Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis, 03. Juli 2016, Dom Freiberg

Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis, 03. Juli 2016, Dom Freiberg

10.07.2016

zu Röm. 6, 3 - 8

Liebe Schwestern und Brüder,

Respekt vor einem Mann, der aus tiefster innerer Überzeugung das Christentum für immer konsequent auslöschen wollte. Er tat es nicht wie ein König Herodes beim Kindermord zu Bethlehem aus machtpolitischem Kalkül heraus. Er tat es auch nicht wie die Pharisäer, Schriftgelehrten und Priesterschaft bei der Kreuzigung aus Neid, oder auch nicht wie ein Pilatus gegen besseres Wissen, nur um sich beim Volk beliebt zu machen. Saulus war ein Überzeugungstäter. Dass er dann als Paulus zum wichtigsten Apostel der neuen Lehre des Christentums wurde hatte mit seiner radikalen Lebenswende zu tun. An der Person des Paulus wird deutlich, was Jesus meint, wenn wir heute im Evangelium gehört haben: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden…“ Der schärfste Gegner des auferstandenen Christus wird sein bester und eifrigster Diener!

Dabei wurde ihm kein irgendwie gearteter Bonus versprochen. Er selbst sagt: „Das ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun.“ 1. Kor. 9,16

Im Gegenteil: Dem Hananias wird im Blick auf Paulus gesagt: „Ich will ihm (Paulus) zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen.“ Apg. 9,16

Wenn man den Brief an die Römer auf dem Hintergrund des persönlichen Werdegang des Verfassers liest, so entschärft sich manche sperrige Textstellet.

Konkrete Personen oder gemeindliche  Situationen werden nicht angesprochen. Und dennoch mag manches etwas theoretisch klingen. Aber der unglaublichen Leidenschaft des Apostels Paulus haben wir es zu verdanken, dass wir in komprimierter Weise die Grundlagen des Christentums vor Augen haben. Alles, was für einen Christen und eine christliche Gemeinde wesentlich ist, hat der Apostel im Römerbrief dargelegt. Es tut gut, in einer Zeit der unüberschaubaren Vielfalt von Lehrmeinungen, Glaubensansätzen und Gemeindemodellen, dieses Leitbild des Christentums zu verinnerlichen. So ein Leitbild setzt Wesentliches an die erste Stelle, bewahrt damit vor kräftezehrender aufreibender Verzettlung, befreit von Mutlosigkeit und lähmender Verwirrung.

Die Taufe steht heute im Mittelpunkt der Betrachtung.

Jesus selbst ist getauft worden und er hat auch selbst die Taufe in seinem Taufbefehl als grundlegende Notwendigkeit für alle seine Nachfolger ohne zeitliche Begrenzung eingesetzt. Was er nicht tat: Jesus hat keine konkrete Anweisung gegeben, wie eine Taufe praktisch vollzogen werden soll. Auch Paulus hat dies nicht getan. In der Bibel gibt es keinerlei Angaben über die zu verwendende Wassermenge, das Volumen des Taufbeckens, das Alter und den Glaubensstand des Taufbewerbers, die Anzahl von zu bestimmenden Paten usw. Daraus könnte man eine große Freiheit in der Durchführungspraxis schließen. Aber bereits in sehr früher Zeit hat sich die Christenheit über der Frage der einzig richtigen biblischen Taufpraxis unversöhnlich zerstritten und gespalten.

Für unsere lutherische Kirche gilt Artikel 9 der Augsburger Konfession:

„Die Taufe ist notwendig zum Heil, da auch durch die Taufe die Gnade Gottes dargeboten wird. Folglich müssen auch bereits die Kinder getauft werden, weil sie in die Gnade Gottes durch die Taufe aufgenommen werden. Die Täufer, die die Kindertaufe ablehnen, werden hier verworfen.“

Bei meinem Kolloquium im Landeskirchenamt 1992 wurde ich vor der Erteilung der Berechtigung zur freien Wortverkündigung von den beiden Oberlandeskirchenräten Fritz und Kress gefragt, ob die Bekenntnisschriften mir eher Hilfe oder Not seien. Was alles zur Sprache kam, weiß ich nicht mehr genau. Anstoß habe ich an dem Satz: Die Täufer, die die Kindertaufe ablehnen, werden hier verworfen“ genommen. Auch wenn er für Luther zu seiner Zeit in der Auseinandersetzung mit den Schwärmern sicher seine Bedeutung hatte. Es kommt doch auf das Einende an.

Diese Einigkeit besteht bei allen christlichen Kirchen: die Taufe ist notwendig.

