Predigt am 1. Christtag, 25. Dezember 2018

Predigt am 1. Christtag, 25. Dezember 2018

25.12.2018

zu Johannes 1, 1 - 14; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
im 21. Jahrhundert können wir mit anderen Menschen auf sehr unterschiedliche Weise über Entfernungen hinweg kommunizieren. Per E-Mail, Whatsapp, Facebook, twitter oder mit der alten, aber sicheren sms lassen sich Nachrichten einfach und schnell versenden. Interessanterweise hat sich Gott schon seit Beginn seiner Geschichte mit den Menschen ganz unterschiedlicher Kommunikationskanäle bedient.
In der Geschichte von den (drei) Weisen aus dem Morgenland im Matthäusevangelium könnte man den Stern z. B. als so etwas wie ein tweet Gottes auffassen. „Neuer und besonderer König in Judäa geboren“. Das war die Kurznachricht, die die Weisen dem Stern entnommen haben. Allerdings kann es bei Kurznachrichten leicht zu Missverständnissen kommen. Das liegt in der Natur der Sache. So ist auch die Botschaft des Sterns nicht sehr eindeutig. Darum landen die Weisen ja auch erst einmal im Palast des Herodes und müssen sich schließlich durch ein Wort aus dem Buch des Propheten Micha nach Bethlehem umleiten lassen.
Wenn Gott allerdings den Königen im Traum erscheint und ihnen befiehlt, dem Herodes nichts von dem Kind zu erzählen, ist es doch eher wie ein Anruf auf dem Handy. Aber wie sich am Telefon nicht alles so sagen lässt, wie im direkten Gespräch, so sind Träume manchmal eben auch sehr undeutlich.
Da ist ein persönliches Gespräch, bei dem man sich in die Augen sehen kann, schon besser. Wenn man selbst verhindert ist, kann man immerhin einen Beauftragten schicken. Von dieser Art und Weise Gottes, mit uns Menschen in Verbindung zu treten, erzählt uns die Bibel an vielen Stellen. Propheten sind in Gottes Namen aufgetreten und haben sein Wort verkündet. Ein Engel kündigt Maria die Geburt Jesu an. In der Weihnachtsgeschichte bei Lukas hören die Hirten von der Geburt des Heilands ebenfalls durch einen Engel. – Jemanden zu schicken ist aber auch nicht die ideale Form der Kommunikation. Bei einem Beauftragten weiß man nämlich dann doch nicht so ganz, ob der seinem Auftrag Sprachrohr eines anderen zu sein, wirklich gerecht wird. Kann ich mich jetzt auf das verlassen, was mir von dem Beauftragten zugesagt worden ist oder muss ich mir das noch von seinem Auftraggeber in direktem Gespräch bestätigen lassen? Ist es Gott, der da spricht, oder doch eher der Prophet?
Die beste Form der Kommunikation ist und bleibt eben das persönliche Gespräch. Undenkbar wäre es beispielsweise ein Taufgespräch mit den Eltern per E-Mail zu führen. Das besondere an der „Weihnachtsgeschichte“ des Evangelisten Johannes ist nun, dass er Weihnachten als ein direktes Kommunikationsgeschehen zwischen Gott und uns Menschen beschreibt.
Im Johannesevangelium lässt Gott nämlich nicht von dem Kind erzählen, sei es durch den Stern oder einen Engel. Bei Johannes redet Gott durch das Kind selbst mit uns Menschen. In Christus ist nach dem Johannesevangelium Gott selbst zu uns in unsere Welt gekommen. Gott wird Mensch, um mit uns Menschen ganz direkt in Verbindung zu treten. Das Kind liegt in der Krippe, weil Gott uns Menschen durch das Kind etwas sagen möchte. Weihnachten ist sozusagen Gottes Gesprächsinitiative gegenüber der Menschheit.
Es ist wichtig, ein persönliches Gegenüber zu haben. Dann kann man sich am besten austauschen. Dann funktioniert die Kommunikation. Dann entsteht eine Beziehung. Darum hat Gottes Anrede an uns in Jesus Christus Fleisch und Blut angenommen. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit“, schreibt der Evangelist.
Wenn man nun allerdings den Evangelisten fragen würde: Was will Gott uns denn mit diesem Kind sagen? würde man eine recht schwierige Antwort bekommen. „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“, würde er uns antworten.
