Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 13. September 2026

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Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 13. September 2026

12.09.2026

von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Leser und Leserinnen!

„Das kannst du dir an den Fingern abzählen!“ sagt man, wenn etwas leicht erkennbar ist. An den zehn Fingern kann man sich die zehn Gebote abzählen, die Gott seinen Menschen gegeben hat. Aber bevor er das tut, stellt er sich erst einmal vor: Ich bin Jahwe. Vielleicht denken Sie jetzt: „was ist denn das für ein komischer Name!“ Und Sie haben Recht. Es ist kein Name, sondern ein Verb in einer anderen Sprache, in Hebräisch. Dieses Verb bedeutet: Ich bin, der ich bin. Oder auch: Ich bin für dich da.

Nun folgen die zehn Gebote, Spielregeln eines namenlosen Gottes. Er will mit uns die Freiheit suchen und den Weg unter die Füße nehmen und schließlich eine Zukunft finden.

Ein Freund von mir, der von Beruf Richter ist, zeigte mir in seinem Arbeitszimmer alle seine Gesetzessammlungen. Es waren meterhohe Bücherregale, gefüllt mit dicken Büchern. Als ich mich staunend umsah, sagte er: „Du siehst hier nichts anderes als die Ausführungsbestimmungen für die zehn Gebote!“

Als erstes fordert Gott, dass er allein Gott ist und niemand sonst. Vor allem ist Gott die Liebe, die er in Jesus Christus gezeigt hat. Luther erklärt es so: woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Wofür lebst du? Was ist dir wichtig?

Du sollst dir kein Bildnis machen. Gott will immer präsent sein, in unseren Beziehungen und unseren Herzen, in unserem ganzen Leben.

Du sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen. Damals war es üblich, den Namen Gottes zu gebrauchen, wenn man seine Unschuld beteuern wollte. Das soll nicht sein.

Du sollst den Feiertag heiligen. Das war etwas völlig Neues. Dieses Gebot der Ruhe soll für alle gelten. Auch Sklaven haben ein Recht auf einen Ruhetag und sogar die Tiere.

Du sollst Vater und Mutter ehren. Um unserer Menschlichkeit willen sind wir gut beraten, dieses Gebot zu halten.

Du sollst nicht töten. Ich glaube, hier geht es nicht nur um das Kapitalverbrechen. Auf wessen Kosten leben wir? Wo kaufe ich meine Kleidung? Dieses Gebot steht für den unbedingten Respekt vor dem Leben und der Gesundheit meines Nächsten.

Du sollst nicht ehebrechen. Im Alten Testament hatten Männer ganz klar die dominante Stellung. Die Ehe war oft keine Liebesbeziehung und Polygamie durchaus üblich. Das Gebot diente zum Schutz der Familien. Aber auch in unserer Zeit gilt, dass Liebe, Vertrauen und Intimität Schutz brauchen.

Du sollst nicht stehlen. Es geht in meinen Augen um die faire und verantwortungsvolle Teilhabe aller Menschen an dem, was da ist und was jeder Mensch zum Leben braucht.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. Wahrheit braucht Schutz. Lügen können verletzen und großen Schaden anrichten. In unserer Gesellschaft wird es immer schwieriger, die Wahrheit zu finden. Vielfältige Medien verbreiten eine Menge an Informationen, die bedacht und gefiltert werden wollen.

Bei den letzten Geboten geht es um das Begehren. Damit ist gemeint, dass ein Mensch ganz bewusst plant, sich des Eigentums seines Nächsten zu bemächtigen.

Zehn Gebote, an den zehn Fingern abzählbar. Sie wollen Hilfe sein in der Beziehung der Menschen untereinander und in der Beziehung zwischen Gott und Mensch. 

Amen.

Gebet

Guter Gott, gib uns den Mut, dich in deinen Geboten zu verstehen. Lass uns zu uns selbst finden und dadurch den Weg zum Nächsten sehen in deiner Liebe und Entschlossenheit.
Hilf uns, deutliche Worte zu finden. Lass uns dein befreiendes Wort vernehmen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Geht in Frieden, denn ihr seid Gott wichtig. Er handelt durch euch. Nehmt seine Liebe mit, so wird euer Handeln zu seinem Handeln. Verlasst euch auf die Kraft Gottes. Geh mutig und unverdrossen auf deinem Weg, unter Gottes Schutz und mit seinem Segen. So segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Herzlich grüßt Sie
Katrin Hutzschenreuter

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