1. Sie wurde von Jesus selbst eingesetzt.

Damit geht sie nicht vom Menschen aus, ist also kein Heilsweg der von unten nach oben führt, keine „Belohnung“ von „Glaubensleistungen“, sondern immer und in jedem Fall Antwort auf das unverfügbare Heilshandeln Gottes.

2. In der Taufe kommen das Wort Gottes und das irdischen Element Wassers zusammen. Das Wasser ist zugleich tödliche Gefahr wie auch Grundlage Leben.

3. Bei der Taufe wird der Name des Täuflings, sozusagen sein Persönlichkeitsprofil mit dem Ursprung des Lebens, mit Gott in Beziehung gebracht.

Im Vollzug des Taufgeschehens sagt der Täufling, bzw. stellvertretend für ihn seine Eltern „Ja“ zur Sichtweise Gottes, dass der Mensch nur durch das Sterben Christi am Kreuz eine persönliche Beziehung zu Gott bekommen kann. Damit tritt er als Glied in eine  Gemeinschaft ein, von der es in der Apostelgeschichte heißt: Getauften. „…sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet…“

Das Leben in der Taufgnade wird häufig von zwei wesentlichen Gefahren bedroht:

1. Die Gleichgültigkeit

Jeder weiß: Beziehungen wollen gepflegt werden, sollen sie erhalten bleiben. Gebet, Gemeinschaft, Lehre und Abendmahl sind die eben erwähnten Eckpunkte der Beziehungspflege zu Gott.

In einem neuen Leben „frei werden von der Sünde“ wandeln, wie es Paulus schreibt, ist doch so, wie ein von Müll und altem Gerümpel beräumtes Zimmer einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Ordnung und Sauberkeit werden aber immer ein Thema bleiben. So hat auch der Getaufte seinen alten, bedrückenden Ballast abgeworfen und ist hat eine neue Bestimmung angenommen. Dran bleiben am Wort Gottes, seinen Verheißungen und sich am Wesen Jesu orientieren bedarf einer lebenslangen Einübung.

2. Der Übereifer

Die andere Seite der Medaille ist der Übereifer, der meint im Besitz aller Wahrheiten und geistlicher Autorität zu sein und sich damit das Recht nimmt, allen sagen zu müssen wie es nun endlich wirklich richtig in der Gemeinde zuzugehen hat.

Mancher verbindet damit vielleicht das Reizwort „Bekehrung“. Für viele steht es für Hochmut, Exklusivität, Abgrenzung und Spaltung. Ganz sicher lässt sich das abendfüllend mit Erlebnisberichten belegen.

Dabei ist das, was manche Bekehrung nennen eine ganz wunderbare Erfahrung: Ein nicht Getaufter wird von Gott durch seinen Geist angesprochen und kehrt sich ihm zu, was in der Taufe seinen Höhepunkt findet. Oder ein bereits Getaufter kehrt zurück zu seiner eigentlichen Bestimmung, er erneuert sein Taufversprechen, so wie man einem guten Freund nach Jahren sagt: es tut mir Leid, dass ich auf deine Briefe, Mails, SMS oder sonstiges nicht mehr reagiert habe. Ich möchte gern unsere Freundschaft wieder aufleben lassen. Und der Freund sagt: ich trage dir das nicht nach, ich freue mich auf die Beziehung mit dir.

Die biblische Botschaft ist so nah am realen Leben dran, so einfach in ihrem Vollzug. Wir sind oft so „verkopft“, so theoretisch, so wirklichkeitsfremd und machen es uns unnötig schwer.

In der Taufe schließt Gott einen unumkehrbaren Bund. Das Wesen des Bundes ist es, wie wir es im Wochenlied in der 4. Strophe nachlesen können:

„Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn…“

Ein Bund ist eine einseitige Willenserklärung, die nicht vom Ausgleich von Leistung und Gegenleistung wie bei einem Vertrag gekennzeichnet ist.

Lebe ich in dieser Taufgnade, ganz egal wir groß oder klein die Auswirkungen von meinem Umfeld wahrgenommen werden, so kann ich gelassen durch diese Zeit gehen und mich auf den Tag der Auferstehung freuen, wenn alle Verheißungen einmal Realität werden. Diese Botschaft lädt ein, sie leuchtet aus den Zeilen, die der Apostel Paulus an die christliche Gemeinde in Rom geschrieben hat ganz hell hervor. Und wir dürfen das jetzt ganz frohen Herzens bei dem folgenden Lied besingen („Herr Christ, dein bin ich eigen…“

 

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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