Andacht zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

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Andacht zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

03.05.2020

zu Johannes 15, 5; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

„Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Liebe Gemeinde,
ein Weinstock ist ein Wunderwerk der Schöpfung Gottes. Er kann seine Wurzeln bis zu 10 Meter tief nicht nur in die Erde, sondern sogar in massiven Felsen treiben. Mit seinen Wurzeln fördert er aus der Tiefe auch in Trockenzeiten Wasser und die lebensnotwendigen Nährstoffe. Mit ihnen versorgt er die Reben, die darum auch unter schwierigen Bedingungen an der Oberfläche gedeihen.
Jesus bezeichnet sich als den Weinstock, an dem wir Christen als die Reben hängen. Ein eindrucksvolles Bild: Durch den Glauben verbunden mit Jesus Christus sind wir an eine Quelle des Lebens angeschlossen. Christus strömt uns die Energie zu, die wir zum Leben brauchen. Angeschlossen an diese Kraftquelle für unser Leben bekommt das Leben seinen Sinn, findet es eine gute Gestalt.
Das hat dann auch unweigerlich seine Auswirkungen. Wer schon einmal in den USA war, wird bemerkt haben, dass sehr viele Menschen sehr bis extrem übergewichtig sind. Mit frischen Lebensmitteln selbst zu kochen, ist dort weitgehend aus der Mode gekommen. Das hat seine Auswirkungen. Eine positive Seite an der Corona-Krise ist, dass bei uns jetzt umgekehrt viele Familien wieder das Kochen für sich entdecken. Sie tun sich und ihrer Gesundheit damit etwas Gutes. – Ähnlich ist es auch mit dem Leben im Glauben. Wir bekommen im Glauben im übertragenen Sinn all die Nährstoffe für ein gutes Leben, die wir brauchen. Wir sind bei Jesus Christus an eine Quelle von Lebensenergie angeschlossen, die uns mit allem versorgt – solange die Verbindung da ist.
Das ist ganz wichtig: In ihm zu bleiben. Das wird in unseren Gemeinden sehr unterschiedlich praktiziert. Es gibt Familien, bei denen spielt das Tischgebet oder das Abendgebet zu Hause eine Rolle. Sie lesen die Losungen oder regelmäßig in der Bibel. Andere leben ihren Glauben vor allem in der Gemeinde. Sie nehmen an einem Kreis teil oder kommen in den Gottesdienst. Manche machen beides. Wer aber – wie leider viele Angehörige der Kirche – seinen Glauben gar nicht lebt, der ist wie eine Weinrebe, die abgeknickt worden ist. Die Lebensenergie von Christus her kann nicht mehr strömen. Die Verbindung reißt ab. Der Glaube geht verloren.
Sie, die Sie diese Andacht am Rechner mitfeiern, sind  vermutlich wie die Rebe, die mit dem Weinstock verbunden ist. Sie sind an die Kraftquelle angeschlossen, die Christus für uns ist. Das hat dann auch seine Auswirkungen. Wie man es einem Menschen ansehen kann, dass er sich gut ernährt, so kann man es einem Christen auch abspüren, dass er mit Christus verbunden ist oder man sollte es zumindest.
Mich hat da ein Beispiel fasziniert, das ich kürzlich im Fernsehen gesehen habe. In Brügge gibt es eine Hotelbesitzerin, die hat ihr leerstehendes Hotel für Obdachlose geöffnet. Sonst wüssten diese in dieser Krise nicht, wohin sie sollten. Menschen von der Straße können plötzlich in einem Hotelbett schlafen. Eine solche Dankbarkeit, sagte die Hotelbesitzerin, würde sie bei den Touristen nicht spüren. Die neuen Gäste sitzen morgens mit leuchtenden Augen am Frühstückstisch und helfen, wo sie nur können. Ich weiß nicht, ob diese Frau eine Christin ist. Menschen ziehen Kraft für solche wunderbaren Taten der Menschlichkeit auch aus anderen Quellen. Aber es wäre eine Auswirkung des Glaubens, die Christus meint, wenn er sagt: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Amen.

Gebet
Barmherziger Gott,
wir danken Dir für die Kraft, die Du an jedem Tag neu schenkst. Wir danken Dir für die Früchte, die für uns sichtbar werden bei denen, die auf Dich vertrauen.
Wir bitten Dich für alle, die in Dir zu bleiben versuchen und sich um Früchte ihres Glaubens bemühen. Wir bitten dich besonders für die, denen das nicht so gut gelingt.
Herr, in dieser Zeit bitten wir Dich besonders für die Verantwortlichen in der Politik, die immer wieder neu entscheiden müssen, wie es weitergehen kann in dieser Krise. Schenke Du ihnen Weisheit und Kraft. Gib, dass ihre Entscheidungen Gutes für uns und unser Land bewirken.
Lass uns spüren, dass Jesus Christus gerade in dieser Krise die Quelle des Lebens für uns ist.
Mit den Worten Jesu bitten wir Dich:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Hinweise:
Von Montag bis Freitag findet 12:00 Uhr eine Mittagsandacht und am Freitag 18:00 Uhr eine Abendandacht statt.
Am Sonntag läuten die Glocken unserer Kirchen wie gewohnt und rufen so zum Gebet, wo auch immer wir sein werden. Ab 09:00 Uhr wird es zu jeder vollen Stunde im Dom und 10:00 Uhr in Großvoigtsberg Andachten geben. Wenn Sie an einer der Andachten teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte an, damit die erlaubte Zahl von 15 Personen nicht überschritten wird (Tel.: 03731/211126).    Im Radio, im Fernsehen und im Internet finden Sie – so Sie mögen – etliche Gottesdienstangebote.
Diese Andacht ist ab 10:00 Uhr unter folgendem Link aufzurufen: https://youtu.be/lPfamfP4GYs
Auf dem youtube-Kanal der Gemeinde stellen wir jede Woche eine neue Andacht ein, die Sie unter https://www.youtube.com/channel/UCJhc6o1XOMRrnUSdYQ32t9A abrufen können.

Am 10. Mai wird der MDR, 10:00 Uhr,  einen Fernsehgottesdienst aus dem Dom übertragen.

Spendenmöglichkeit:
Gustav-Adolf-Werk:
Das GAW unterstützt seine Partnerkirchen beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben, bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u. a.
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)

Kollekte am Sonntag Jubilate:
Für die eigene Kirchgemeinde
IBAN: DE86 3506 0190 1617 2090 35
BIC: GENODED1DKD
Verw.-Zw.: RT 1301 Kollekte 03.05.

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