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		<title>Predigten Ev.-luth. Domgemeinde Freiberg</title>
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		<description>Predigten der Ev.-luth. Domgemeinde Freiberg</description>
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		<lastBuildDate>Sun, 08 Apr 2012 10:00:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Predigt am Ostersonntag 2012</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-am-ostersonntag-2012.html</link>
			<description>gehalten von Sup. Noth am 8. April 2012 über das 1. Buch Samuel 2,1-2.6-8</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="BORDER-BOTTOM: windowtext 1.5pt solid; BORDER-LEFT: medium none; PADDING-BOTTOM: 1pt; PADDING-LEFT: 0cm; PADDING-RIGHT: 0cm; BORDER-TOP: medium none; BORDER-RIGHT: medium none; PADDING-TOP: 0cm">Predigt am Ostersonntag, dem 8. April 2012</div>

1 <b style="mso-bidi-font-weight: normal"><i style="mso-bidi-font-style: normal">Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich meines Heils. </i></b>2 <b style="mso-bidi-font-weight: normal"><i style="mso-bidi-font-style: normal">Es ist niemand heilig wie der Herr, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.</i></b>
6 <b style="mso-bidi-font-weight: normal"><i style="mso-bidi-font-style: normal">Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. </i></b>7<b style="mso-bidi-font-weight: normal"><i style="mso-bidi-font-style: normal"> Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. </i></b>8 <b style="mso-bidi-font-weight: normal"><i style="mso-bidi-font-style: normal">Er hebt den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. </i></b>(1. Buch Samuel 2,1-2.6-8)

Liebe Gemeinde,
wie an jedem Osterfest dazu gehört, dass wir uns grüßen mit den Worten „Der Herr ist auferstanden!“, so gehören Umfragen in den Zeitungen ebenso zum Osterfest, und zwar so nach dem Motto: Was glauben die Deutschen wirklich? Insbesondere die Kirchenmitglieder. Und so wie wir uns heute am Morgen gegrüßt haben mit „Der Herr ist auferstanden!“, so war in der zurück liegenden Woche eine entsprechende Umfrage zu lesen beziehungsweise ihr Ergebnis. Danach glaubt höchstens noch die Hälfte der Kirchenglieder an die Auferstehung (und was sie im Einzelnen darunter verstehen ist dann auch noch halbwegs diffus). Das ist ernst zu nehmen, denn immerhin geht es ja nicht um irgendeine Nebensache, sondern um den Kern christlichen Glaubens. Wenn Christus nicht auferstanden ist, so ist unser Glaube und alles völlig vergeblich, sagt der Apostel Paulus. Um weniger geht es nicht. Dabei braucht uns ein solches Umfrageergebnis nicht sonderlich aufzuregen, denn eigentlich ist das ja naheliegend. Es fügt sich ja eben gerade nicht in unsere Wahrnehmung ein und „passt“ gar nicht zu dem, was war mit bloßem Auge sehen können. Und ich lasse dabei ganz aus dem Blick, was denn solche Umfragen wirklich zu Tage fördern können (meinetwegen auch im Unterschied zu dem Verhalten, wie die Mehrheit am kommenden Sonntag wählen würde…).
Wie dem auch sei: Heute haben wir uns gegrüßt mit „Der Herr ist auferstanden!“ und heute sind wir hier zum Gottesdienst und um Ostern zu feiern. 
Und da will ich lieber erst einmal danach fragen, was wir in dieses Fest, in diesen Gottesdienst mitbringen – also vor allem nach den Erwartungen, die sich mit diesem Tag verbinden: „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.“ Das ist der Anfang des Liedes der Hanna – und es nimmt wohl etwas auf, was uns in die Kirche gelockt hat: nämlich dass wir erwarten, etwas von dem Schwung, der Freude, der Festlichkeit und dem Jubel dieses Tages mitzubekommen und mitzunehmen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand hier oder in einer anderen Kirche sitzt ohne diese Erwartung. Dabei ist das ja von zwei Seiten zu sehen: wir erwarten diesen Jubel tiefer Lebendigkeit – und zugleich bringen wir ja auch etwas davon mit, wie laut oder leise sich das auch bei verschiedenen Leuten unterschiedlich zeigen mag. Es kommt also niemand so ganz „unvorbereitet“, an welcher Stelle er oder sie mit dem Leben auch gerade stehen mag. Um es an einem Bereich deutlich zu machen: Gerade eben ist im Gottesdienst ein Kind, das noch nicht einmal 2 Monate alt ist, getauft worden. Und wenn Eltern und Angehörige da nicht von ganz allein vollen Lebensjubel mitbringen, weiß ich nicht, wo noch mehr Lebendigkeit zu erwarten wäre. Und zugleich wäre es möglich, dass jemand hier sitzt, der vor kürzerer oder längerer Zeit ein Kind verloren hat – das muss ja nicht unbedingt nur ein Todesfall sein, sondern könnte auch bedeuten, dass alle Kontakte abgerissen sind. Die einen wie die anderen aber bringen auf ganz unterschiedlichem Niveau die Erwartung mit: hier etwas vom Schwung der vollen Lebendigkeit mitzubekommen. Und jedem ist klar, dass man solche extremen Situationen des Glücks oder Unglücks auch in anderen Lebensbereichen heute darstellen könnte. Alle ausnahmslos sind wir hier mit der Erwartung, vom Schwung des vollen Lebens ergriffen zu werden. Woher das wohl kommt? 
Und da stellt sich die Frage nach dem, was wir erlebt haben, also nach unseren Erfahrungen. „Ich freue mich meines Heils.“ Singt die Hanna. Sie hatte über viele Jahre kein Kind bekommen, was damals als ein Zeichen des Unsegens gewertet wurde und Auswirkungen hatte auf das Ansehen in der Gesellschaft. „Unfruchtbares Leben“, das zu nichts nütze schien und Demütigungen und Ausgrenzungen nach sich zog. Und dann bekam sie in vorgerücktem Alter doch noch den ersehnten Sohn. Sie hatte damit eine tiefgreifende Heilserfahrung gemacht – und diese bringt sie in ihrem Lied zum Ausdruck. Vielleicht ist das auch eine Spur für unser Nachdenken: die Heilserfahrungen im täglichen Leben (also noch gar nicht mit dem großen Worte von der Auferstehung verbunden): Gott hat – so beschreibt sie es – heilsam in ihr Leben eingegriffen. Aber nun dann wohl doch so etwas wie Ostern im Alltag, in den üblichen Bezügen, ein „kleines Ostern“, wie man es nennen könnte. Das gibt es doch, und davon könnte jede und jeder etwas erzählen: Dass jemand die Erfahrung macht, in seinem Beruf nicht über eine tödliche Routine hinauszukommen, und dann – vielleicht nur im Vorbeigehen – von einer Kollegin oder einem Vorgesetzten ein Wort der Anerkennung bekommt. Man merkt, wie gut das einem tut und wie die Tätigkeit plötzlich in einem neuen Licht erscheint. Oder dass eine Beziehung in der Sprachlosigkeit zu versinken droht, und dann plötzlich ein neuer Gesprächsfaden aufgenommen werden kann. Und wenn Sie es in einem aktuellen Vorgang im politischen Bereich wollen: dass die jahrelang im, Gefängnis oder unter Hausarrest sitzende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ein öffentliches politisches Mandat in Myanmar, dem früheren Birma bekleiden wird – wer hätte das noch vor zwei Jahren für möglich gehalten…? Ist es so abwegig, in diesen ganz weltlichen Ereignissen so etwas wie ein „kleines Ostern“ zu entdecken? Und sollte, wer an Gott glaubt, dort nicht auch die Handschrift des heilbringenden Gottes erkennen können? Ostern ist also etwas, das nicht erst am Ende unseres Lebens – genau genommen: <b style="mso-bidi-font-weight: normal">nach</b> seinem Ende – seine Wirkung zeigt, sondern ist eine Erfahrung des täglichen Lebens. Und wenn ich an das kleine Kind denke, das wir heute getauft haben: ist das nicht eine Aufgabe für Eltern und Paten, ihm zu vermitteln, dass man so die Handschrift Gottes im eigenen Leben lesen kann?
Ich weiß wie Sie alle, dass man natürlich gegen jede heilvolle Erfahrung mindestens eine gegenteilige setzen kann. Dass jemand keine Anerkennung findet, obwohl er sich müht, dass nach einer kurzen Phase das Gespräch wieder einschlafen kann und gerade bei politischen Veränderungen: wie zerbrechlich solche Fortschritte sind. 
Deshalb reicht es nun gar nicht aus, wenn wir bei unseren Erwartungen und Erfahrungen stehen bleiben, sondern wir müssen nun auch noch fragen: Was nehmen wir mit? – also von unserer Hoffnung reden. „Der Herr führt hinab zu den Toten und wieder herauf.“ In einem Buch habe ich gerade den Satz gefunden: „Erst wenn keine Hoffnung mehr besteht, ist der Triumph der Unfreiheit vollkommen.“ Umgekehrt heißt das: solange wir von Hoffnung beseelt sind, sind wir wirklich am Leben. Und da will ich Sie auf eine Tatsache hinweisen, die mir am Lied der Hanna besonders aufgefallen ist: Eigentlich ist es die entgegen gesetzte Richtung, die ihr Lied nimmt im Unterschied zu meiner Empfindung: Dass jemand erst in hoher Position sitzt und dann abstürzt, das scheint mir normal – aber nicht „er erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten“. Es ist fast alltäglich zu nennen, dass jemand, dem es recht gut geht in die Armut abstürzt – aber nicht „er macht arm und reich“ – in dieser Reihenfolge. Es scheint der selbstverständliche Gang der Dinge zu sein, dass jemand lebt und dann stirbt – aber „er führt hinab zu den Toten und wieder herauf“. Und doch scheint es mir die Perspektive der Hoffnung zu sein, die untrennbar mit dem Osterfest – oder eben der Auferstehung Jesu Christi verbunden ist. Es ist die Lebensperspektive Gottes. Und in diese unendliche Lebensperspektive Gottes will ich gerne all die kleinen „Ostererfahrungen“ meines Lebens eintragen, so brüchig und vorläufig sie auch zu sein scheinen. Ob es im Tiefsten das ist, was uns aus welcher Lebenslage auch immer zum Ostergottesdienst gehen lässt – die Hoffnung, die mit dieser Lebensperspektive Gottes verbunden ist. Die Hanna konnte noch nichts wissen von der Auferstehung Jesu Christi, aber sie wusste sehr viel von der Lebensperspektive Gottes.
Und um noch einmal das kleine Kind in den Blick zu nehmen, das wir heute getauft haben: Wie immer auch sein Leben verlaufen mag – können wir ihm etwas Besseres mitgeben als diese Hoffnung: „Er führt hinab zu den Toten – und wieder herauf!“
Amen.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 10:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zu Invocavit</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zu-invocavit-26-februar-2012.html</link>
			<description>Predigt zu Invocavit 26. Februar 2012 über 2. Korinther</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Invocavit 26. Februar 2012 </b>
<b>Predigt über 2. Korinther 6, 1-10/ EG 385</b>
<i>1)&nbsp;&nbsp; Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergebens empfangt. </i>
<i>2)&nbsp;&nbsp; Denn er spricht: „Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen“ ( Jes.49,8 ) Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.</i>
<i>3)&nbsp;&nbsp; Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verlästert werde;</i>
<i>4)&nbsp;&nbsp; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes:</i>
<i>in großer Geduld, in Trübsal, in Nöten, in Ängsten,</i>
<i>5)&nbsp;&nbsp; in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten,</i>
<i>6)&nbsp;&nbsp; in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist, in gefärbter Liebe,</i>
<i>7)&nbsp;&nbsp; in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken,</i>
<i>8)&nbsp;&nbsp; in Ehren und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig, </i>
<i>9)&nbsp;&nbsp; als die Unbekannten, und doch bekannt, als die Sterbenden und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht getötet;</i>
<i>10)als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die die&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alle haben. </i>