Nun haben wir heute ja den ersten Teil von Bachs Vertonung der Weihnachtsgeschichte des Lukas gehört. Denken wir einmal an die Hirten. Wenn Lukas heute die Geschichte von Weihnachten zu schreiben hätte, dann wären es vielleicht Obdachlose, die sich unter einer Brücke lagern. Ihnen erscheint der Engel und übermittelt ihnen die Botschaft von der Geburt des Heilands. Menschen, die keine Hoffnung haben, werden von Zuversicht und Freude erfüllt. Leute, die am Rande der Gesellschaft stehen, sind plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens. Menschen, die immer anders sind als die anderen, fühlen sich plötzlich dem menschgewordenen Gottessohn ganz nahe.
Das Kind ist die Botschaft, sagt Johannes. Und die Botschaft lau­tet: „Gott wird einer wie wir, ein menschliches Kind. Er kommt in unsere Welt, damit unser Leben gut wird. Damit sogar solche armen Gestalten wie die Hirten sich freuen können.
Jesus Christus ist die Botschaft, sagt Johannes. Die Botschaft, dass Gott die Dinge gut werden lässt. Wenn diese Botschaft ihre Adressaten erreicht, wenn Menschen ihm begegnen, da fängt es an. Da werden Menschen berührt, fangen an zu glauben, zu lieben und auf eine bessere Welt zu hoffen.
Wir lesen aber auch im Johannesevangelium, dass diese Botschaft nicht überall ankam und ankommt. „Er war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Das Licht scheint in der Finsternis, doch die Finsternis hat´s nicht ergriffen.“ Matthäus erzählt uns von dem König Herodes, der die Botschaft nicht aufnehmen will oder kann. Er kann in dem Kind nur eine Bedrohung sehen. Wenn die Dinge gut werden, dann wird die Welt sich verändern. Und dann ist seine Macht in Gefahr. Darum versucht schon er Jesus zu töten. Am Karfreitag wird es dann einem anderen Machthaber gelingen. – „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ schreibt Johannes. In diesen Worten geht es um mehr als um ein fehlendes Quartier in dunkler Nacht. Da geht es darum, dass diese menschgewordene Botschaft Gottes von uns Menschen oft genug nicht gehört werden will. Daran krankt unsere westliche Welt immer mehr. „Das Licht scheint in der Finsternis, doch die Finsternis hat´s nicht ergriffen.“
„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kin­der zu werden“, lesen wir schließlich. An dieser Stelle werden wir nun einbezogen in das Geschehen der Weihnacht. Denn Gott ist in dem Kind nicht in diese Welt gekommen, um nur das Leben von ein paar Hirten heil zu machen oder von denen, die Jesus zu Lebzeiten begegnen konnten. Gottes Anrede an uns durch das Kind in der Krippe gilt allen Menschen. Unser aller Leben soll heil werden. So ist es ja immer mit einer guten Kommunikation. Durch sie entsteht Beziehung. Gott kommuniziert durch Jesus mit uns, um eine Beziehung entstehen zu lassen. In dieser Beziehung mit Gott wird unser Leben heil.
Es beginnt, wenn wir der Botschaft von Jesus Christus glauben und auf seinen Namen getauft werden. Die Kommunikation mit Gott gelingt. Es entsteht eine Beziehung. Wir werden zu Kindern Gottes. Umgekehrt: Wenn wir glauben, dann haben wir verstanden, erfahren und erfühlt, was Gott uns mit dem Kind in der Krippe ebenso wie mit dem erwachsenen Jesus sagen will. Die Kommunikation Gottes mit uns hat dann funktioniert. Wir vertrauen darauf, dass wir durch Christus angenommen sind. Wir finden Frieden in unserem Leben und geben diesen Frieden an andere weiter. Wir hoffen auf ein Leben im Licht.
Die Botschaft Gottes an die Welt ist in der Krippe angekommen. Wir sehen dem menschgewordenen Gottessohn ins Gesicht und hören:
Du bist mein Kind; hab Vertrauen.
Verschenk Deine Liebe.
Sei zuversichtlich: Alles wird gut.
Das ist Weihnachten.
Amen.

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