Predigt am Sonntag Trinitatis, 16. Juni 2019

Predigt am Sonntag Trinitatis, 16. Juni 2019

16.06.2019

zu 2. Korinther 13, 11 - 13; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
am heutigen Tag erinnern wir uns unserer Konfirmation. Mit vierzehn Jahren sind fast alle von uns vor einen Altar getreten und haben uns zu unserer Taufe bekannt. Ob das nun hier in unseren Dom /unserer Kleinwaltersdorfer Kirche war oder an einem anderen Ort. Bei Ihnen, liebe Jubelkonfirmanden, ist das nun ein Viertel- oder ein halbes Jahrhundert her oder gar noch länger bis hin zu denen, die heute (hier) in Kleinwaltersdorf ihr 75. Konfirmationsjubiläum begehen.
Es ist heute ein Tag, an dem wir uns erinnern an einen besonderen Tag in unserem Leben. Je nach Jahrgang haben wir ihn unter sehr unterschiedlichen Umständen gefeiert. Bei den Ältesten war noch Krieg, dann kam die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. Bei den Diamantenen Konfirmanden war wieder einigermaßen Normalität eingekehrt, aber die bis dahin übliche Konfirmation war durch den Staat schon massiv in Frage gestellt worden. Die Goldenen Konfirmanden haben ihre Einsegnung vermutlich schon nach der Jugendweihe begangen. Bei den Silbernen Konfirmanden war dann schon die Nachwendezeit, aber die Konfirmation war zu etwas ganz Außergewöhnlichem geworden.
Was uns alle aber verbindet, ist unser Glaube an den Dreieinigen Gott, an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Gemeinsam ist uns, dass wir in den Worten des Apostels etwas von der Liebe Gottes erfahren haben, von der Gnade Christi und von der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.
Die Liebe Gottes begleitet einen Menschen von Anfang an. Nicht erst seit der Konfirmation, nicht erst seit der Taufe, sondern schon von Geburt an. Es ist ein Geschenk des schöpferischen Gottes, dass wir am Leben sind. Da verbinden sich in einem Akt gegenseitiger liebevoller Zuwendung die Erbinformationen zweier Menschen und es entsteht der Beginn neuen Lebens. Es ist ein ungeheurer Zufall in den Augen eines Menschen, der nichts von Gott weiß. Mit den Augen des Glaubens gesehen, ist es ein Geschenk Gottes, dass es jeden Einzelnen von uns gibt. Es ist ein Ausdruck der Liebe des schöpferischen Gottes, dass Sie und ich, wir alle am Leben sind. Mit unserer Augenfarbe, unseren Charaktereigenschaften, unseren körperlichen und geistigen Stärken und Schwächen. Würden wir gern anders sein wollen? Die meisten würden vielleicht sagen: Ja. Aber würden wir auch ein Anderer sein wollen? Das würden die meisten verneinen. So groß ist dieses Geschenk, das Gott uns aus seiner Liebe heraus mit dem Leben macht.
Nach wenigen Wochen oder Monaten sind dann die meisten von uns sichtbar der Gnade Jesu Christi begegnet. Unsere Eltern haben uns zur Taufe gebracht. Ein kleines, hilfloses Wesen waren wir und lagen auf dem Arm unserer Mutter oder unseres Vaters. Der Pfarrer hat Wasser über unseren Kopf gegossen und gesagt: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Klein und hilflos, wie wir es waren, konnten wir nichts dazu tun, dass wir getauft wurden. Unsere Eltern haben für uns das Glaubensbekenntnis gesprochen – und unsere Paten. Das Ja Jesu Christi zu uns kam wie ein Geschenk – aus lauter Gnade. Gott hat uns ohne irgendeine Vorleistung als sein Kind angenommen. Christus hat uns mit seiner Gnade beschenkt. Davon leben wir im Glauben unser Leben lang. Was auch geschieht, immer wissen wir es: Ich bin getauft. Ich bin ein Kind Gottes. Ich bin mit meinem ganzen Leben in Gottes Hand. Für viele von Ihnen, die Sie heute ein Konfirmationsjubiläum feiern, ist das zu einer lebendigen Erfahrung geworden.