Liebe Gemeinde, 
was hier verhandelt wird, vor allem die lange Liste der Paradoxien und Gegenüberstellungen, erinnert an den Kontrast „Schwach – Stark“ aus der Jahreslosung „Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig“ 2.Kor.12,9
Zunächst gilt großer Respekt. Was Paulus hier und auch noch an anderer Stelle ( 2. Kor. 11,19 ff ! ) beschreibt, ist dem unmöglich, nach-zuempfinden, der es nicht erlebte. Der Apostel will sich damit nicht brüsten. Selbstvermarktung ist nicht seine Sache. Mit Haft, Prügel und Beinahe-Ertrinken usw. brüstet man sich nicht. Es war kein abgesichertes und sattes Leben. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ 1.Kor.15,10 entspricht im Kern dem, was er in immer neuem Streit um sein Auftrag und seine Person – wir trennen das gern! – bezeugen kann. Seine Glaubwürdigkeit wird auf den Prüfstand gestellt. Wie reagiert er? Er stellt sich dem Thema, indem er klarmacht: Ja, Nachfolge ist immer Kreuzesnachfolge, sie verbindet mit dem Schicksal dessen, dem wir folgen, Jesus Christus, und wer so lebt, gerät in die Mühlen derer, die die scheinbar oder tatsächlich Macht zum Definieren haben: Sieg oder Niederlage, Mensch oder Gott, stark oder schwach, verlieren oder gewinnen, oben oder unten, Opfer oder Täter, Aufsteiger der Woche oder Verlierer, A-B- oder C-Promi, Zuschauerliebling oder Versager, kreditwürdig oder Unterschicht… wir könnten noch lange so weitermachen. Und mitten im Konflikt lässt er sich seinen Auftrag nicht streitig machen, nämlich Menschen zur Gnade Gottes zu rufen. Diese drei Akzente sollen auch die Predigt bestimmen:
<ol style="margin-top: 0cm;" start="1" type="1"><li><strong><span>Glaubwürdig      sein!</span></strong></li><li><strong><span>Im      Zwielicht stehen</span></strong></li><li><strong><span>Menschen      zur Gnade rufen</span></strong></li></ol>
<b>1.</b> Ist die derzeitige Glaubwürdigkeitsdebatte noch zu ertragen? Zuweilen von solchen angezettelt, die von sich ablenken möchten und gern etwas anderes ein bisschen schwarz machen, in der Hoffnung, dadurch etwas weißer dazustehen. Oder die&nbsp; Anforderungen an Glaubwürdigkeit werden so ausgedünnt, dass sich keiner aus lauter Schuld- Solidarität mehr getraut, der anderen Krähe ein Auge auszuhacken; wir sind ja alle nur Menschen. Oder es wird die Glaubwürdigkeitsskala nach oben bis ins Endlose gedreht, dass nur noch glaubwürdig ist, wer um seines Glaubens willen gelitten hat. Ganz aktuell sind die Diskussionen über den zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff ebenso möglich wie über den designierten neuen Joachim Gauck. Über Wulffs Versagen wurde nicht immer, aber viel Richtiges gesagt. Nur möchte ich mit der Gnaden-Theologie des Paulus fragen dürfen, ob ein DDR- Schicksal wie der christlichen Familie Gaucks – bei aller Achtung und allem tiefen respekt- automatisch ein Glaubenswürdigkeitssiegel sein kann? 
Jedenfalls scheint es gesellschaftlicher Konsens zu sein, dass ein Recht auf Glaubwürdigkeit besteht! Das ist auch im Namen Jesu und seiner Botschaft allemal richtig! Entscheidend bleibt jedoch, wer eigentlich die Maßstäbe für Glaubwürdigkeit definiert und wem wir mit Vollmacht ausstatten, über etwa einen stromlinienförmigen Fernsehmoderatoren Markus Lanz, oder wen denn eigentlich? Gefährlich ist: Die Glaubwürdigkeitsprobe, einmal angezettelt, droht uns mundtot zu machen. 
Die Leidensliste des Paulus ist lang und hierbei über jeden Verdacht erhaben. Er könnte, sich empfehlend, damit nun dick auftragen, aber genau das unterlässt er. Dass er seine lange Reihe von schlimmen Erfahrungen konkret benennt, hat andere Funktion als nun vor den Korinthern damit anzugeben. Vielmehr will er, dass er und die Gemeinde wieder eine gemeinsame Basis finden und auf eine Augenhöhe kommen. 
Dazu benutzt er Merkmale, die er nicht nur den Schreihälsen überlässt oder denen, die lieber einen Super-Apostel gewollt hätten. Wer entscheidet denn, und mit welcher Kompetenz, was die Stärke und die Schwäche des Apostels war? 
Paulus lässt jedenfalls nicht zu, dass einige selbsternannte Mitarbeiter den Glaubens- TÜV spielen. Was ist ihm Hauptaugenmerk: Botschafter Christi 
zu sein im Dienste der Versöhnung. Im vorherigen 5. Kapitel steht das Kernwort seiner Versöhnungstheologie.
Wer das macht, gerät tatsächlich immer wieder zwischen die Fronten.
Es polarisiert, es scheidet die Geister, weil sich an mutiger, solidarischer Tat schnell die Geister scheiden. Deshalb
<b>2.</b> Jesus Christus polarisiert! Und alle, hier Paulus, die in seiner Nachfolge arbeiten, müssen an Leib und Seele erfahren, dass man die Botschaft von der Versöhnung sehr, sehr verschieden bewertet. Wir stehen in der Kreuzesnachfolge immer im Zwielicht. Vor Unterstellungen nicht geschützt, vor Blamagen nicht bewahrt, so viel gut gemeint und schlecht gemacht, war es nun ein Friedensdienst oder Gesetzesbruch.
Wir müssen anecken! Anders ist Nachfolge nicht möglich!
Das leben im Zwielicht verschiedene Gründe. Der wichtige und gute Grund dafür aber liegt in der Sache selbst. Das Kreuz Jesu ist missdeutbar und muss es auch sein. In der Niederlage ist Gottes Kraft verborgen. Im Glanz der Heiligen Nacht Jesu Erniedrigung. 
Und die, die ernsthaft nach Jesu Willen fragen, die dafür auf die Straße gehen, oder die Kinder viel wichtiger als „Karriere ganz zuerst“ leben, die sich für Menschenwürde einsetzen, und die nicht dulden möchten, wenn aus der Bibel ein Buch der Willkür oder esoterischer Wellness- Theologie gemacht wird, und alle, die mitten im Kampf und Gerechtigkeit – den wir ja alle immer führen – auch zugleich nach Gnade fragen, weil sie eine gnadenlose Gerechtigkeit, immer nur für die einen, anstinkt, die müssen erfahren, wie zwiespältig man über ihr Tun urteilt. 
Wir erleben jedes Jahr neu, dass beide Kirchen in Deutschland Schimpf und Schande ernten, weil sie im Zusammenhang der Ladenöffnungszeiten bzw. einer unaufgebbaren befreienden Theologie des 3. Gebotes nicht aufgeben zu betonen, dass nicht unsere Freizeit gefährdet ist, sondern der Mensch in seiner Freiheit und geschöpflichen Würde.
Ja, sicher, wir können auch aus Eigensucht und purer Lust am Stänkern oder aus persönlichen Rachgefühlen ins Zwielicht geraten; das hat mit dem, was Paulus meinte, nichts zu tun und wir dürften uns nicht darauf berufen: „Dass wir niemand einen Anstoß geben, damit unser Amt nicht verlästert werde“&nbsp; Vers 3. Paulus war kein Leisetreter! 
Rufen wir derzeit, wenn es um Ansehen und gesellschaftliche Wichtigkeit der Kirche geht, die falschen Zeugen auf? Wichtiger als alles Renomme
Ist, wie wir vor Gott dran sind und in welchem Lichte wir von ihm gesehen werden. Wir werden niemals den gesellschaftlichen Affront suchen.
Paulus, und das ist seine Gerechtigkeit, ist sich mit Gott im Reinen. 
Beschimpfungen und Unterstellungen können dann auch an uns abprallen.
Und es darf mit unserer evangelischen Anpassungssucht ein Ende haben. 
Unter anderem deshalb ist die evangelische Kirche „derzeit in einem recht desolaten Zustand.“ ( K.-H. Kandler, Das Wesen der Kirche S.63 ) 
Wir werden unfrei, wenn wir die falschen Zeugen über uns aufrufen.
Es wird gnadenlos, vielleicht sogar gnadenlos richtig und rechthaberisch.
Paulus verzichtet nicht auf die Korinther. Er will auch im Konflikt bleibende Gemeinschaft mit ihnen. Aber er opfert nicht die Sachebene der Beziehungsebene: Hauptsache wir mögen uns! Das ist mutig. Und sehr, sehr gnadenvoll, weil alles andere eine schöne Lüge wäre. Beim Thema Gnade gibt es für ihn keinen Kompromiss mehr. Deshalb
<b>3.</b> Menschen zur Gnade rufen
Paulus verzichtet vollkommen auf Rechnerei, auf Polemik, auf Schlag-abtausch, der der Gemeinde hämisch vorrechnet, wo in Wahrheit sie versagt. Er lässt sich auch nicht von den selbstbewussten Korinthern examinieren: „Gnade, wer weiß denn schon, was das wirklich ist? Sind wir nicht alle irgendwo ein stückweit auf der Suche…“ 
Er stellt die Kernfrage: Ist die Gnade vergeblich empfangen? Die Frage der Glaubwürdigkeit ist ihm nicht zuerst die Frage des eigenen persönlichen Versagens oder eines wie auch immer definierten Erfolges, also der Eigenmächtigkeit, sondern wie wir Gottes Urteil gelten lassen. Versäumt die Gemeinde die Gnade nicht auch in der Frage ihrer gnadenlosen Wahrnehmung des Apostels. Damit nicht genug, denn wer so argumentierte, verleugnete damit sein eigenes Angewiesensein auf alles, was wir im Leben in Wahrheit nicht erwerben, sondern empfangen, von der Geburt bis zum Tod. Menschen zur Gnade rufen ist nicht einfach, weil sie durch die Sozialgeschichte unseres Landes einen schäbigen Klang hat: Gnade. Bedürftig zu sein gilt als schwach. Welch ein Irrtum. 
Nein, wir sind gnadenlos, denn wir wollen das Lebensopfer Jesu nicht und wir haben uns dazu probate, schicke Argumente, auf hohem intellektuellen und vor allem feministischen Format beigebracht, um auf solche Gottes Gnade am Kreuz zu verzichten. Wir haben aus Gott einen Popanz gemacht. Wir drehen den Spieß um gegen Gott: Er sei grausem usw. Nein, wir sind es. Wir wollen Gnade, aber wir wollen sie dosieren, bis sie nicht mehr stört! ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 26 Feb 2012 10:00:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum Jahreswechsel 2011/2012</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-jahreswechsel-20112012.html</link>
			<description>Predigt zum Jahreswechsel 2011/2012 über 2. Mose 13,20-22 gehalten von Sup. Noth in Conradsdorf</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b style="mso-bidi-font-weight: normal">So zog das Volk Israel aus von Sukkot, und sie lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. </b>
<b style="mso-bidi-font-weight: normal">Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. </b>
<b style="mso-bidi-font-weight: normal">Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tag noch die Feuersäule bei Nacht.</b>


Liebe Gemeinde!
Zunächst möchte ich Sie auf einen Umstand hinweisen, der beim bloßen Lesen nicht in Erscheinung tritt: Die Stadt Sukkoth können wir heute noch mit ihrem Ort lokalisieren, wo das liegt ist bekannt. Nicht bekannt dagegen ist die Lage von Etam, des Zielortes für diese Etappe des Volkes Israel auf seinem Weg in die Freiheit. Wo sie herkommen, das ist bekannt, wo das Ziel liegt, können wir nicht bestimmen. 
Fühlt sich so der Silvesterabend an? Wo wir herkommen und wo wir stehen an diesem letzten Tage des Jahres 2011, meinen wir ziemlich genau zu wissen – wo es hingeht in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten, kann keiner vorhersagen. Was wir erlebt haben in der Vergangenheit an Glück, an Belastungen und auch an Leid, das ist der Ort, an dem wir stehen. Was auf uns zukommt, liegt im Wesentlichen im Dunklen. Natürlich ist das nicht nur die Situation am letzten Abend des Jahres, sondern eigentlich an jedem Tag, den wir leben. Aber heute bündelt sich diese Erfahrung des Übergangs ins Ungewisse, und wir nehmen uns die Zeit und die Gelegenheit wahr, uns dessen bewusst zu werden. Wo jetzt mein „Sukkoth“ ist, weiß ich – wo morgen mein „Etam“ liegt, ist unbekannt.
Dabei geht es ja im Grunde genommen gar nicht um eine geographische Beschreibung, es sei denn jemand hat einen Umzug vor sich. Und auch im Blick auf unser berufliches Dasein (worunter auch das Rentnerleben mit zu verstehen ist) sind es die Ausnahmesituationen, in denen wir mit einem Wechsel rechnen. Sondern es geht mir vielmehr um die inneren Bereiche meines Lebens: Welche menschlichen Beziehungen werden sich als stabil erweisen, welche werde ich neu aufnehmen können, welche werden in einem Jahr gelöst sein und welche werden mit großen Schmerzen zerbrochen sein? Das sind Fragen, auf die es meiner Meinung nach ankommt und die darüber entscheiden, was „mein Ort“ sein wird. Ich kann auch noch andere Fragen von solchem Gewicht andeuten: Wie wird es um meine körperliche und seelische Leistungsfähigkeit bestellt sein? Oder welches Maß an Lebenszufriedenheit wird meine Tage künftig bestimmen? 
Es scheint mir nur ganz natürlich zu sein, dass solche persönlichen Aspekte heute im Vordergrund stehen, aber darüber hinaus gehören auch sicher solche Fragen dazu: Wie werden sich die wirtschaftlichen Dinge entwickeln, die sich gegenwärtig so unübersichtlich darstellen – und welche Auswirkungen werden sie auf meinen Lebensvollzug haben? Und wenn ich an die anstehenden Veränderungen in unserer kirchlichen Landschaft denke: Wie wird es aussehen und wie werden wir das bewältigen?
Niemand von uns erwartet wohl, dass alles leicht und glücklich geht. Es ist ja auch in der Vergangenheit gar nicht alles leicht und glücklich gegangen. Aber im Rückblick wissen wir, wie sich die Dinge gefügt haben, wo uns die Bewältigung halbwegs gelungen ist und wo wir einfach mit neuen Gegebenheiten zu leben gelernt haben. Ob das nun die Tatsache ist, dass die eigenen Grenzen sich immer wieder gezeigt haben, aber doch innerhalb dieser Grenzen ein erfülltes Jahr hinter uns liegt, ob gesundheitliche Einschränkungen manches schwerer als früher gemacht haben, aber wir haben uns daran gewöhnt und uns darauf einstellen können, oder ob jemand nun sein Leben ohne den Ehepartner bewältigen muss, aber feststellen kann: es ist dennoch kein gänzlich glückloses Leben geworden. Alles in allem: das Netz, das mein Leben trägt, hat gehalten. Und dafür bin ich dankbar. 
Das Unbekannte vor uns, auf das wir uns nicht einfach einstellen können, das Ungewohnte, mit dem wir uns künftig einrichten werden müssen, das Unerwartete, für das wir keine Vorsorge treffen können, das ist es, was die Unsicherheit und bei manchem sicher auch eine große Portion Angst auslösen kann. Und all der Lärm dieses Abends kann wohl nicht darüber hinweg täuschen, dass damit auch die sorgenvollen Stimmen in mir übertönt werden sollen.

