Predigt zur Wiedereinweihung des Kreuzganges

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Predigt zur Wiedereinweihung des Kreuzganges

07.09.2014 Superintendent Christoph Noth (Tel: 03731 / 203920)

Predigt zur Einweihung nach der Sanierung und Restaurierung des ersten Abschnittes des gotischen Kreuzgangs am Freiberger Dom am 7. September 2014 über 1. Korinther-Brief 3,11

Superintendent Christoph Noth

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
(1. Korinther-Brief 3,11)

 

Liebe Gemeinde!
Bei einem der „Tage des offenen Kreuzgangs“ während der Bauzeit sagte eine ältere Freibergerin zu mir: „Ich wüsste gar nicht, dass es hier einen Kreuzgang gibt“. Daran hat sich in den letzten Monaten wohl einiges geändert, jedenfalls bei denen, denen die Geschichte, Kultur und Erscheinung unserer Stadt etwas bedeutet. Und auch darüber hinaus: nicht nur dass in den letzten Wochen in den Medien der Kreuzgang immer wieder in Erscheinung getreten ist, auch dass heute eben nicht nur Freiberger hier sind, sondern Gäste teilweise von weither angereist sind, um mit uns zu feiern und sich an dem erneuerten Bauwerk zu freuen, ist ein Zeichen dafür.

„Einen anderen Grund kann niemand legen“ – das bedeutet: wir bauen und haben gebaut auf vorhandenen Fundamenten. Und das ist bei aller Freude und meinetwegen auch Stolz über das Erreichte klar in den Blick zu nehmen. Wir haben ja nicht neu angefangen, sondern es ist längst, auch wenn über lange Zeit in der Allgemeinheit vergessen, etwas da gewesen. Es mussten nur Leute kommen, die das Werk in Angriff nahmen, ferner diejenigen, die für die finanzielle Absicherung sorgten, und schließlich diejenigen, die mit Fach- und Sachkenntnis die Arbeiten ausführten. Und dafür kann man gar nicht genug dankbar sein. Aber eben: es ist alles auf vorhandenen Fundamenten geschehen.
Über den eigentlichen Kreuzgang hinaus will ich den Blick richten: Da gibt es im Bauwerk (heute noch im unsanierten Teil gelegen) einen eigenartigen Knick, der sonst in Kreuzgängen nicht vorkommt.  Daran kann man erkennen: auch als der Kreuzgang vor über 500 Jahren erbaut wurde, hat man nicht im sozusagen luftleeren Raum etwas errichtet, sondern sich an den vorhandenen Straßenzügen der Stadt orientiert. Die Stadt, die ja schon Jahrhunderte stand, gab den Rahmen und die Dimensionen vor.
Und nun will ich etwas tun, was ich sonst in Predigten nicht mache: einen Namen nennen. Die Familie von Schönberg, die heute im Zusammenhang mit ihrem Familientreffen den Gottesdienst und die Einweihung mitfeiert, hat eine Kapelle mit Grüften der Vorfahren hier und später dann  Grabmale im Kreuzgang zusammengetragen, die auch jetzt teilweise restauriert zu sehen sind. Aber eine Familie ist ja nicht nur darauf beschränkt, dass man eben miteinander verwandt ist, sondern das ist ein geistiges Band, das über Generationen und Jahrhunderte hin die Menschen zusammengehalten hat. Also auch die, die heute leben, leben nicht aus eigener Kraft und Macht, sondern haben ihr Fundament lange schon vor ihrem Leben gelegt bekommen. Und ich glaube, dass jemand, der keine Herkunft hat, auch eigentlich keine Zukunft hat.
Ob nun an einem Bauwerk, in einer Stadt oder in einer Familie: ohne Fundament bleibt einem eigentlich nur das, was ich Entwurzelung nennen möchte, so beschönigend auch immer dieser Zustand beschrieben werden mag. Liegt nicht in den modernen Begriffen wie „Flexibilität“ oder „Mobilität“ auch immer die Gefahr der Entwurzelung? Wenn Heranwachsende durch die Arbeit der Eltern in kurzen Abständen den Wohnort wechseln, zuweilen von Land zu Land oder Kontinent zu Kontinent ziehen, werden sie vermutlich mit beneidenswerten Sprachkenntnissen versorgt werden. Aber ist die Gefahr von der Hand zu weisen, dass ein Fundament verloren geht oder nicht gefunden wird? Gerade dort, wo die Gefahr der Entwurzelung droht, erkenne ich, wie wichtig ein Fundament des Lebens ist, das mich trägt.

