Predigt am Sonntag Judika 2020 in der Andacht auf YouTube aus dem Dom

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Predigt am Sonntag Judika 2020 in der Andacht auf YouTube aus dem Dom

29.03.2020

zu Hebräer 13, 12 - 14; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
mein Weg morgens ins Büro hat sich sehr verändert: Keine Plakate mehr im Schaukasten neben der Annenkapelle; nur wenige Fahrzeuge stehen auf dem Untermarkt. Die freundliche Blumenfrau räumt ihre Ware nicht mehr auf den Fußweg. Die Kollegen sind zum Teil zu Hause, haben sich ihre Arbeit mitgenommen. Auf dem Weg in die Mittagspause komme ich an dem geschlossenen Domladen vorbei. Der Alltag von jedem von uns hat sich dramatisch verändert. Bei manchen ist es existenzbedrohend. Wird – nur als Beispiel für viele – die Gaststätte nebenan die wochenlange Schließung überleben?
„Wir haben hier keine bleibende Stadt“, heißt es im Predigttext für den heutigen Sonntag aus dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes. Wie wahr! Wir dachten noch bis vor zwei Wochen, dass alles immer so weitergehen wird wie bisher. Doch dann zeigt uns ein Virus, wie leicht alles ins Rutschen kommen kann, wie brüchig der Boden unter unseren Füßen ist. Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Manche verleugnen die Situation nach wie vor oder wollen sie nicht annehmen. Die Polizei muss immer noch vereinzelt eingreifen und das Kontaktverbot durchsetzen. Im Internet kursiert ein Aufruf zum weltweiten Gebet gegen Corona. Der Apostel ermutigt dagegen seine Gemeinde, ihre damalige leidvolle Lage anzunehmen: „So lasst uns hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen“, schreibt er. In anderen Worten: „Nehmt es an, dass Ihr in der Nachfolge Jesu leiden müsst.“ Ist diese Epidemie vielleicht in ähnlicher Weise ein Ruf zur Umkehr, vielleicht sogar ein Weckruf Gottes? Ich weiß es nicht. Aber ich würde es mir wünschen, dass wir in dieser Lage erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben. Hochbezahlte Fußballstars sind verzichtbar, schlecht bezahlte Krankenschwestern dagegen sind lebenswichtig. Auf Flugreisen können wir verzichten – und plötzlich wird der Himmel ganz klar. Auf die Begegnungen mit unseren Freunden, unseren Verwandten können wir nicht gut verzichten. (Dass eine Tochter beispielsweise ihre Mutter im Altenheim nicht mehr besuchen darf, ist überaus schmerzlich. Viele sind jetzt zu ihrem eigenen Schutz einsam. Aber wie weh tut das!) Auf „Events“ wie den Tag der Sachsen können wir verzichten. Auf den Gottesdienst zu verzichten, fällt uns schwer; vielleicht wird er in dieser Zeit sogar von denen vermisst, die sich sonst hier im Dom nicht versammeln. Denn die Gemeinschaft in Christus und mit ihm ist etwas, das wirklich trägt; eine Quelle der Kraft. Das spüren wir in dieser Zeit sicher mehr als sonst – selbst über das Internet.
Christus ist und bleibt unsere Zuversicht und Hoffnung in dieser Lage. Wir spüren: Wir haben hier zwar keine bleibende Stadt; das Eis unter unseren Füßen ist dünn. Aber wir hoffen auf die zukünftige Stadt, von der der Apostel schreibt. Egal, was geschieht: Der gekreuzigte Christus geht den Weg mit uns durch das dunkle Tal. Er gibt uns einen Halt in unsicherer Zeit und er führt uns zum Licht. Die künftige Stadt, die österliche Welt Gottes, ist unsere Zukunft. Das bleibt, auch wenn alles andere wegbrechen würde.
Nehmen Sie diese Zuversicht mit in die neue Woche: Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Dieses Licht ist Jesus Christus.
Amen.

Gebet

Barmherziger Gott,
wir bitten Dich um die Kraft, diese Situation zu bewältigen.
Wir bitten Dich für alle, die im Gesundheitswesen darum kämpfen, dass Leben gerettet und geschützt werden.
Wir bitten Dich für die, die ihre Existenz bedroht sehen.
Wir bitten Dich für die, die allein und einsam sind in Zeiten der Kontaktverbote und sich mehr als alles nach menschlicher Zuwendung sehnen.
Schenke Du Kraft.
Schenke Zuversicht.
Schenke die Erfahrung Deiner Nähe und Gegenwart.

Mit den Worten Jesu bitten wir Dich:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Diese Andacht ist unter folgendem Link aufzurufen: https://youtu.be/yx0rUHLBz6k

Unter folgendem Link können Sie den YouTube-Kanal des Freiberger Domes aufrufen:
https://www.youtube.com/channel/UCJhc6o1XOMRrnUSdYQ32t9A

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