Das Volk Israel lagert „am Rande der Wüste“, wie es hier heißt. Es ist auf dem Weg in die Freiheit, ja ins Gelobte Land. Selbstbestimmung, Freiheit und Erfüllung sind das Ziel. Aus dieser Erfahrung schöpfen die Leute über alle Jahrhunderte hin ihre Hoffnung: Wir gehen mit Gott ins Gelobte Land. Und – in wunderbar biblischem Realismus – ist es doch immer wieder „am Rande der Wüste“. Das bedeutet damals wie heute: es gibt schwierige Durststrecken wie es sie immer gegeben hat und geben wird. In dieser Spannung „auf dem Weg in die Freiheit“ – „am Rande der Wüste“ erwarten wir von dem, was kommen mag, Gutes (hoffentlich recht viel) und sind doch im Tiefsten unseres Herzens ungewiss. Wir wissen, wie beglückend menschliche Gemeinschaft und Nähe und zugleich wie zerbrechlich sie sein kann. Wir kennen das volle Lebensglück und wissen doch auch, wie schnell es sich verflüchtigen kann. Wir leben in der Kraft unseres Glaubens, dass Gott uns bewahrt und führt, und sind manchmal von einem Moment zum anderen von tiefen Zweifeln geschüttelt. Und wir wissen, dass diese Spannung nicht aufhört, solange wir leben. 

Und in diesem Zwiespalt hat nun das wunderbare Bild von der Wolken- und Feuersäule seinen Platz, was ja bedeutet: Gott geht meine Wege mit. Und zwar wenn es hell um mich und in mir ist (also bei Tage) und auch wenn Dunkelheit mich ausfüllt und umgibt (also bei Nacht). Und an diesem Silvesterabend soll die Gewissheit uns mitgegeben werden: es gibt keine Wege ohne Gottes Begleitung. 
Und das Vertrauen in diese Zusage halte ich nun allerdings für lebensentscheidend. 
Gehe ich durch Tag und Nacht, also „am Rande der Wüste“ mit dem Vertrauen: Ich werde meinen Ort, also meine Aufgabe, meine Erfüllung, ja, auch mein Glück finden? Oder setze ich meine Schritte mit dem Misstrauen: es wird alles nur schlechter? 
Gehe ich durch Tag und Nacht, „am Rande der Wüste“ in dem Glauben: andere gehen mit mir mit und halten zu mir, also meine Familie, meine Freunde, meine Kirche? Oder fühle ich die Forderung mich begleiten: ich muss alles alleine bewerkstelligen.
Gehe ich durch Tag und Nacht, „am Rande der Wüste“ mit der Zuversicht: Ich werde Vergebung erfahren, wo mein Tun in krassem Widerspruch steht zu dem, was ich soll und will? Oder gehe ich davon aus, dass alles auf Heller und Pfennig abgerechnet wird? 
Aus dem Vertrauen wird wohl eine tiefe Gelassenheit wachsen können. Aus dem Misstrauen wächst so schnell eine tiefe Lebensbitterkeit. 
Dabei ist Vertrauen etwas ganz anderes als Gleichgültigkeit, die sich in so einer Haltung ausdrückt: irgendwie wird’s schon gehen. Und Gelassenheit ist etwas ganz anderes als eine trotziges: Ich lasse mich nicht unterkriegen. Sondern so drücken sich Vertrauen und Gelassenheit aus, wie es im 
31. Psalm gesagt wird: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Und Zeit heißt eben Leben!

Wäre das nun eine Haltung, die der Zusage entspricht, dass Gott bei Tag und Nacht unsere Wege mitgeht und zu einem guten Ziel führt, die Haltung, die ein Ruderer einnimmt: er sieht zurück auf die Strecke, die er zurückgelegt hat, sieht die Schönheiten der Landschaft, sieht die Natur in ihrer Pracht, aber auch den Weg, der mühsam war (und wohl auch bleiben wird). Aber während er zurücksieht, kommt er voran. Zurücksehen auf die Zeichen Gottes in unserem Leben und daraus die Hoffnung gewinnen, die uns die erforderliche Kraft gibt, um unseren Weg zu gehen ins neue Jahr 2012. Mit dem Blick auf die Erfahrungen, die unser Vertrauen begründen: „Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 20:40:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zu Heiligabend 2011 gehalten von Dompfarrer Jörg Coburger</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zu-heiligabend-2011-gehalten-von-dompfarrer-joerg-coburger.html</link>
			<description>Predigt zu Heiligabend 2011 über Jesaja 9, 1-6; gehalten von Dompfarrer Jörg Coburger</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Predigt zu Heiligabend 2011 </b>
<b>über </b>
<b>Jesaja 9, 1-6:</b>
<blockquote><b><i>1) Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die im Schatten des Todes wohnen, scheint es hell. 2) Du weckst lauten Jubel, du machst die Freude groß. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich in der Ernte freut, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3) Denn du hast das bedrückende Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken des Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4) Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5) Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6) auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er`s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.</i></b></blockquote>
Liebe Gemeinde, noch haben wir ein paar Stunden bis Weihnachten! Bloß gut. In vielen Ländern gibt es aus diesem Grund erst morgen, also nach der Heiligen Geburtsnacht, die Geschenke. Jetzt ist der Vorabend, wir sagen „Heilig Abend“. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb die Dompfarrer nicht heute Abend schon, sondern erst morgen früh auf der Tulpenkanzel predigen werden. 
Und was die jubelnden Prophetenworte anbetrifft: Sind wir denn heute Abend tatsächlich so voll zuversichtlichem Jubel und Erwartung gekommen? Wir müssen uns also langsam hineinhören. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die im Schatten des Todes wohnen scheint es hell, denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben … die Herrschaft ruht auf seiner Schulter… er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst.“
Nicht wir widersprechen, Gott widerspricht unseren Zuständen! Wir brauchen ja nur die Nachrichten zu hören, schon weiß jeder, wo die Differenzen sind. Deutschland ist weltweit unter den Waffenexporteuren die Nummer 3. Und wir denken an die jungen Menschen, die in Afghanistan ihr Leben verloren haben. Und die Bevölkerung dort und vielen anderen Ländern, die immer zwischen allen Fronten gerät. Und immer wieder Gewalt in den U-Bahn-Stationen, Gewalt in der Sprache, auf dem Schulhof, Gewalt ja, auch in Familien. Willkommen in der Wirklichkeit. Weihnachten ist nicht die bloße Bestätigung unserer Wirklichkeit. Den Widerspruch zu aktuellen Zuständen empfinden wir sofort. Das ist gut so. Beruhigen wir uns also nicht. Willkommen in der Wirklichkeit Gottes. 
Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben
geboren von ziemlich unköniglichen Eltern, 
in einem Stall, nicht gerade ein majestätischer Ort, 
angebetet, wie wir heute sagen, von der Unterschicht, 
damals den Hirten, Proleten der Antike,
und damit nicht genug, 
beschenkt und verehrt von umherziehenden Esoterikern, 
die einem fragwürdigen Stern gefolgt sind,
jedenfalls etwas ganz anderes suchten,
als diese erbärmlichen Stall,
obendrein als Babylonier Zerstörer und somit Erzfeinde Israels.
Und der Vater erst, Josef, na ja… und die Mutter, Maria, wer ist die schon? Ein Nichts und Niemand 
und Gott hat lauter solche Nichtse auf sein VIP-Liste gesetzt. 
Liebe Gemeinde, wir müssen nachsprechen und nachbuchstabieren, wie Kinder, die das ABC lernen, Glaubens- ABC. Das ist keine Schande, im Gegenteil, denn nur so kommt die fremde frohe Botschaft bei uns an. Zum Beispiel der alt gewordene Zacharias, der endlich, nachdem er verstummt war und seine Stimme wieder fand, Jesaja-Worte nachbuchstabierte, die gar nicht originär seine eigenen waren, wenn er vom „aufgehenden Licht aus der Höhe“ sprach. Und Maria mit ihrem berühmten Lobgesang „Meine Seele erhebet den Herren…“ schreibt darin von Samuels Mutter Hanna ab: „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen…“ Ach ja, und Simeon im Tempel, fast blind geworden, stimmt in das ein, was der Prophet Jesaja einst sagte, wenn er vom dem Licht spricht, „zu erleuchten der Heiden…“
Mit uns ist das nicht anders. Glaubens- ABC lernt man im geduldigen nachbuchstabieren. Glaube ist immer der Mantel, der noch zu groß ist, der ist immer noch zum Hinweinwachsen, größer und weiter als ich selbst gerade bin. Wir haben Zeit. Einen Fernseher kann man einschalten. Zur Weihnachtsfreude muss hinwandern. Im Hineinschlüpfen, im Singen der oft noch ganz unwirklichen Lieder, singen, als sei es schon, Lieder, die immer unserem Glauben weit voraus sind, das macht ja ihre Kraft aus, denn wer singt, handelt. 
Liebe Gemeinde, das Bild des anderen Kindes von Bethlehem lässt sich nicht so ohne weiteres mit dem Kind, dem Gott-Held von Jesaja übereinbringen. Das Bethlehem-Kind Jesus wird weder Held noch Fürst sein, es erbt keinen Thron in einem Palast, auf der Flucht wie Obdachlose wird er sein. &nbsp;Der Weg führt von der Krippe zum Kreuz. Aber doch heißt es eben von ihm, dass er das aufgedeckte, das menschliche Angesicht Gottes ist. 
Wer Gott ist, erkennen wir einzig und allein an diesem Kind, das wuchs und stark ward und zunahm in der Kraft des Heiligen Geistes. Lk.2,40 Überlegen wir doch selbst! Unsere sehr modernen Entweder-Oder, Sieg <i>oder</i> Niederlage, unser stark <i>oder</i> schwach, irdisch <i>oder</i> himmlisch, göttlich <i>oder</i> menschlich, funktionieren bei ihm nicht mehr. Christus Jesus ist nicht „entweder- oder“, sondern es ist ein zugleich: 
Er ist ganz Würdenträger und Bürdenträger zugleich. Wahrer Gott und wahrer Mensch. Was es ist und wer er ist, wird im Himmel entschieden. 
Der Glaube sieht tiefer und erkennt das. Das Licht Gottes leuchtet auf und erhellt die Finsternis unserer Gottesferne. Es geht also nicht nur darum, wie toll und groß oder wie kleinlaut und mickrig &nbsp;wir uns selbst definieren, sondern wie wir vor Gott dran sind. Während wir noch mit Vorbehalten gegen Gott und Mensch beladen sind, distanziert sich Gott nicht von uns. Verlässlichkeit und Treue sind ihm eigen. Seine Liebe ist unsere Rettung. 
Gott ist anders, als das, was wir mit oben und unten, hoch und erniedrigt, stark und schwach verbinden. Alles bringt er durcheinander. Nein, besser, er stellt gegen jeden Zynismus, der sich gern&nbsp; als „Realismus“ gibt, die Hoffnung wieder auf die Beine. Seine Namen sind: Regierungsfähig, Durchsetzungsfähig, Dauerhaft und Friedfertig. Er ist der ganz andere König! Nach dessen Regeln und Maßstäben zu leben lohnt sich. 
Während sich diese aus den Fugen geratene Welt aufführt, als proklamiere sie die elitäre Gottwerdung des Menschen, bekennt die Heilige Schrift die Menschwerdung Gottes. Von ihm wird gesagt, dass er seinen Frieden nicht gibt, wie die Welt gewohnt ist, Frieden zu erzwingen. Joh.14,27 Nichts Menschliches ist ihm egal, nichts ist gleichgültig. Keine Träne, und Tränengas schon gar nicht, kein Stiefel, kein Leid, kein blutiger Soldatenmantel. Das macht seine Stärke Größe aus. Dieser Herr kann uns verstören und durcheinander bringen. Dass menschliche Verletzungen und Verletzung der Menschenrechte seit der Menschwerdung Gottes eine Verletzung Gottes selbst sind, dass sagt uns das „et incarnatus est“ auch. ( Und ist Fleisch geworden Joh.1,14 ) Im Irdischen Heute und Hier will er mit uns leben. Nichts, keine Freude und Glück, keine Schuld und nichts Böses, sind nun bedeutungslos und unwichtig. 
Liebe Gemeinde, ohne von solcher anderen, neuen Zukunft zu wissen und sich ihr anzuvertrauen, müssten wir förmlich ersticken, müssten vergehen in Angst und unserem auch selbst gemachten Chaos. Diese Aussichten lassen mich neu Luft holen. Mitten in Angst und Ungewissheit scheint Gottes helles Licht. 
Wir sollen uns auch an Heilig Abend über alles noch Unfertige und Uneingelöste der Verheißungen nicht einfach beruhigen und ablenken. 
Unfrieden und Gewalt stören. Rufe nach der starken Hand stören! Das ist ein gutes Zeichen! Und Gottes Reich, sein Thron, seine neue und andere Herrschaft, ist nicht von dieser Welt. Joh.18,36 Es bleibt unsere Wachheit gesegnet, die alles Unfertige und noch Uneingelöste schmerzlich vermissen kann. Unsere Hoffnungen müssen himmeloffen bleiben, sonst werden sie bitter und böse. Uns geht es da ein wenig wie den Drei Königen aus dem Morgenland: Welche Art von König sie suchten sie suchten, war das eine und wen sie dann fanden, ein ganz anderes, anderer. 
„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben…“ Das ist das Gegengift gegen eine zynische Welt, in der man angeblich nichts machen kann. Es befreit uns davon zu glauben, aller Unfrieden müsse eben immer so bleiben. Die Herrscher dieser Welt kommen und gehen. Die Systeme, Reiche und Könige dieser Welt mit ihren Währungen und Gesetzen kommen und gehen wieder. Gottes Thron aber bleibt. Er allein entmachtet
die Zerstörungskräfte. Er hat zur Chefsache gemacht, was Menschsein eigentlich bedeutet. Seine Liebe setzt sich durch. Nicht mit Draufhauen, sondern ganz langsam, leise und sacht. ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 21:29:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt am Reformationstag 2011</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-am-reformationstag-2011.html</link>
			<description>Predigt am Reformationstag 31. Oktober 2011 
über Matthäus 10,26-33
gehalten von Sup. Noth</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b></b>


