Predigt zum 1. Advent 2014

Predigt zum 1. Advent 2014

30.11.2014 Dompfarrer Urs Ebenauer (Tel: 03731 / 3009766)

Predigt am 1. Advent 2014 im Freiberger Dom zu Mt 21, 1-9 gehalten von Urs Ebenauer

Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ haben wir eben gesungen. Dieser erste Sonntag im Advent ist ein Tag, an dem sind unsere Herzen offen und froh gestimmt. Nun hat die Adventszeit begonnen. Der Freiberger Christmarkt ist eröffnet. Die Küchen und Wohnstuben werden demnächst wieder vom Duft des Weihnachtsgebäcks erfüllt sein. Die Kerzen am Adventskranz erinnern uns an das immer näher rückende Weihnachtsfest. In mancher Hektik vor dem Jahresende gibt es doch auch wunderbare Momente der Stille und der Besinnung: beim Schein brennender Kerzen oder bei den wunderschönen Klängen unserer Orgel.

Ähnlich froh gestimmt waren auch die Menschen, die den Einzug Jesu nach Jerusalem erlebten. Sie sahen viel mehr als nur einen armen Wanderprediger, der auf einem Esel in die Stadt einreitet. Sie kannten ja ihre Bibel. Sie wussten, dass der ver­heißene König Gottes auf einem Esel kommen würde. So hatte es der Prophet Sacharja angekündigt. So sahen sie in Jesus den sehnsüchtig erwarteten Messias: den Gerechten; den Helfer. Und so riefen sie laut: „Hosianna!“ Zu Deutsch: „Hilf doch. Befreie uns aus unserem Elend.“ Und zugleich lobten sie Gott und legten ihre Kleider auf den Weg, um damit den Weg des Königs auszukleiden. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Ihre Herzen waren offen für den König. Und sie öffneten ihre Stadt für seinen Einzug.

Liebe Gemeinde, ein wenig mag es einen irritieren, dass wir heute am ersten Advent diese Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem als Evangelium hören, die doch zum Palmsonntag gehört. Aber kaum ein Text kann das, worum es im Advent geht, so gut erfassen wie diese kleine Szene.

Jesus zieht auf einem Esel nach Jerusalem ein. Der Evangelist Matthäus hat dafür das Wort „sanftmütig“ am passendsten gefunden. Darum wandelt er das Zitat des Propheten ein wenig ab; „arm“ hat eigentlich der Prophet Sacharja gesagt. Aber beides passt zu diesem Einzug. Da kommt kein Machthaber in prächtiger Kleidung auf einem edlen Pferd. Dieser König kommt in Frieden; ganz bescheiden, arm – auf einem Esel. Und plötz­lich taucht vor unserem inneren Auge das Kind in der Krippe auf. Auf eine ganz sanfte Weise nimmt Gott Fleisch und Blut an. Als Kind armer Leute wird der Sohn Gottes geboren. Nicht in aller Pracht und Herrlichkeit, sondern in einem Stall. Ganz anders, als man es erwarten würde von einem Gottessohn. Nicht zufällig haben es die Weisen aus dem Morgenland schwer, das Kind zu finden; in einer Krippe suchen sie es zuletzt. Kehren wir zurück nach Jerusalem: Kein anderer als das Krippenkind ist es, der da auf einem Esel in die Stadt einzieht. Er ist ganz anders als es die Könige und die Mächtigen dieser Welt sind. Und so wird er dann auch keinen Thron besteigen, sondern das Kreuz. Er wird nicht die Macht übernehmen; ohnmächtig wird er – ausge­liefert an die Mächtigen. Aber gerade auf diese Weise wird er eine Brücke bauen zwischen Gott und uns Menschen – über den Abgrund unserer Schuld und unseres Leides hinweg. Nicht durch Macht, sondern durch Ohnmacht wird die Herrschaft des sanftmütigen Königs anbrechen: wenn er den Tod überwindet und dann am Ostermorgen von den Toten auferweckt wird.

„Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Gleich werden auch wir in diesen Gesang einstimmen. In der Abendmahlsliturgie bejubeln wir mit der Jerusalemer Menschenmenge den König Gottes. Und gleichzeitig hoffen wir wie sie, dass sein Königreich unter uns sichtbar wird. Denn noch hat sich die Herrschaft dieses sanftmütigen und armen Königs, den der Prophet angekündigt hat, nicht durchgesetzt. Noch immer ist unser Hosianna ein Loblied ebenso wie ein Hilferuf. Denn noch immer warten wir auf eine neue Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen. Noch immer stöhnen Menschen unter der Last des Bösen in dieser Welt. Noch immer warten wir auf das Licht, das die Finsternisse dieser Welt vertreibt. Noch immer sehnen wir uns danach, dass Jesus wieder kommt und das Königreich Gottes errichtet. Aber mit dem Ostermorgen haben die Verheißungen begonnen, sich zu erfüllen. Die Ohnmacht des sanftmütigen Königs auf dem Esel hat die Macht des Todes gebrochen. Was mit der Ankunft des Gottessohnes im Stall von Bethlehem begonnen hat, wird sich vollenden. Mit dem neuen Kommen Jesus, mit seinem endgültigen Advent, wird sich unsere Welt verwandeln. Die Sanftmut des armen Königs wird regieren. Gerechtigkeit und Frieden werden die Welt erfüllen. Und wir werden vor Freude jubeln, so wie die Anhänger Jesu bei seinem Einzug nach Jerusalem.

Zwischen diesen beiden Adventen leben wir als Christen und als Gemeinde: zwischen der Ankunft Jesu im Stall von Bethlehem und der Ankunft des auferstandenen Christus am Ende aller Zeiten. Zwischen den beiden Adventen stehen wir gleichsam an der Seite der Menschen in Jerusalem – und sehen auf den kommenden Christus:

-          Wir stimmen ein in den Lobgesang, den sie damals gesungen haben. Wir loben Gott dafür, dass er uns Jesus Christus geschickt hat und einmal endgültig schicken wird. Wir feiern miteinander Gottesdienst: um Gott zu loben und zu preisen – durch die Musik, durch unsere Lieder und Gebete.

-          Und auch wir nehmen unsere Kleider und legen sie vor dem einziehenden Christus auf den Weg. Wir bereiten ihm den Weg in unsere Herzen: Wir beten und wir hören auf Gottes Wort und gerade in der Adventszeit suchen wir Momente der Stille, um uns für unseren Herrn zu öffnen. – Wir bereiten dem Herrn den Weg auch in die Herzen anderer Menschen: Wir leben unseren Kindern und Enkeln unseren Glauben vor und gegenüber anderen Menschen verschweigen wir nicht, was uns bewegt – gerade jetzt im Advent. – Und wir bereiten seinem Kommen den Weg, indem wir Gottes Hilfe weitergeben. Notleidende haben in uns einen Verbündeten, wer auch immer sie sind.

 

Liebe Gemeinde,

heute werden hier bei uns und in unserer ganzen Landeskirche die neuen Kirchenvorstände eingeführt. Mit ihrem ehrenamtlichen Dienst bereiten sie dem Kommen den Herrn in besonderer Weise den Weg. Denn sie tragen Verantwortung dafür, dass in unseren Gemeinden Gott gelobt und seinem Kommen der Weg bereitet wird. Wir sind als Gemeinde dankbar, dass Männer und Frauen aus unserer Mitte sich in diesen Dienst haben rufen lassen.

Mit ihnen wollen wir das „Hosianna“ rufen und Kleider auf den Weg legen,

dem Kind in der Krippe,

dem sanftmütigen König auf dem Esel,

dem kommenden König des Friedens,

Jesus Christus.

 

Amen.

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