserinnen!
Am 6. Dezember ist Nikolaustag. Am Nikolaustag erinnern wir an Nikolaus von Myra, einen Bischof, der vor vielen Jahrhunderten lebte und durch seine Güte und Hilfsbereitschaft bekannt wurde. Er war ein Mann, der sein Leben ganz in den Dienst der Menschen stellte. Viele Geschichten erzählen von seiner Großzügigkeit: wie er Armen half, Kinder beschützte und Menschen in Not beistand. Besonders bekannt ist die Erzählung von der armen Familie, der er heimlich Goldstücke schenkte, damit ihre Töchter eine Zukunft hatten.
Sein Handeln zeigt uns bis heute, dass Liebe manchmal ganz unspektakulär, im Verborgenen geschieht. Manchmal sind es gerade die kleinen, unscheinbaren Taten, welche lange Zeit ins uns nachhallen. Wenn wir anderen helfen, ohne etwas zurückzuerwarten, wenn wir teilen, was wir haben, und wenn wir aufmerksam auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen achten, dann tragen wir das Licht weiter, das Nikolaus entzündet hat.
Ich bin z. B. jedes Jahr gerührt davon, wenn meine Frau von einer unbekannten Person einen Adventskaleder, „Der andere Advent“, zugeschickt bekommt. Das freut sie und sie genießt die tägliche kurze Auszeit.
Der Nikolaustag ist also mehr als nur eine Tradition mit gefüllten Schuhen und kleinen Geschenken. Er ist ein Fest der selbstlosen Liebe, das uns daran erinnert, dass wir selbst zu einem Geschenk für andere werden können. Johannes sagt: „Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit“ (1. Johannes 3,18). Nikolaus ist dafür ein Beispiel.
Und so lädt der Nikolaustag auch ein, über unser eigenes Leben nachzudenken: Wo können wir Licht bringen? Wo können wir anderen helfen, ohne dass es jemand bemerkt? Vielleicht durch ein freundliches Wort, einen Besuch bei jemandem, der einsam ist, oder durch ein stilles Gebet für Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Jede kleine Tat ist wie ein Funke, der Wärme schenkt – und damit die Hoffnung von Christus.
Wenn wir nun die zweite Kerze am Adventskranz anzünden, denken wir daran: Nikolaus war ein Lichtträger, und wir dürfen es auch sein. Sein Beispiel ermutigt uns, ebenfalls liebevoll zu handeln, damit wir selbst anderen diese Hoffnung von Christus schenken.
Amen.
Gebet
Guter Gott,
wir danken dir für das Beispiel des Nikolaus von Myra,
der mit offenen Händen und einem großen Herzen den Menschen geholfen hat.
Schenke auch uns die Bereitschaft, zu teilen und zu schenken,
wo Not und Traurigkeit sind.
Lass uns aufmerksam werden für die kleinen Zeichen der Liebe,
damit wir Licht und Hoffnung weitergeben können.
Mach uns mutig, Gutes zu tun – still und ohne Erwartung,
so wie Nikolaus es tat.
Segne unsere Gemeinschaft, unsere Familien und Freunde,
und erfülle uns mit Freude, die aus deiner Liebe kommt.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Er erfülle dein Herz mit Freude und deine Hände mit Güte.
Er schenke dir offene Augen für die Not der Menschen
und ein offenes Herz für ihre Situation.
So geh hin im Frieden Gottes,
getragen von seiner Liebe und gestärkt durch sein Licht.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms
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