<b></b>
<i>Jesus Christus spricht zu seinen Jüngern:</i>
<i>26 Fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts, was nicht offenbar wird, und nichts ist geheim, was man nicht wissen wird. 27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. </i>
<i>28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. </i>
<i>29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. </i>
<i>31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.</i> 
<i>32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.<b></b></i>


Liebe Gemeinde!
Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wer sich voller Angst in den Straßenverkehr begibt wird weder jemals ein guter Autofahrer werden noch wird er an dieser Art der Fortbewegung Freude finden. Wenn Kinder mit Angst zur Schule gehen, werden sie deutlich schlechter lernen und für diese Phase ihres Lebens oft das Glück vermissen. Im ganz normalen Lebensvollzug kann man die Wahrheit dieses Sprichwortes überall beobachten. 
Und wir haben hier wohl Leute vor uns, die voller Angst auf ihr Leben und auf die Zukunft sehen. Was wird aus mir? Was kommt auf mich noch zu? Was soll noch aus meinem Land, aus meiner Welt werden? Das können Fragen sein, die geboren sind aus der Angst. Und da sind wir ja nun gar nicht mehr in der Vergangenheit, sondern bei uns selber angekommen. 
Und die Frage, die Martin Luther in seinen jungen Jahren gequält hat: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? – die war eben vor allem geprägt von der Angst vor dem strengen, strafenden Gott. Und am Ende blieb und bleibt dann oft nur noch die Feststellung: Das Leben kann nur schlecht ausgehen. Es mag sein, dass die Angst vor dem strengen Gott heute kaum noch gestellt wird – dazu sind wir alle zu säkular geworden. Aber die Furcht, dass das Leben nur schlecht ausgehen kann, scheint mir durchaus sehr verbreitet zu sein. Und solche Angst – das ist das Schlimme daran – höhlt sozusagen das Leben von innen heraus aus. Ich habe den Ausdruck gelesen, dass viele eine „jammerige Freudlosigkeit“ bestimmt. Ist das nicht die Außenseite dessen, was seine tiefe Ursache darin hat, dass die Angst menschliches Leben von innen her aushöhlt? Verkniffene Gesichter, ein Sicherheitswahn, die Härte im täglichen Umgang miteinander – sind das Folgen dieser tief sitzenden Angst, das Leben könne nur schlecht ausgehen? So war es bei den Jüngern, die Jesus anspricht, so war es bei Martin Luther vor fünfhundert Jahren, so ist es heute weit verbreitet. Die äußere Gestalt solcher Angst und ihres Ausdrucks mag sich geändert haben, aber im Grunde ist es immer dasselbe: 
Das Leben kann nur schlecht ausgehen. 
Und deshalb nun, als ob es vor allem darauf ankäme: in den wenigen Zeilen dreimal „Fürchtet euch nicht!“ 
Reicht das? Hilft so ein Appell weiter? Wer wüsste nicht, wie schwer, manchmal scheinbar unmöglich es ist, die Angst zu überwinden – bei sich selbst und anderen. Gute Ratschläge sind meist wenig hilfreich. Und ich habe keinen Hebel, den ich einfach betätigen könnte – und die Angst ist weg; keine Methode – und die Spannung in mir und auf meinem Gesicht ist verschwunden. Ich weiß – oder besser: ich ahne nur, worauf es ankäme:
Vertrauen hilft. Ist es das, kann es etwas anderes sein als das Vertrauen, das eben gerade im Gegenteil zur Angst davon überzeugt ist: Das Leben wird gut ausgehen. Beim Reformator Martin Luther war das die große und befreiende Entdeckung – oder besser Wiederentdeckung, denn im Grunde war es ja bekannt: Es kommt auf dieses Vertrauen an. Gott will und wird dafür sorgen, dass mein Leben gut ausgeht. Das ist es ja auch, was in dem schönen Bild gemeint ist: „Nun sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt.“ Und das heißt doch nichts anderes als niemand und nichts soll verloren gehen. 
Nicht die Strafe, nicht die Abrechnung liegt in Gottes Sinn, sondern dass wir bewahrt werden, dass unser Leben gut ausgeht. Ist dies dabei vergleichbar mit einer Klammer in einer Rechenaufgabe, wo es darauf ankommt, ob davor ein Pluszeichen steht oder ein Minus? Also die Angst oder das Vertrauen? Denn die Gefährdungen bleiben. Keiner kann es umgehen, dass das Leben Brüche aufweist, dass Enttäuschungen und Scheitern dazu gehören, auch dass das eigene Versagen das Leben beeinträchtigt, stört oder manchmal auch zerstört. Also dass es Kräfte in uns und um uns herum gibt, die „…den Leib töten können…“ Etwas anderes anzunehmen wäre nichts als weltfremde Illusion. Aber was könnte es bedeuten in all dem Bedrohlichen, wenn einer oder eine von der Gewissheit ausgeht, die sich in dem Lied ausdrückt: „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand…“ Übrigens hat Arno Pötzsch dieses Lied 1941 gedichtet in einer alles anderen als sorglosen Zeit. 
Das alles spricht nicht gegen eine vernünftige Vorsicht und auch Vorsorge. Aber es macht wohl deutlich, dass ohne Vertrauen oder – wie es Luther genannt hat – ohne Glauben alle Vorsicht und Vorsorge nicht helfen. Also dass bei allem, was kommen mag, ein gnädiger Gott, besser: der gnädige Gott uns hält. Übrigens auch dann, wenn uns die Angst befällt, von der der große Martin Luther zeit seines Lebens nicht frei war…

Es geht also am Ende darum, festen Stand im Leben zu finden. Zu wissen, worauf es zuerst und am Ende ankommt und dabei zu bleiben: “Wer mit bekennt vor den Leuten…“ Auch da kann man an Luther manches entdecken: seine Standhaftigkeit, die aber nun gar nichts zu tun hat, mit einer Heldenpose, in der er über lange Zeit hin dargestellt wurde. Eher wie es die letzten Lutherfilme zeigen: voller Angst und Unsicherheit – aber er hat dann doch nicht von dem lassen können, was seinen Glauben bestimmt hat: dass das Leben unter dem gnädigen Gott am Ende gut ausgehen wird. 
Und dieser Aspekt muss dabei auch in den Blick gerückt werden: dieses Vertrauen ist kein elitäres Geheimwissen, sondern gehört an die Öffentlichkeit. Wir werden deswegen nicht verfolgt oder benachteiligt – zum Glück oder Gott sei Dank! Aber es bleibt auch bei uns nicht aus, dass wir Gegenwind bekommen: Wer sich dafür einsetzt, dass die Sonntagsruhe nicht noch weiter ausgehöhlt wird, weil Menschen nicht allein vom Handel und Wandel leben, bekommt schnell das Etikett „unzeitgemäß“ aufgedrückt. Wer seine Stimme erhebt, wenn es um die Verantwortung für das Leben vor allem am Anfang und am Ende geht, dem kann schon der Vorwurf gemacht werden, dass ihm das Leid anderer Menschen nicht nahe genug geht. Ich weiß, dass ich hier Fragen anreiße, die in höchstem Maße schwierig sind und wo es verboten ist, eine schnelle, einfache und allgemeine Antwort zu geben. Aber dass in allem bedacht und mitgedacht werden muss, dass es bei allem, was wir tun oder unterlassen, in erster Linie auf das Vertrauen ankommt, dass uns Leben gut ausgeht, das bringt nicht immer nur freundliche Reaktionen. Noch einmal: Wir dürfen und sollen das sagen und einbringen. Und Nachteile oder Verfolgung sind in unserem Land kein Problem. Vielleicht ist es etwas anderes, was uns mehr zu schaffen macht als wir wahrhaben möchten: dass das, was wir einbringen sollen und können scheinbar ins Leere geht. Und dass die Gefährdung nicht so sehr von außen kommt, sondern aus uns selbst heraus in den verschiedenen Formen von Resignation. 
Heute ist Reformationsfest. Und wir brauchen nichts neues zu erfinden, sondern uns nur bewusst zu machen, was wir brauchen und – hoffentlich – haben: das tiefe Vertrauen zu Gott, dass das Leben am Ende gut ausgehen wird. Und uns bewusst zu machen, dass es gerade dies ist, was wir der Welt geben können und sollen. 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.
]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 10:00:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt 8. Sonntag nach Trinitatis</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-8-sonntag-nach-trinitatis.html</link>
			<description>Predigt 8. Sonntag nach Trinitatis am 14. August 2011 zu Jesaja 2, 1-5/ EG 426, gehalten von Jörg...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Predigt 8. Sonntag n. Trinitatis am 14 .August 2011 </b>
<b>Jesaja 2, 1-5/ EG 426</b>
Liebe Gemeide
Es geschah in längst vergangenen Tagen: Ein Ostberliner Theologiestudent, an dessen linken Jackenärmel ein Aufnäher mit dem Symbol der Friedensdekade „Schwerter zu Pflugscharen“ angebracht war, wird im Herbst 1983 in der Nähe von Berlin Ostbahnhof von drei Männern in Zivil umringt und festgehalten. Einige Passanten sehen das, trauen sich aber nicht, etwas zu unternehmen. Der Student wird umklammert, einer von hinten um den Hals, zwei von vorn. Einer von denen, die so auffällig unauffällig gekleidet waren, der mit den Handschuhen, holt ein Taschenmesser heraus und als sich der Student trotz des Festhaltens wehren will, schneidet der Unbekannte den Aufnäher so wild heraus, wie es eben gerade geht, während die anderen zupacken. „Wenn du nicht deine Fresse hälst, können wir dich auch gleich mitnehmen“ Der Student versucht noch etwas zu sagen, wie etwa, dass das Bild auf dem Aufnäher ein Denkmal in New York vor den Vereinten Nationen darstelle, ein Geschenk der befreundeten UdSSR ( Sowjetunion ) sei, aber &nbsp;Argumente zählen in Szenen des Hasses ohnehin nicht. „Frieden schaffen ohne Waffen“ war das Motto der jährlichen Friedensdekaden. 

Diese textilen Aufnäher und Lesezeichen aus dünnem Fließstoff hatte die Herrnhuter Firma Abraham Dürninger hergestellt, denn diese textile Ausführung fiel nicht unter die DDR-Druckerlaubnis. Darauf sieht man jenen kraftvoll Hammer schwingenden Mann, der gerade ein Schwert zu einem Ackerpflug umschmiedet. ( Der Name des Künstlers ist Jewgeni Wutchetitsch, 1959 ) 

Die DDR ist untergegangen! Ohne Blutvergießen und Waffengewalt. Verheißung und Herausforderung sind geblieben. „Es wird sein in den zukünftigen Tagen…“ so heißt es wörtlich bei Jesaja, nicht: Es wird sein in den <i>letzten</i> Tagen. Der Unterschied ist wichtig! Es bedeutet nicht so sehr in die Ferne gerückt, sozusagen <i>erst</i> in den letzten Tagen, sondern in Zukunft. Und die beginnt immer heute schon!&nbsp; 

Was wir denn sein? Was war es damals und was ist es heute, dass uns nach Angst und Drohen einer Diktatur zu Zuversicht und Hoffnung in einer komplizierten Welt leben und hoffen lässt. Die Gewalt auf den Straßen ist anders geworden. Die militär-politischen Entscheidungen der Bundesregierung, zum Beispiel zum Krieg in Afghanistan, scheinen die große Vision von Schwert zu Pflugscharen zu verhöhnen und die Bundesrepublik gehört nach wie vor zu den top five der Waffenexporteure weltweit. 