Nun geht es dem Apostel Paulus nicht nur um Gebäude, eine Stadt oder eine Familie, sondern er spricht deutlich von einem viel tieferen Fundament: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“  Also das Lebensfundament Christus . Und damit meine ich Lebensgrundlagen, die untrennbar mit seiner Person, seinem Leben und Handeln und seiner Botschaft verbunden sind:
Zum Beispiel: Dein Leben ist mehr als alles, was du arbeitest und leistest. Man kann es mit dem alten guten Wort Gnade nennen. Wir brauchen uns nur vor Augen zu halten, wenn nur noch die Leistung zählt. Welche Unbarmherzigkeit mit den Schwachen und mit meinen Schwächen wäre doch damit verbunden, wenn es nicht viel tiefere Werte gäbe als nur die Leistung.
Zum Beispiel: Die bleibst kostbar über alles hinaus, was du schuldig bleibst. Ich erinnere damit an das bei uns selten gewordene Wort Vergebung. Aber ich frage: welche Lebensbeziehung könnte auch nur kurze Zeit Bestand haben ohne Vergebung, sei es in einer Familie, in einem Freundeskreis, bei der Arbeit.
Zum Beispiel:  Dein Leben reicht weiter als deine Atemzüge. Hier bin ich bei der Hoffnung. Und es ist zu fragen: wo sollte Freude und Lust herkommen angesichts der Vergänglichkeit, wenn uns die Hoffnung abhandenkommt?
Ich kann das alles ja nur andeuten, aber vielleicht reicht es auch, um sich klar zu machen, was mit dem Grund, dem Fundament, das Christus darstellt, gemeint ist.
Wo käme eine Gesellschaft hin, die das nicht mehr für nötig hält oder gar nicht mehr kennt, was mit Gnade, Vergebung und Hoffnung verbunden ist? Sie wäre wohl im buchstäblichen Sinne unmenschlich.

Doch nun noch einmal zum Kreuzgang, der – so kann man es verstehen – ein Bau gewordenes Zeugnis für diese Fundament Christus geworden ist. Und neben der äußeren Gestalt sind auf den Grabmalen ja immer wieder Sprüche der Heiligen Schrift vermerkt, die auf dieses geistige Fundament hinweisen.
Unser Kreuzgang ist wie jeder andere Kreuzgang auch ein Ort der Ruhe. Und zur Besinnung kommen zu können, scheint mir heute wichtiger als je zu sein. Wenn man drin ist, ist man gut abgeschirmt von der Unrast draußen. Und dann lese ich auf einem Grabmal: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Psalm 73,25-26). Welche Gnade mit dem Schwachen schwingt da mit?
Oder ich lese: „Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde“ (Psalm 17,15). Kann man es schöner fassen, was mit Vergebung gemeint ist, also mit dem Vertrauen, dass bei Gott nicht gerechnet wird?
Und schließlich: „Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn“ (Philipper 1,21). Welche Hoffnung drückt sich hier aus. Und wie wird sie ins Bild gesetzt, wenn wir dazu die Blattornamente im Gewölbe des Kreuzganges sehen und in ihnen ein Abbild des himmlischen Gartens?

Und wenn nicht Christus, der uns auch mit unserem Kreuzgang vor Augen geführt wird, wer sollte sonst in dieser Weise und Tiefe unser Lebensfundament sein?
„Einen anderen Grund kann niemand legen als dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

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