Predigt zum Gottesdienst für Einheimische und Touristen zu Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

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Predigt zum Gottesdienst für Einheimische und Touristen zu Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

21.05.2020

zu Psalm 47, 9; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
seit 1631 war Jonas Schönlebe Bürgermeister der Stadt Freiberg. Es herrschte seit 13 Jahren Krieg. Ein Jahr später wurden die Lutheraner Freibergs von den katholischen Kaiserlichen gegen die Belagerung der lutherischen Schweden verteidigt. Kriege haben ihre eigene Logik. 1632 mussten sich die Kaiserlichen zurückziehen; sie konnten der Belagerung nicht mehr standhalten. Den Superintendenten, den Kämmerer der Stadt Freiberg und den Bürgermeister Schönlebe nahmen sie als Geiseln nach Böhmen mit. Man wollte sich so freies Geleit auf dem Rückzug sichern.
In der Gefangenschaft hatte Jonas Schönlebe vermutlich schon mit dem Leben abgeschlossen und seine letzten Gebete gesprochen. Im Dreißigjährigen Krieg galt ein einzelnes Menschenleben nicht viel. Als die kaiserlichen Truppen schließlich in Sicherheit waren, war der mitgeführte Bürgermeister für sie nicht mehr von Nutzen. Es gab also zumindest keinen Grund mehr, sein Leben zu schützen und auf ihn acht zu haben. Das hatte natürlich auch den Vorteil, dass Schönlebe fliehen konnte. So gelangte er schließlich lebend nach Freiberg zurück und konnte sein Amt wieder antreten.
Heute ist der Himmelfahrtstag. Zu Himmelfahrt gedenken wir des Endes der Ostererscheinungen der Freunde Jesu. Vierzig Tage lang seit Ostern konnten die Jünger den auferstandenen Christus sehen. Vierzig Tage lang durften sie gleichsam einen Blick in Gottes neue Welt werfen, wenn sie auf den Auferstandenen schauten. Aber dann endeten diese Erscheinungen. Das wäre kein Anlass zu feiern, wenn dieses Ende der Erscheinungen nicht etwas Gutes bedeutet hätte. Der Evangelist Lukas schildert uns dieses Ende der Ostererscheinungen als eine Reise Jesu zum Himmel. Das können wir uns heute natürlich nicht mehr so vorstellen, wie es der Lukas uns in der Apostelgeschichte schildert. Eine Wolke kann niemanden aufnehmen und in den Himmel transportieren – schon gar nicht in den Himmel im Sinne eines Ortes, wo Gott wohnt. Himmelfahrt ist ein Wort für etwas, wofür wir kein anderes Wort haben. Ich stelle es mir gern so vor, dass sich Gottes Welt und unsere Welt in dem auferstandenen Christus berührten und diese Berührung wieder endete. Aber auch das ist nur ein Bild, um unserer eingeschränkten Vorstellungskraft eine Stütze zu geben. Wie auch immer wir uns die Himmelfahrt vorstellen mögen, sie bedeutete den Herrschaftsantritt Jesu Christi über diese Welt. Darum heißt es im 47. Psalm: „Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.“ Darum bekennen wir im Glaubensbekenntnis: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“
Genau das hatte Jonas Schönlebe erfahren. Er war in die Gewalt feindlicher Mächte geraten. Der Tod schien unausweichlich zu sein. Aber Jesus Christus hatte sich als mächtiger erwiesen. Er hatte ihn vor den feindlichen Mächten und in größter Gefahr für sein Leben behütet und bewahrt. Deswegen – und in den Augen von Jonas Schönlebe nur deswegen – war er wohlbehalten wieder nach Hause zurückgekehrt. Christi Herrschaft hatte er so an seinem eigenen Leibe erlebt als eine schützende Hand, die er über ihn gehalten hatte.
So überlegte der Bürgermeister, wie er denn seinen Dank seinem Herrn und Heiland in einer angemessenen Weise abstatten konnte. Da hatte er eine Idee: Der Dom hatte damals nur die Tulpenkanzel und einen kleinen hölzernen Predigtstuhl als Orte der predigt. Nun ist die Tulpenkanzel mit der Gottesmutter Maria auf dem Schalldeckel eindeutig aus vorreformatorischer Zeit. Es brauchte eine der altgläubigen Tulpenkanzel ebenbürtige evangelische Kanzel. Die Predigt hat in unseren lutherischen Gottesdiensten ja eine überragende Bedeutung. Wir hören durch sie die Anrede Gottes, seine frohe Botschaft und auch seine Ermahnung. Es bot sich also an, eine Kanzel zu stiften.
Die Gestaltung der Kanzel lag dann eigentlich auf der Hand. Das Kreuz Jesu und sein Weg dahin sollten im Mittelpunkt stehen, wie es der lutherischen Theologie entspricht. Das Kreuz – die Kombination aus Senkrechter und Waagerechter – verbindet ja nicht nur symbolisch Himmel und Erde. Christus hat uns durch seine Lebenshingabe den Himmel aufgeschlossen. Alle sollten sehen, dass Jonas Schönlebe daran mit meiner Familie glaubte. Darum kann man unter dem Kreuz Jesu seine Frau und ihn in anbetender Haltung abgebildet erkennen.
Jonas Schönlebe vertraute auf die Macht Gottes, die sich in Jesus Christus gezeigt hat. In seiner gnädigen Errettung hatte er in einer ihn überaus bewegenden Weise etwas davon erfahren. Aber Schönlebe wusste auch, dass die Macht Christi noch viel weiter reicht. Denn er kann nicht nur aus Todesgefahr erretten. Er kann auch vom Tode selbst bzw. im Tod erretten. So sehen wir nicht zufällig auf dem Schalldeckel der Bergmannskanzel den auferstandenen Christus mit der Siegesfahne bzw. in triumphierender Haltung. Christus ist nach dem christlichen Glauben der Herrscher der Welt. Das zeigt sich in solchen Erfahrungen gnädiger Bewahrung, wie Jonas Schönlebe sie machen durfte. Es zeigt sich aber viel mehr in der endgültigen Überwindung des Todes zu Ostern. Jonas Schönlebe musste dann am Ende seines Lebens doch sterben. Aber er konnte mit einer getrosten Hoffnung auf sein Sterben zugehen. Denn er war gewiss: seine Bindung an Jesus Christus würde ihn davor bewahren, im Tod verloren zu gehen. Weil die Herrschaft Jesu Christi auch den Tod einschließt, würde Gott ihn hineinrufen in das ewige Leben; in ein Leben, wie es die Freunde Jesu an dem auferstandenen Christus gesehen haben. Von diesem Glauben an Christus, den König über alle Mächte, wollte Jonas Schönlebe ein Zeugnis ablegen.
So wurde die Bergmannskanzel 1638 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Bergmannskanzel nennen wir sie wegen der beiden Bergleute, die sie tragen und wegen des Bergmanns, der als Auferstehungszeuge auf dem Schalldeckel zu sehen ist.
Möge sie uns und die nächsten Generationen daran erinnern, dass Christus der wirkliche Herrscher dieser Welt ist.
Amen.

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