Verheißungen können ja auch in unseren Herzen verblassen oder ersticken, und die, die ihnen einst trauten, müde oder hilflos werden. Andere Sorgen und Ängste drängen sich in den Vordergrund, vor allem die um den Arbeitsplatz. Andere Machstrukturen scheinen uns heute aufzufressen und wir sind nun, vom sozialistischen zum kapitalistischen Materialismus getaumelt, ganz besonders als Verbraucher und Konsumenten interessant und nützlich, unser Wert und Würde in der Öffentlichkeit macht sich vor allem an unserer Kaufkraft fest. &nbsp;Und, besonders im Osten Deutschlands trainieren wir erst seit 20 Jahren Freiheit und Demokratie. Eine schöne und spannende Zeit. Die Erfahrungen von damals haben uns für Zeiten der Enttäuschung trainiert; wir fallen nicht so schnell um! Da kann man Mutmachendes und vor allem Worte mit Vollmacht gut gebrauchen. Der Jerusalemer Politiker und sprachmächtige Poet unter den Propheten stärkt unseren Glauben: „Kommt, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Euer Einsatz ist nicht sinnlos! Eure Mühe im Herrn wird nicht vergeblich sein! ( 1.Kor.15,58 ) 

Wie uns Matthäus die vierfache Wirkung des Ackerfeldes schildert 
( Kap. 13 ), also wie das Samenkorn des Wortes in uns wirkt, so mag es uns auch mit der Friedensvision Jesajas ergehen. Etliches fiel den Vögeln zu, die es fraßen; manches fiel auf Felsen und fand keinen Halt, anderes ging nur ganz kurz auf und vertrocknete dann. Etliches aber fiel auf gutes Land und trug hundertfältige Frucht. 

Solche aufrüttelnden Worte lässt Gott seinem Volk verkündigen. Jesaja, Prophet, Poet, Politiker, hat sie gesprochen: „Schwerter zu Pflugscharen.“&nbsp;&nbsp;&nbsp; (Wie der Zusammenhang zu den fast gleichlautenden Worten aus Micha 4 ist, könnt für eine spannende Bibelstunde aufgehoben werden.) 

<b>Weckruf des Friedens. </b>So möchte ich diese Vision nennen. Zugegeben, visionäre Hoffnungen sind immer etwas wehrlos. Man kann sie verlachen. Aber sie sagen uns vor allem, dass die Mächtigen und Gewalttäter keinen Grund haben, sich als die Allmächtigen aufzuspielen. Es sind Gottes Worte, das unterscheidet Hoffnung von eigenmächtiger Illusion. Und da steckt Macht und Kraft dahinter. 

Niemand kommt als Krieger auf die Welt. Dazu werden Kinder erst gemacht. Damit wird Schluss sein. Sie werden nicht mehr lernen, Krieg gegeneinander zu führen. Das Schicksal des geschundenen Jerusalem, die Stadt auf dem Berg, die Stadt im Wetterwinkel der Geschichte, wird eine Leuchtturmfunktion bekommen. Jerusalem, die schlotternde, schlingernde Stadt, wird eine Stadt des Friedens sein. Drei Gedankenkreise fallen auf:

<b>Dann kommen sie… </b>Es gibt Rechtsberatung für alle Völker, nicht nur allein für Israel. Alle strömen wie auf einem riesigen Pilgerweg zum Gott Israels, um sich in Recht und Gerechtigkeit unterweisen zu lassen. „Dass er uns lehre seine Wege…“ Seine Weisungen sind gut. Sie haben unser Vertrauen verdient. Sie dienen einer guten Zukunft. Diese Zukunft ist offenbar nicht ohne oder gar gegen Jerusalem machbar. Frieden ist nicht ohne Israel möglich. Gott will, dass es in Ruhe vor all seinen Hassern und denen, die es zerstören wollen, leben und ihm dienen darf. Das nimmt aber auch Israel selbst in die Pflicht, Wege des Friedens mit seinen Nachbarn zu suchen. Der große Pilgerweg auf den Gottesberg bedeutet, dass Gott mit ihnen allen Großes und Besonderes vorhat. 

Was ist daran so visionär? Dass alle Völker angesprochen sind und nicht nur Israel. So wurde vor Jesaja nicht gesprochen. Dabei ist sicher nicht daran gedacht gewesen, dass jetzt alle samt und sonders wie mit einem missionarischen Trick Jahwe-Gläubige zu sein hätten, sondern Jesaja meint wohl, dass es in Israel etwas zu holen und zu lernen gibt, was allen hilft und so in der Umwelt Israels nicht vertreten war. Nicht an Nationen wendet sich das Wort, sondern an die Wachgewordenen überhaupt aus allen Nationen. Er ist Instanz für Frieden geworden. Das wird weit über Israels Grenzen hinaus anerkannt. Auch konkret von den Assyrern. 

Gott ruft die Menschen niemals ohne Grund zusammen und versammelt alle um sich herum. Weisung geht von Gott aus - und wird angenommen. Das ist nicht wenig! Was ist daran so besonders? Zum einen, Wunder genug, dass Gottes Weisung etwas gilt. Zum anderen ist es der Kontrast von den Vielen und den Wenigen, denn zur Zeit Jesajas waren es nur wenige, ein kleiner Rest Israels, die nach dem lebendigen Gott fragten. 

<b>Dann richtet er… </b>Richten heißt nicht Aburteilen, sondern Trennen und Unterscheiden. Gott sagt, was richtig und was falsch ist. Er ist Herr und hat die Regie. Er spricht ein Urteil, das Leben fördert und nicht vernichtet. Gott sortiert und räumt auf. Sein Richten ist ein Aufrichten. Ein Aufrichten seines Rechtes und ein Aufrichten der Gescheiterten. Dieses Gericht macht nicht an national definierten Grenzen halt. Richten meint: Gott macht uns wieder brauchbar. Er sondert aus, was vor ihm keinen Bestand hat. Er kann und will mit den Wenigen etwas anfangen. Das bewahrt vor Opportunismus. Wenn sich der Wind zu drehen scheint, müssen wir unser Mäntelchen nicht auch gleich in den Wind hängen. Mit Recht ist es abstoßend, wenn wir das ständige Umschwenken nicht nur von Politikerinnen und Politikern etwa in Fragen der Atomenergie bemerken. Gott schwenkt nicht um. Sein Recht führt uns in je und je neue aktuelle Aufgaben hinein, aber dass Krieg um Gottes Willen nicht sein darf, das bleibt. Und das auch laut auszusprechen, ist von Gottes Gericht her gedeckt. In seinem Richten macht er klar, was Gott fördert und was er nicht fördert. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;

<b>Dann verändern sie…</b> Das Kriegshandwerkszeug, vor allem auch die vor den Stahlwaffen eingesetzten verbalen Medien- Waffen, haben keinen Verwendungszweck mehr. Frieden ist zu einer Folge der Unterweisung durch Gott geworden. Im Hören auf ihn werden wir anderen Zielen gehorsam. Das stört die Machthaber. Und stört unsere Ruhe. 
Und zugleich ist ein kleiner Anfang spürbar, es st nicht bloß die blanke Zukunftsmusik. 

Einmal haben wir die Jesaja-Worte zart und konkret Wahrheit werden sehen, dass sie uns, neben vielen Schlimmen, für immer prägen werden. Ich meine damit den Beginn der unblutigen Revolution im Herbst 1989 in Gebeten und Liedern. „Keine Gewalt, keine Gewalt, keine Gewalt…“ Ganz klar, heute wird im Osten und im Westen, von links und rechts, von bürgerlich, von angepasst und wendehälsig um die Deutungshoheit dessen gestritten, was damals war, da zahlt jeder mit selbstgeprägter Münze; das gilt es nüchtern wahrzunehmen und den Geschichtsfälschern zu widersprechen. Aber dass dieses unblutige Geschehen wesentlich aus den Friedensgebeten kam, lässt sich nicht bestreiten. Kerzen und Gebete.

Empörendes Beispiel solch pervertierter Deutungshoheit war, als ein Stasi-Offizier in einer TV-Dokumentation frech meinte, ihnen sie es schließlich zu danken, dass sie die Waffen gegen die Demonstranten zurückgehalten hätten, deshalb sei es in Wahrheit eine friedliche Revolution gewesen. 

<b>Weckruf des Friedens. </b>Da sind alte Narben ( keine Wunden ) aus längst vergangenen Zeiten und doch sind sie lebendig. Das ist wertvoll. Wir nehmen die Erinnerungen unserer Aufnäher- Aktionen und Friedens-gottesdienste mit in die Zukunft. Später erfuhren wir, wie nah Europa durch den Nato-Doppelbeschluss und die russischen SS20-Rakten an einem Krieg war, was unsere schlimmen Ahnungen von damals weit übertraf.

Gott will uns oft Müdegewordene aufwecken. Wir sind tausendmal ohnmächtig gewesen, zu Zuschauern gemacht, bis heute. Sicher, wir haben keine Rezepte und Allheilmittel, auch für Afghanistan und für Lybien nicht. Wir dürfen das zugeben. Es gibt keinen Grund, dass wir Friedensbewegten uns als die Elite oder Avantgarde definieren, aber wir lassen uns nicht friedensmüde, demokratiemüde schwatzen. Und dazu gehört sehr wohl, dass wir von einer Regierung Rechenschaft über Waffenhandel fordern dürfen, der wieder und wieder mit unabsehbaren Folgen Länder wie Saudi-Arabien beliefert. Die frech-trotzige Antwort der Regierung: „Darüber geben wir keine Auskunft“ ist einer mündigen Bürgerschaft gegenüber unwürdig und verlogen. 

Weckruf des Friedens! Das bedeutet, dass wir uns mit unseren Glauben nicht verstecken, sondern aussagfähig über darüber bleiben oder es wieder werden, wem wir glauben und was wir hoffen und darüber aller Welt Rechenschaft geben. Frieden schaffen ohne Waffen! 

Wie aber werden wir aussagefähig? Indem wir uns mit vollem Recht auf Gottes Verheißung berufen dürfen und uns von ihm unterrichten lassen. Das wird uns in Gang setzen, Salz der Erde unGipfeln, nicht nur beim Kirchentag, sagen wir dann von dem einem Frieden, der sich nicht allein aus politischem Kalkül aus Ölquellen und Bündnispolitik, sondern aus Gottes Logik speist. d Licht der Welt zu sein. Und dieser Glaube gehört ins Epizentrum der Auseinandersetzungen und nicht an den gesellschaftlichen Rand. Nicht hoch zu Ross, aber an den sichtbar und hörbaren Stellen, auf den thematischen ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 10:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt am Pfingstsonntag, 12. Juni 2011</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-am-pfingstsonntag-12-juni-2011.html</link>
			<description>Predigt am Pfingstsonntag, 12. Juni 2011 über Johannes 16,5-15
gehalten von Sup. Noth in...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="BORDER-BOTTOM: windowtext 1.5pt solid; BORDER-LEFT: medium none; PADDING-BOTTOM: 1pt; PADDING-LEFT: 0cm; PADDING-RIGHT: 0cm; BORDER-TOP: medium none; BORDER-RIGHT: medium none; PADDING-TOP: 0cm">Predigt am Pfingstsonntag, 12. Juni 2011 über Johannes 16,5-15</div>

Christus spricht zu seinen Jüngern: 
5 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?&nbsp; </b>6<b style="mso-bidi-font-weight: normal"> Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. </b>7 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. </b>8 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; </b>9 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; </b>10 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; </b>11 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. </b>
12 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. </b>13 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. </b>
<div style="BORDER-BOTTOM: windowtext 1.5pt solid; BORDER-LEFT: medium none; PADDING-BOTTOM: 1pt; PADDING-LEFT: 0cm; PADDING-RIGHT: 0cm; BORDER-TOP: medium none; BORDER-RIGHT: medium none; PADDING-TOP: 0cm">14 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. </b>15 <b style="mso-bidi-font-weight: normal">Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.</b></div>
<b style="mso-bidi-font-weight: normal">&nbsp;</b>
Liebe Gemeinde,
wenig schwungvoll kommen diese Worte daher – gar nicht so, wie ich es am Pfingstfest möchte und erwarte. Eher trocken und mit einem Überzug von Niedergeschlagenheit, denn es ist ja eine Abschiedssituation, in der sie gesprochen werden.
Aber natürlich ist vom „Tröster“, vom „Geist der Wahrheit“ die Rede – wir sind es gewohnt vom „Heiligen Geist“ zu reden. Und das gehört ja nun zu diesem Tag und zu diesem hohen Fest. 
Wovon ich also an diesem Tag mit diesen Worten reden möchte, könnte so ausgedrückt werden: Ich kann Gott nicht dingfest machen, und ich bin trotzdem seiner Gegenwart gewiss. Denn um diese beiden Brennpunkte bewegen sich die Worte: Der Abschied mit dem Loslassen und Loslassen-Müssen, der die gedämpfte Stimmung verursacht, auf der einen Seite und auf der anderen die Zusage bleibender Nähe.