Die Jahre gingen dahin. Sie fingen an die ersten Schritte zu gehen. Aus den ersten Schritten auf eigenen Füßen wurden dann die ersten Schritte in der Schule. In der 8. Klasse kam dann die Entscheidung für die Konfirmation, für den Glauben. Sie haben die Entscheidung Ihrer Eltern zu Ihrer eigenen gemacht. Sie haben ja gesagt zu Ihrer Taufe. Damit haben Sie sich von Gottes Heiligem Geist leiten lassen. Denn nur wer von ihm in seinem Herzen berührt worden ist, kann sich zu seinem Glauben als vollem Herzen bekennen. Gottes Geist hat sie spüren lassen, wie gut es ist getauft zu sein. Er hat sie damit auch Ja sagen lassen zu der Gemeinschaft in der Kirche, zu der er uns verbindet.
So sind Sie und so sind wir auf unserem Weg zur Konfirmation von Geburt an dem dreieinigen Gott begegnet. Am Anfang unseres Leben dem schöpferischen Ja Gottes zu unserem Leben. Dann der Gnade Jesu Christi, die in der Taufe eine unauflösliche Verbindung herstellt zwischen Gott und einem jeden von uns. Und schließlich der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, die uns in die Taufe hineinwachsen lässt und uns Ja sagen lässt zu Gott, zum Glauben, zur Kirche.
Aber auch seitdem ist Gott mit Ihnen und mit uns allen gewesen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes zeigen sich unser ganzes Leben lang. Wir müssen unser Leben nur mit dem Herzen ansehen, um das zu begreifen.
Wenn sich zwei Lebenswege kreuzen, um dann vielleicht bis ans Lebensende gemeinsam weiter zu gehen, ist das nicht ein Zeichen der schöpferischen Liebe Gottes?
Wenn diese die Kraft finden, in schwierigen Zeiten beieinander zu bleiben, einander zu vergeben, immer wieder einen Neuanfang miteinander zu suchen, ist das nicht die reine Gnade?
Wenn uns Kinder und Enkelkinder geschenkt werden, wird nicht auch da etwas von der schöpferischen Liebe des dreieinigen Gottes sichtbar.
Wenn uns unsere Gemeinde zu einem Zuhause wird, wenn wir in ihr Menschen finden, die Freude und Leid mit uns teilen, wird da nicht auch etwas spürbar von der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.
Und ist die Gnade Christi nicht auch am Werk, wenn wir die Kraft finden, dem Kollegen, der uns so verletzt hat, zu verzeihen?
Ein Leben lang ist der dreieinige Gott mit uns auf dem Weg. Das lässt sich an so vielen Dingen im Leben ablesen. Ich hoffe, liebe Jubelkonfirmanden, Ihr Leben bis heute ist so gewesen, dass Sie mir da zustimmen können.
Wenn ich Sie nun einsegne, dann könnte ich Ihnen ebenso auch die Worte des Apostels zusprechen: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Möge es Ihnen immer wieder zur Erfahrung werden, dass der schöpferische Gott Sie mit seiner Liebe begleitet. Mögen Sie bewahrt sein in schwierigen Situationen. Dass Unglücke abgewendet oder doch wenigstens gut überstanden werden. Dass Krankheiten Heilung finden. Dass das Leben bei allen Mühen, die es gerade für die Älteren unter uns mit sich bringt, doch immer seine schönen und sinnerfüllten Stunden hat.
Möge ebenso die Gnade Jesu Christi Ihr Leben begleiten. Manchmal belasten uns Erfahrungen des Versagens, Fehler, Versäumnisse, Schuld. All das können wir unserem Herrn anvertrauen und gewiss sein, dass er diese Lasten für uns ans Kreuz getragen hat. Möge es Ihnen auch immer wieder gegeben sein, für Frieden zu sorgen, indem Sie lieben und verzeihen.
Und möge schließlich die Gemeinschaft des Heiligen Geistes Ihr Leben prägen. Wir sind niemals allein, auch wenn mit zunehmendem Alter Ehepaare auseinandergerissen und Freunde weniger werden. Gott ist uns in seinem Heiligen Geist immer nahe. Er schenkt uns mit der christlichen Gemeinde eine Familie, die die ganze Welt umfasst. Er schenkt uns vor allem die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Diese ist unverbrüchlich. Sie wird dieses Leben überdauern. Sie wird für uns alle sichtbar werden in Gottes neuer Welt.
So ist dies ein Wort, das unser Leben beschreibt und umfasst vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Amen.

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