Und damit bin ich in einem Erfahrungsfeld, das wohl keinem ganz fremd ist: Die Erfahrung beglückender Gegenwart – und dann der Abschied. Ich will es an drei zeitlich weit auseinander liegenden Begebenheiten etwas anschaulich machen: 
1971, ich hatte gerade mit meinem Studium begonnen, hatte ich die Gelegenheit mit einer großen Zahl junger Leute in ein kirchliches Heim nahe bei Berlin zu einer Freizeit zu fahren. Und das ganz Besondere war, dass dieses Treffen von zwei Brüdern aus Taizé gestaltet und geleitet wurde. Es war eine unglaublich gefüllte Woche mit den Andachten und den Bibelarbeiten, mit den Gesprächen und den Gesängen. Und es waren Tage, in denen ich meines Glaubens ganz gewiss war und – so könnte ich es sagen – zweifelsfrei von der Nähe Gottes überzeugt war. Und dann fuhr ich zu meinem Studium zurück mit dem Lernen und Pauken, mit Prüfungen und den vielen – manchmal bohrenden – Fragen. 
Anfang 1990 kam ein junger Mann zu mir und sagte: „Herr Pfarrer, ich möchte wieder in die Kirche eintreten.“ Auf meine Frage, was ihn denn nun zu diesem Schritt bewogen hätte, erwiderte er: „Ich bin seinerzeit aus Enttäuschung aus der Kirche ausgetreten, habe mir aber versprochen: wenn das SED-Regime aufhört, dann weiß ich, dass es Gott gibt.“ Die damaligen chaotisch-herrlichen Zeiten sind vorbei – ich weiß nicht, wie es mit diesem Mann weitergegangen ist, aber er wird mich Sicherheit von dieser schwungvollen Zeit auch haben Abschied nehmen müssen.
Und nur wenige Tage liegt es zurück, dass die Dresdner und ihre Gäste den wundervollen Kirchentag begangen haben. Die gelöste Stimmung, die Möglichkeit mit völlig Unbekannten Kontakt aufzunehmen und zu reden, die Angebote für den Kopf und das Herz, die unübersehbare Zahl der Christen haben etwas von der verbindenden Kraft des Glaubens sichtbar werden lassen. Aber dann sind alle nach Hause gefahren – in manchmal sehr, sehr kleine Gemeinden und sehr bescheidene kirchliche Verhältnisse. 
Ich kann – und das will ich damit verdeutlichen – Gott nicht dingfest machen, ihn und das, was ich in besonderen Momenten mit ihm erlebt habe, nicht im Rucksack mit nach Hause nehmen. Immer stellt sich die Situation des Abschieds ein. Und das tut weh. „Euer Herz ist voll Trauer“ sagt Christus zu seinen Jüngern. 
Zugleich ist es für uns unerlässlich, Abschied zu nehmen. Jeder muss wieder in der Welt ankommen und kann und darf nicht bleiben in einer geistlichen Ausnahmesituation. Unser Ort ist dort, wo unser Alltag stattfindet. Dort haben wir unsere Aufgaben, und dort müssen wir uns bewähren. Deshalb wohl sagt Christus seinen Jüngern trotz aller Traurigkeit des Abschieds: „Es ist gut für euch.“

Und zugleich hören wir die Zusage, dass wir nicht auf uns allein gestellt sind, sondern dass in einer oft sehr verborgenen Weise Gott uns nahe ist – im Alltag, in unseren Aufgaben und auch in unseren Fragen und Zweifeln. Er geht unseren Weg mit uns. Darum vor allem geht es heute: um die Zusage, das Versprechen der Nähe Gottes. 
„Er wird euch in alle Wahrheit leiten.“ Darin schwingt das Bild vom Wege mit, den ich nun aber nicht allein gehen muss, auch wenn ich manches hinter mir lassen muss, wie es immer ist, wenn ich einen Weg beschreite. Und auch „er wird der Welt die Augen auftun“ – das hat etwas mit Entwicklung zu tun, dass wir nicht stehen bleiben, wo wir sind, sondern unter Gottes Leitung vorankommen und neue Wege und neue Möglichkeiten entdecken können. Wohin werden wir geführt, wofür werden uns die Augen geöffnet? Hier wird’s etwas schwierig: 
„Über die Sünde, dass sie nicht glauben an mich“ – damit ist eine entscheidende Frage meines Lebens angesprochen: Lebe ich aus dem Vertrauen oder baue ich mein Leben auf das Misstrauen? Sünde hat in diesem Zusammenhang gar nichts mit unserer Moral zu tun, sondern im tiefsten Sinne geht es dabei um die Frage nach meinem Verhältnis zu Gott. Weiß ich ihn und will ich ihn an meiner Seite oder gestalte ich mein Leben unter der Voraussetzung, dass ich alles allein bewältigen muss. Wenn ich es so verstehe, dann schädige ich mit meinem Misstrauen gar nicht Gott, auch nicht einmal die Menschen neben mir, sondern vor allem mich selbst. Ein Leben aus Vertrauen wird sich erfüllen, wenn dagegen das Vertrauen fehlt, wird am Ende immer nur die Angst bleiben. 
„Über die Gerechtigkeit, dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht“ – die Zuwendung, die ich von Gott erfahren habe, bleibt – in veränderter Form – erhalten. Was ich bei der beglückenden Rüstzeit, der junge Mann in Tagen der „Wende“ und unzählige Menschen beim Kirchentag erfahren haben, ist nicht mit diesen Tagen vorbei, auch wenn sich Gottes Gegenwart späterhin nur selten so handgreiflich zeigt. Hier wird mir der Zusammenhang mit dem Vertrauen beziehungsweise dem Glauben deutlich. 
„Über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist“ – für mich heißt das: die Gegenwart Christi ist nicht mehr aus dieser Welt zu verdrängen. Schwierige Lebensumstände, harte Zwänge, die mir zusetzen, können Gottes Nähe (oder die Anwesenheit des Heiligen Geistes) nicht verhindern. 

Wo geht es hin mit mir, mit meiner Kirche, mit meiner Welt? Das ist eine durchaus bange Frage. 
Welche Wege kommen auf mich zu? Und werde ich sie bewältigen können?
Wie wird meine Kirche in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen?
Und welche Zukunft liegt vor meinen Kindern und meinen Enkeln? 
Ich weiß es nicht. Was mir aber hoffentlich erhalten bleibt, ist die Gewissheit, dass es keine Wege gibt ohne die Gegenwart Gottes. Wohin er uns führt, ist mir unbekannt, aber wer mit Vertrauen lebt, kann den nächsten Schritt zuversichtlich tun. 
Wie könnte das aussehen? Ich will es versuchen, an einer Stelle beispielhaft darzustellen:
Werden unsere Gemeinden in Zukunft in Bewegung sein und zu ihren Gottesdiensten Wege auf sich nehmen, weil es nicht mehr möglich ist, in allen Orten Gottesdienste zu halten und weil vielleicht manches Kirchengebäude aufgegeben werden musste? Oder wird es so geschehen, dass ein Dorf mit zweihundert Einwohnern und dreißig getauften Christen die Sache in die Hand nimmt – und die schon aufgegebene Kirche Stück für Stück sichert und wieder aufbaut, damit deutlich wird, dass zum Leben auch dort mehr gehört als nur Kaufen, Essen und Fernsehen?
Werden die Kirchen voll sein, weil die Menschen wieder merken, dass der alte traditionelle Gottesdienst, den sie so lange verachtet haben, gegenüber aller Unterhaltung und Zerstreuung notwendig ist für die Seele? Oder wird sich die klein gewordene Zahl der Christen in Hauskreisen und Gruppen versammeln und so das Licht der Welt sein und das Salz in der Suppe?
Vielleicht auch beides nebeneinander, vielleicht auch noch ganz anders. 

Jedenfalls ist Gottes Geist nicht aus der Welt zu verbannen – und alles andere will ich ihm überlassen. 
Amen.

]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 12 Jun 2011 10:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zum-33-deutschen-evangelischen-kirchentag-in-dresden.html</link>
			<description>Predigt zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden
vom 1.-5.Juni 2011 über Matthäus 6,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Schwestern und Brüder,
hinter liegen drei Tage herrliche Tage mit einem tollen Programm in Dresden und allen anderen Gastgeberorten. Zunächst bin ich nur voller Freude und Dankbarkeit, angefangen von der Atmosphäre, so begrenzt ich die auch mitbekam, bis hin zum Wetter. Möge es noch lange in uns allen nachwirken und der Segenstrom dieses Festes in den Gemeinden vor Ort weiterwirken.
Da kommt eine Frau von Bremen mit dem Fahrrad, da wandert ein Ehepaar als Maria und Josef mit einem Esel nach Freiberg, da spricht mich gestern Abend ein Gast an: Ich bin eigentlich nur aus Versehen hier, aber es stand offen, da hat´s gesungen… und nach einer kleinen Pause: „Wissen Sie, ich habe seit Jahren wieder gebetet“; oder da kommen zehn Bläser, früher Studenten in Göttingen, durch Familie und Beruf in alle Himmelsrichtungen verstreut, nun hier zusammen um für uns im Dom Musik zu machen, gestern Abend zum Feierabendmahl und zur Abend der Begegnung hat einfach alles gut geklappt, weshalb, weil wir hier ein großartiges Team haben… Das ist Kirchentag.
Zum Fest des Glaubens, diesmal hier „bei uns“ in Sachsen, gibt es kritische Worte. Ich habe den Kirchentag in seiner Festlichkeit nie als ein Event der Ablenkung verstanden. Lieb ist er mir geworden, weil auch der kritische Diskurs mit meinen Geschwistern aus der Ökumene meinen Blick geweitet und bereichert und auch korrigiert hat. Ja, diese Kirchen-tagslosung wirkt zunächst wenig festlich, ja sogar mit einem warnenden und aufmunternden Ton ist sie gesprochen: Eine friedlich- schiedlich nebeneinander arrangierte Koexistenz von Gott und Götze gibt es nicht! 
Alles kreist um den Gedanken, woran unsere Herzen hängen. Was bindet mich im guten und nötigen Sinn und was ist es, das mich fesselt und unfrei macht? Es ist nicht die Frage nach Freiheit oder Bindung, sondern einzig und allein, WORAN wir gebunden sind. Und wir können diese Worte letztlich nicht ohne die Urerfahrung hören, die das Gottesvolk durch alle Zeiten hindurch mit Gott gemacht hat: Gott ist ein Gott, der befreit und ins Weite führt. 
„Da wird auch dein Herz sein…“ das ist an das Wort „Schatz“ gekoppelt, und die Polarität von Himmel und Erde, Gott und Mammon, Vertrauen und Angst, Sorge und Segen und Fluch, schwingt immer mit. 
Ohne Umschweife trifft Jesus wieder einmal ins Schwarze. Ins Zentrum, das Herz! Mein Ich, mein Kern, mein Planen, Handeln und Denken, das, was mich ausmacht. 
Das Herz, das schöne dumme Ding. 
Paradieseshimmelswiese. 
Mördergrube.
Dort finden die Entscheidungen statt. 
Es ist der „Ort“ der Begegnung. 
Auch und gerade der Begegnung mit Gott.
Das Herz ist ein Kampfplatz. 
Viele bewerben sich um einen Platz dort. 
Manche ziehen und zerren auch. 
Nicht finster soll es sein, sondern voller Liebe und Klarheit. 
Das würde der uns geschenkten Würde vom Schöpfer her entsprechen. 

Was würde denn der vom Schöpfer her gedachten Würde entsprechen?
Wie sollen und können wir denn, nicht immer nur scheiternd, sondern auch gelungen und erfüllt leben? Verwechselt nicht die Lebensmittel mit der Lebensmitte. Die Lebensmittel sind nicht unsere Lebensmitte. Gott ist unsere Lebensmitte. Den Lebensmitteln gehört der ihnen gebührende und zugeordnete relativierte Platz zu Lob und Dank, zu Staunen und Genießen in Gottes großem herrlichem Garten. Die Lebensmittel sind Gottes reicher Segen. Jesus wusste offenbar davon, dass das, was zum Segen gedacht war, ein Fluch werden kann. Und wir wissen es auch. Geld ist ein guter Diener, aber nur ein sehr schlechter Herr. Nein, deutlicher, wenn es herrscht, ist es ein Fluch! Mammon. 
So werden wir ins Nachdenken über Bindungen, über zerstörerische und lebensbejahende Bindungen geführt. Es steht nicht die Frage, ob überhaupt wir in Bindungen leben, sondern in welchem Licht Bindungen
und Freiheit erscheinen. Was passiert mit uns, wenn aus den Lebens-mitteln die Lebensmitte geworden ist. Merken wir das überhaupt?
Haben wir tatsächlich so viel Distanz dazu und verlören nicht den Überblick über Bindungen, soll ich sagen: Verstrickungen? 
Wenn wir dieses Kirchentagswort in die Situation hineinstellen, hören wir
die Frage nach Freiheit und Bindung der Kirche. Anders formuliert: Wofür steht Kirche? Was ist auch, von „außen“ ablesbar? Was ist uns selbst lieb und wert? Was macht uns aus? Was macht uns frei und was unfrei? Was macht uns nervös? Wo brauchen wir neues Vertrauen? Und vor allem: Was ist vom Herrn der Kirche aufgetragen?
Und: Wen rufen wir denn als Christinnen und Christen in Deutschland als Platzanweiser in der Gesellschaft auf? Oft beherrscht uns die Angst um unsere gesellschaftliche Wichtigkeit. Ja, die Kräfte, die die Kirche marginalisieren wollen, sind unüberhörbar. Doch wir Christen werden dringend mit unseren Gaben gebraucht. Die Kirche gehört nicht an den Rand, sondern mit ihrem himmeloffenen Glauben ins Epizentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Themenkomplexe wie erneuerbare Energie, und Gerechtigkeit und so unendlich viele ethische Fragen und immer, immer drängender: Die Frage der Migration, weltweit.
Und vor allem: Wo nimmt uns der Herr der Kirche selbst in die Pflicht? Was sind seine Ziele mit uns? `Veruntreut mir dem Himmel nicht`, so versteht ich, paraphrasiert, Jesu Worte. Ich kenne ganz gewiss eine theologische Möglichkeit, den Himmel – wie man so schön formuliert – „herunterzubrechen“. Das geschieht ganz bestimmt in der guten Absicht, nicht völlig abgehoben die irdische, soziale Verantwortung zu verleugnen. Ja, wer den Boden nicht berührt, kann den Himmel nicht erreichen. So weit, so auch gut, nur vergisst das unter anderem, das die Menschen mit Recht gerade in uns die Sachwalter in Sachen „Himmel“ und „Glauben“ und „Gott“ suchen. Wir haben nicht zuerst Erwartungen zu erfüllen, sondern ein Geheimnis zu feiern. Hier auf Erden! Mit beiden Füßen am Boden. 
Wir aber sind zu sehr bei uns selbst. Wir haben oft, himmelhochjauchzend -zu Tode betrübt, Vertrauen wie Petrus, der übers Wasser läuft und sinken ein, weil unser Strohfeuervertrauen keinen Pfifferling wert ist. Wir leben, als ob es Gott nicht gäbe. Aber was wir sind und haben, baut sich als Wahrheit zuerst von ihm, vom dem Blick, der aus Gottes Wort auf uns fällt. Was wir als Kirche sind, ist nicht allein empirisch auszumachen. Und gar nachdem, was man den Leuten vermitteln und plausibel machen kann. 
Wir haben große Sorgen. Und die scheinen uns ganz aufzufressen. Wir haben keinen Glauben. Es geht immer um Geld und Stellen, um Stellen und Geld. Christus will, dass wir uns nicht zersorgen. Es ist nicht so wichtig, was ich glaube, sondern wem ich glaube. Die Diskussion um die Zukunft der Kirche ist zu einer Finanzdiskussion geworden. Aber zugleich erleben wir, wie mit Gottvertrauen und Zuversicht Menschen in unserer Kirche aufbrechen.
Werft euer Vertrauen nicht weg! Gott wird für uns sorgen. Wir werden eines Tages wieder eine arme Kirche sein. Erleben wir nicht gerade in diesen Tagen, wie sich der Herr immer wieder zur rechten Zeit Menschen beruft und ausrüstet, das Evangelium vom Reich Gottes auszubreiten.
Wir sind reich. Der wahre Schatz der Kirche, so sagt es Luther in der 62. seiner 95 Thesen, ist das Evangelium von der herrlichen Gnade Gottes.
Deshalb wohl heißt es als Zielformulierung der Bergpredigt: Trachtet zuerst nach dem Reich und seiner Gerechtigkeit, so wird euch
DAS alles – in der Bergpredigt vorher Zugesagte - auch zufallen.
Manchmal lesen wir: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles zufallen“ Richtig heißt es aber: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und dann wird euch das alles zufallen“ Das meint das soeben in der Bergpredigt Verheißene, alles, was Jesus eben gesagt hatte, wird euch zufallen. ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 10:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zu Sonntag Rogate dem 29.5.2011 von Frederik Spindler</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zu-sonntag-rogate-dem-2952011-von-frederik-spindler.html</link>
			<description>Predigt von Frederik Spindler anlässlich seiner Abschlussprüfung der Prädikantenausbildung im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Predigt zu Sonntag Rogate dem 29.5.2011 von Frederik Spindler

Predigttext Lk 11,5-13
[Jesus lehrt die Jünger:] <i>Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. </i>
<i>Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. </i>
<i>Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! </i>

Liebe Gemeinde,
mir kam eine Kindheitsgeschichte in den Sinn. Damals, als ich noch kleiner war, war ich mit der Tante und dem Onkel im Saurierpark in Kleinwelka. Man wurde nicht nur an Imbissbuden vorbeigeführt, was die Kinder weniger interessiert, sondern auch an der Bude mit hunderten bunten Dinospielfiguren, was die Erwachsenen so gar nicht interessiert. Aber Kinder haben einen Trick auf Lager, und die Sachsen hinreichend Vokabular dafür: Knatschen und Ningeln. Bis die Tante zum dem Onkel sagt: &quot;Jetzt koof'n een Saurier, dass das Gefänze uffhört!&quot; Ich bin nun reifer geworden und ein wenig größer. Wenn ich etwas haben will, gehe ich es zurückhaltend an. Ich bezahle dafür, ich gleiche aus, ich gebe zurück, ich mache möglichst keine Schulden. Dann lese ich Lukas 11,5-13 und höre: du bist viel zu erwachsen. Gott will sich immer noch auf die Nerven gehen lassen von mir. Der Text sagt weiter: Jedem, der bittet, wird gegeben. Basta. Wer damit kein Problem hat, kann gern eine Weile abschalten oder Gesangbuch lesen. Ich aber habe Fragen. 

Man könnte sagen, das stimmt alles so, und so muss das sein mit der Bibel, bloß kein Kleinglaube. Unser Problem dabei: die Kranken, die nicht geheilt wurden, die Verletzungen, die nicht wieder gut wurden, die Nöte, die nicht abzuwenden waren. Die alte Frage, wie denn Gott <i>das</i> zulassen kann, die darf nicht verhallen. Aber sie ist oft genug Ausdruck des Verlangens, Gott verfügbar zu machen - egal, ob man nun explizit von Gott spricht oder meint, es erst atheistisch umformulieren zu müssen. Noch eine Kindergeschichte: Da war mein Bruder vielleicht zehn Jahre alt, als er betete, das innig gewünschte Lego-Schiff möge des Morgens unter dem Bette liegen. Völlig unerwarteter Weise erhörte der Herr diese Bitte nicht. Einem Kind kann man das nicht anlasten. Aber das Denkmuster ist der Menschheit eigen: Ich <i>will</i>, und Gott (oder Schicksal oder Gesellschaft ...) <i>soll</i>. Der erste Schritt dazu, was eine Dozentin einmal treffend definierte: &quot;Magie bedient sich an der ungeheurem Macht, die Gott darstellt, und das schlägt fehl&quot;. Wir sind immer noch beim Thema: Wie bekommen wir, was wir wollen? Und es ist erstaunlich, was Menschen unter der Woche so zu glauben bereit sind: Esoterik, Astrologie, überschätzte Vernunftphilosophien, Vertrauen in den Markt, Folge-deinem-Bauch, Hingabe in alle möglichen Kleinheiten und Niedrigkeiten, Selbstbeweihräucherung - alles Zauberkünste unserer Zeit. Versuche, die Regie ganz in die Hände zu bekommen. Und diese Magien mögen weiß oder schwarz, hellgrün oder lila sein. Sie gehen immer in die Irre. Gott erreicht, wenn nötig alle (Er hat beim Stern von Bethlehem auch durch ein Horoskop gesprochen). Aber Gottes Macht ohne Gott selbst haben zu wollen, ist Arznei ohne Beipackzettel.

Die zweite Möglichkeit, der Absolutheit der Worte Jesu zu begegnen, ist die Relativierung. Es ist keine Erfindung, dass Leute meinen, eine ausbleibende Heilung liegt daran, dass man falsch und schwach gebetet habe. Das ist gruselig und böse. Im Bild verbleibend: der da des Nachts klopfte, wollte aus Freundschaft geholfen bekommen, aber Freundschaft half ihm nicht, nur dass er keinen anderen Ausweg wusste. &quot;Richtig zu beten&quot; ist kein Erfolgskriterium. Gerade am Beispiel Heilung muss doch klar werden, dass Gottes Pläne eben offenkundig andere sind, als eine euphorische Pseudotheologie ihm aufdiktieren will. Es werden eben auch die Frömmsten krank. Ein gewisser Bruder Daniel, den ich schon mehrfach über seine Erfahrungen als geistlicher Heiler habe sprechen hören, weiß das auch: Es gibt die Heilung im ersten Gebet, es gibt sie nach Jahren des Betens, es gibt das Ausbleiben der Erhörung. Und er sagt in aller Gelassenheit: &quot;na, an irchendewas muss dr Mensch a nacharz sterben&quot;; von einem warmherzigen Rentner kann man das nicht sarkastisch hören. Also: Gott hat auch ohne unser Bitten schon etwas vor mit Seiner Zeit. Wenn ein Gebet nicht in Erfüllung geht, dann ist das Seine Sache, nicht unsere. 

Wir sind also nun soweit, dass es um automatisierte Sicherheiten nicht gehen kann. Deswegen ermutigt die Bibel zu einem Gebet, dass sich nicht einschüchtern lässt vom Sichtbaren, von Fehlschlägen und Umständen. Ich glaube nicht, dass der Vergleich mit dem Hausvater sehr weit gehen sollte, der da durch den Raum schreit, man möge doch seine Kinder nicht wecken. Doch es soll deutlich werden, Gott lässt sich bewegen. Gott ist nicht Knecht Seiner Gesetzmäßigkeiten. Andernfalls hätte niemand hier ein Recht zu leben. Der unbewegbare Gott hätte nicht Seinen Sohn anstelle aller sterben lassen. Er hätte sich nicht von Moses, der sich für das Volk einlösen wollte, erweichen lassen. Er hätte keine Arche bauen lassen als Rettung vor seinem eigenen Gericht. Er hätte nicht noch Kleider gemacht für die gefallene Menschheit. Er hätte längst die Schöpfung verlassen. So Grundlegendes enthält diese Botschaft. <i>Das</i> Thema der Bibel: Gott lässt sich bewegen. Und was wir gehört haben, ist ein Einblick in Sein Herz, <i>was</i> Er gibt und <i>wie</i> das geht: ...

<i>Was hat uns Gott zu geben?</i>

&quot;Was ihr bittet in Meinem Namen...&quot; wurde vorhin gelesen. Jesus teilte beides aus, Brot und Geist. Das mit dem Brot sieht jeder ein. Kein Luxus, aber Brot und sauberes Wasser, solide Ausstattung, Allgemeinbildung, medizinische Versorgung, Infrastruktur, Frieden - man muss den Menschen schon sehr verachten, um diese Bedürfnisse weltbezogen und gottlos zu nennen. Für andere zu bitten und zu geben, ist ethisch wertvoll, ist humanitär angesehen. Für uns das zu erbitten, wird schon etwas verschwommener, weil wir all das zu haben gewöhnt sind. Und vor diesem Hintergrund stellt euch vor, einer sagt offen, er bittet Gott um den Heiligen Geist. - &quot;Was willst du damit, du hast doch alles?!&quot;, &quot;Gibt's keine anderen Sorgen auf der Welt?!&quot;, &quot;Was soll das schon bedeuten, Heiliger Geist?!&quot;. Im Ernstfall gilt dieser Wunsch als egoistischer religiöser Firlefanz, insbesondere dort, wo Jesus nur als der Helfer und Redner bekannt ist. 

Wovon leben wir? Nicht vom Brot allein, nicht vom Brot zuerst, und nicht vom Brot zuletzt. Das muss ich mir einschärfen, wenn die falschen Prioritäten mich verbiegen wollen. Rente, Einkommen, Ansprüche, Regeln, Versicherung, keinen Cent verschenken bei der jetzt wieder fälligen Steuererklärung - das alles ist sehr wichtig, aber es hat nicht annähernd den Stellenwert, der uns immer wieder eingebläut wird. Das Seelenheil ist wichtiger als der Lebensstil, als alle Möglichkeiten des Irdischen zusammen. 

Da hören wir die Bergpredigt <i>(Mt 6,33)</i>: &quot;Trachtet <i>zuerst</i> nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen&quot;. Die Bitte um den Geist Gottes ist weit nötiger, als die um Brot (und jeder weiß, wie wichtig Brot schon ist). Das heißt auch, Gott will dir nichts andrehen, das du nicht brauchst. Er schenkt dir keinen Schund, der als Staubfänger im Regal deines Herzens landet. Das Bild ist poetisch wenig wertvoll, aber Sein Geist soll das Regal werden, damit alles in deinem Herzen in seinem Geist ruht. Er schenkt dir mit Seinem Geist nichts, mit dem du nicht umgehen könntest, das du nicht nötig hättest, oder was du anderswo herbekommen könntest. So wie das hungrige Kind einen Fisch und ein Ei bekommt, so lebst du vom Heiligen Geist. 

Was uns Gott zu geben hat, ist also nicht nur biologisch-neurologisches Sein - Kauen &amp; Verdauen -, sondern wahres Leben, das Er entworfen hat und darum auch nur so nachhaltig funktioniert. Das ist nicht das, was wir für gewöhnlich zu wünschen bereit sind. Wenn dir alle einreden, wie lecker Schlangen und Skorpione sind, dann lechzt du danach und wirst enttäuscht sein über Fischstäbchen und Rührei. Trotzdem wird Gott dir das Gute geben, unabhängig ob du darin seine Einschätzung teilst. Das wirst du hernach erlernen können, denn erst der Geist befähigt, Nahrung von Gift zu unterscheiden, falsch von richtig, Impuls von Bedürfen.

Was heißt das im Konkreten? Man hatte ja vielmehr den Eindruck, der Evangelist flüchtet sich ins unbeweisbar Abstrakte, wenn er vom Geist anfängt. Tatsächlich bittet man dabei um sehr praktische Dinge, die einen überwältigen können: Realismus über mich selbst, das ist Sündenerkenntnis und tiefste Liebeserkenntnis, Bewusstsein der Verlorenheit geliebter Menschen, das Risiko des Kreuztragens, Gehorsam, Selbstverleugnung, Weisheit, Besonnenheit, Kraft, Geduld, Freude auch ohne Lachen, Vergebung bekommen, vergeben können, Wert auch ohne Urteil dieser Welt, Halt auch im größten Verfall... eben alles, was ein Leben zum Leben macht, gleich ob Ansehen oder Emotionen nach Tod aussehen mögen.

Und es ist nicht erst die Religion, die diese Bedürfnisse weckt. Diesen Hunger kennt jedes Herz. Und er kann von Religion allein noch nicht gestillt werden. Der Geist Gottes will zu allen Menschen. Er bleibt immer eine geheimnisvolle Kraft. Und doch ist er nicht der sagenumwobene Schatz, kein Geheimtipp, kein Gerücht. Es ist nichts Elitäres daran. Der Heilige Geist ist die Antwort auf die eigentlichen Bedürftigkeiten, die so leicht unterschätzt oder verlacht werden.

<i>Wie geht das mit dem Beten?</i>

Was hindert Gott denn? Gott ist doch lieb und gut und immer da. Was soll man noch betteln? Da ist etwas Gutes, ich brauche es, Gottes hat es, will es auch gern geben. Wozu noch Gebet? Überhaupt, wozu Glaube, wozu Gottvertrauen üben?

Drehen wir's herum: Was macht uns so sicher, dass Er uns geben müsse? Von wegen, das Glück ist mit den Tüchtigen. Sich Regen bringt Segen - manchem brachte es Verschuldung und Unglück. Kein Fleiß noch Gutsein garantieren Zufriedenheit. Gott bleibt souverän. Andererseits, was hindert uns, das Gute nicht nur zu wünschen, sondern auch zu erbitten? Wer nur haben will, für den ist ein kalter Fatalismus keine Weltanschauungsfrage mehr, sondern grausame Realität, der man schutzlos ausgeliefert ist. Wer aber bittet, d.h. mit Gott in persönliche Verbindung tritt, der gibt zwar die scheinbare Selbstverständlichkeit allen Segens auf, aber er gründet in Gnade und Liebe. Diese Seele ist nicht mehr ausgeliefert, außer einem: grundloser Liebe.

Und darum ist auch jede Bitte in Jesu Namen eingeschlossen in die um den Geist Gottes. Das ist seine Natur, dass man diesen Geist nicht ohne Gott selbst bekommen kann. Mehr noch, er ist ja Gott. Wer um das Leben bittet, verlangt Gott selbst zu kennen. Segen ist nicht weniger als Gottes blanke Gegenwart. So steht der Segen also für jeden offen. Er wird jedem zuteil, der ihn haben will.

An diesem Punkt nun wird es klarer, was das heißt: &quot;jedem, der bittet, wird gegeben&quot;. Das Beten ist nicht das Kunststückchen, das Gott in seiner Willkür verlangt, um dann für erfolgreiches Amüsieren an der Erniedrigung ein Zuckerl abdrückt. Gott ist untrennbar mit der Lebensgabe verbunden (<i>Prophet Amos 5,4: &quot;Sucht mich, so werdet ihr leben!&quot;</i>). Jesus sagt damit: <i>Indem</i> ihr bittet, <i>ist</i> euch gegeben; <i>weil</i> ihr sucht, findet ihr; <i>sowie</i> ihr klopft, steht die Tür euch offen. Und andersherum: Wer nicht bittet, dem kann es nicht gegeben sein. Wer nicht zu klopfen bereit ist, will doch nicht hinein oder will es nicht zugeben. Wer nichts sucht, muss nehmen, was kommt. Wer nicht will, der hat schon - wenn nicht Leben aus Gott, dann eben Leben nach den Höllengesetzen der Zeit. 

Wenn es stimmt, dass Gott nicht <i>etwas</i> von dir will, sondern dich selbst, dann stimmt auch dieses, dass du von Gott nicht <i>etwas</i> brauchst außer zuerst einmal Gott selbst. Was Jesus da sagt, ist mir nicht mehr naive Übertreibung, sondern die Zusage, wie unkompliziert Gott es mit mir halten will. Da sind ganz klare Rollen vorgesehen, wie in den Vergleichen in unserem Predigttext. Einer <i>gibt</i> ausschließlich, einer <i>nimmt</i> ausschließlich. So belastbar wie die Freundschaft zweier guter Nachbarn, und so selbstverständlich wie Vater und Kind. Du kannst Großes erwarten, darfst zugleich realistische Demut und unverfrorenen Großmut leben. Freilich, die Welt tickt da anders. Geben und nehmen, fressen und gefressen werden, leben und leben lassen. Mit Gott aber wirst du sowieso nicht quitt - &quot;wir bleiben uns nichts schuldig, ... aber lass uns Freunde bleiben!&quot; 

Jetzt endlich sind wir beim Thema Buße. Die Beichte ist dafür da, dass eben nichts immer weiter aufgerechnet werden muss. Wenn wir Besserung versuchen, dann nicht als Ausgleich, sondern um Schäden zu vermeiden. Die Beziehung zu Gott ist unglaublich belastbar, das wäre nicht das Problem. Nur, die Seele und der Leib nehmen Schaden an der Last, die sich ansammelt. Die Bitte um Vergebung ist mit das größte, was ein Mensch tun kann. Sie sollte auch in der stillen Beichte, wie wir sie tun werden, nicht pauschal bekennen &quot;jeder hat ja seine Fehler&quot;. Es liegt Segen auf konkreten Bitten. Wir bekennen gern die Sünd<i>e</i>, aber zu selten die Sünd<i>en</i>, verwöhnt von der an sich richtigen Lehre, dass die prinzipielle Sündhaftigkeit das eigentliche Übel ist. Doch es geht nicht um Theorie, sondern um Leben und Tod. Wie ein Bekannter sagt: schlimm ist nicht, dass du immer aufs Neue sündigst, sondern wenn du ein Kampfgebiet aufgibst.

Also hat es damit zu tun, seine Bedürfnisse zu erkennen und offen zu legen. Und doch ist das nicht der Anfang. Gott hat den entscheidenden ersten Schritt gemacht, Er macht ihn weit vor unserem Erkennen und Bitten. Segen ist genügend da, Leben ist genügend da. Er wartet auf das Ergreifen, nicht auf falsche Scheu. Die Wahl steht täglich: der Wahn, selbst Regie zu führen, in einem Leben unter totalem Risiko, ohne Hoffnung auf Erlösung; oder erkennen, dass du längst ein Kind Gottes bist. - Geh Ihm auf die Nerven, heul Ihm die Ohren voll! Kein anderer wird die tiefsten Bedürfnisse erhören, kein anderer kann diesen Hunger beantworten.

<i>Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.</i>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sun, 29 May 2011 10:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Predigt zur Konfirmation  am Sonntag Jubilate 15.5. 2011  über Psalm 37,5</title>
			<link>http://www.freiberger-dom.de/gemeindeleben/predigtarchiv/detailansicht/predigt-zur-konfirmation-am-sonntag-jubilate-155-2011-ueber-psalm-375.html</link>
			<description> „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“ Psalm 37,5
Liebe Eltern,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b> „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“ Psalm 37,5</b>
<b>Liebe Eltern, liebe Konfirmanden, liebe Paten,liebe Schwester und Brüder, </b>
so hattet ihr Konfirmanden es euch gewünscht. Es solle eine Predigt darüber werden, dass wir auf einem Weg sind. 
Überall sind Menschen mit Gott unterwegs. 
Bald wird es den Kirchentag geben. Tausende sind unterwegs zum Fest des Glaubens nach Dresden. Oder <b></b>
<i>Geh, Abraham geh… wir kennen das Lied.</i>
<i>Isaak und Jakob, die beiden Brüder.</i>
<i>oder Bileam und die Eselin, die ihn ihm Namen Gottes den Weg verstellt</i>
<i>und Ruth, die in der Fremde Heimat findet.</i>
<i>und Joseph und seine Brüder in Ägypten.</i>
<i>und Mose und Elia…</i>
<i>Maria geht übers „Gebirg zu ihrer Bas` Elisabeth“</i>
<i>die Jüngerinnen und Jünger sind mit Jesus unterwegs, </i>
<i>und die Wanderung nach Emmaus, als sie den Auferstandenen neben sich zunächst nicht kannten, </i>
<i>und Paulus auf den Missionsreisen </i>
<i>und –merkt ihr es – selbst das letzte Buch, </i>
<i>die Offenbarung, erzählt vom letzten großen Ziel </i>
<i>und dem Weg dorthin, dem neuen Himmel und der neuen Erde. </i>

Irgendwann hat einer so gebetet. Vertraue dem Herrn deinen Lebensweg an und hoffe auf ihn, er wird dich an ein gutes Ziel bringen. Das ist zu solch einer Urerfahrung geworden, dass wir uns bis heute in diesem Gebet wieder erkennen. „Geh nicht allein!“ bedeutet der Psalm. Leben ist sowieso immer geführtes Leben. Egal wohin, egal von wem, in Angst und Unmündigkeit oder in Freiheit und Weite. 
Und wir waren fast zwei Jahre miteinander unterwegs. Unterwegs auf´s Konfirmandenschiff nach Dresden. Unterwegs im Glaubens-ABC. Ja, ihr musstest etwas lernen. Das bedeutet, unterwegs zu sein. Salomo sagt: „Wer nichts mehr lernt, ist tot!“ Mit lernen war nicht das schulische Pauken, sondern eigene Erfahrungen gemeint. Und wer Fragen stellt, ist unterwegs. Es war eine schöne Zeit mit euch! Jetzt habt ihr einen kleinen Schatz, den ihr auf dem Lebensweg mitnehmen könnt. 
Vertraue Gott deinen Lebensweg an. Das ist die Frage des Gespräches mit Gott und zugleich der Austausch mit den Menschen im Glaubensgespräch: Wohin will Gott mich führen? Dazu braucht ihr Vertrauenspersonen und Glaubensvorbilder, die diesen Fragen nicht ausweichen. Was hat Gott mit mir vor? Und es ist das Gespräch mit ihm selber. Wozu bin ich berufen? Ja, was ist meine Berufung, mein Beruf? Entscheidende Dinge geschehen in dieser Zeit. Berufsideale und Partnerideale bilden sich. Wir werden heute als Manager erzogen. Uns wird eingeredet, wir könnten das ganze Leben, wenn wir uns nur Mühe geben, selbst in die eigene Hand nehmen, und vor allem ohne die unnötige Zutat „Gott“; und der Fleißige sei der Erfolgreiche und jeder sei seines eigenen Glückes Schmied.
„Er wird es wohl machen!“ Das heißt, augenblicklich und kurzfristig ist es nicht immer klar, ob eine Sache auch gut ist für mich, ob es der richtige Freund, die richtige Freundin, das richtige Gottesbild, oder die richtige Ausbildung, der richtige Firma ist. Da braucht es mitunter einen langen Atem. Er wird’s wohl machen… meint, es stellt sich erst noch raus. Warten ist schwer, nein, besser, es ist eben halt ein Weg aus vielen einzelnen Stationen. Unterwegs lernt man viel, das ist gut, Erfahrungen machen. Die Erfahrung derer, die mit Gott unterwegs sind, ist eine Erfahrung des Vertrauens und der Geborgenheit. Gott nimmt euch als Gegenüber ernst. Seine Führung macht euch nicht zu bloßen Befehlsempfängern. Gott lässt nicht im Stich. Von seiner Hand begleitet, dürfen wir lernen und Fehler machen. Gott will keine Marionetten, sondern freie und mündige Menschen. <b></b>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sat, 14 May 2011 19:24:00 +0200</pubDate>
			
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