Predigt zum 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi), 24. Mai 2020

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Predigt zum 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi), 24. Mai 2020

24.05.2020

zu Jeremia 31, 31 - 34; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
zwei Menschen stehen vor dem Standesamt und später dann als Christen vor dem Traualtar und sagen „Ja“ zueinander. Sie gehen damit eine Bindung ein; früher nannte man das auch den Bund der Ehe. Das ist heute weniger üblich geworden, weil viele Leute mit dem Wort Bund eher die Bundesregierung verbinden als die Bindung zwischen Mann und Frau.
Nun wissen wir alle, dass die Bindung einer Ehe zerbrechen kann. Viele Paare heiraten darum gar nicht mehr, weil sie das fürchten, dass es nicht klappen könnte. Wenn man dann nicht durch den Trauschein verbunden ist, dann kann man einfacher auseinandergehen.
In Bezug auf das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk Israel spricht der Prophet Jeremia von so einem gebrochenen Bund. Wie wir Menschen nun mal sind: Es hat nicht funktioniert zwischen Israel und Gott. Da waren die Götter der benachbarten Völker, die interessanter zu sein schienen; bei denen es sich mehr lohnte, sie anzubeten. Da waren auch die eigenen Interessen, die wichtiger schienen als die Gebote Gottes für ein gutes Zusammenleben der Menschen.
In diese Lage hinein kündigt der Prophet einen neuen Bund an. Das soll ein Bund sein, der nicht zerbricht. Ein Bund, den nicht nur Gott hält, sondern auch das Volk, auch die Menschen. Dieser Bund besteht nicht aus einem Stück Papier. Dieser Bund wird in die Herzen der Menschen hineingeschrieben.
Das ist ja das Geheimnis der Ehen, die halten. Beide Partner tragen den jeweils anderen tief in ihrem Herzen; so sehr sind sie angerührt von der Liebe des anderen. Was so tief in das Herz hineingeschrieben ist, das trägt. Da kann man miteinander auch mal Zeiten durchstehen, wo man es nicht so leicht miteinander hat. Weil man grundlegend weiß: Der andere oder die andere liebt mich von ganzem Herzen. Was wir gerade erleben, kann das nicht in Frage stellen. Das stehen wir darum gemeinsam durch. Auch, wenn es nicht einfach ist zurzeit.
Als Christen geht es uns mit Gott genauso. Wir sind zutiefst angerührt von der Liebe Gottes. Unsere Bindung an Gott ist in unser Herz hineingeschrieben worden. Aus diesem Grund sind wir wohl alle heute hier, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Denn Gottes Liebe bewegt uns dazu, sein Wort hören zu wollen und ihm zu danken und ihn zu loben.
Eben sind wir Zeugen einer Taufe geworden – hier im Dom leider eher Ohren – als Augenzeugen. Ein kleines Menschenkind ist von Gott gerade mit dem Wasser der Taufe als sein Kind angenommen worden. Ich habe mal während einer Radtour einem Kind, das ich wenige Jahre zuvor getauft hatte, von seiner Taufe erzählt. Ich habe dem damals sechsjährigen Mädchen gesagt, dass Gott die Menschen sehr liebhat. „Weil er nun aber uns Menschen nicht in den Arm nehmen kann, um uns das zu zeigen“, habe ich ihm zu erklären versucht „gibt es die Taufe. Gott will uns damit sagen: Ich habe Dich sehr lieb. Du bist mein Kind.“ Das kleine Mädchen frage mich damals: Warum wollen denn dann nicht alle Menschen getauft werden. Ich fand das eine berechtigte Frage.
Die Taufe begründet die Bindung zwischen einem Menschen und Gott. Mit dem Wasser der Taufe erfahren wir: Gott kennt mich. Er meint auch mich ganz persönlich mit seiner Liebe. Er ist meinetwegen im Stall von Bethlehem ein Menschenkind geworden. Jesus hat für mich von der Liebe Gottes gepredigt. Er hat für mich die Geschichte von dem Vater erzählt, der seinen gescheiterten, abgerissenen, dreckigen Sohn, der alles Geld veruntreut hat, in die Arme schließt. So wie dieser großherzige Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn ist Gott in seinem Verhältnis zu mir. Er liebt mich, so wie ich bin. Darum hat er den Schmerz auf sich genommen, Jesus am Kreuz leiden und sterben zu sehen. Um das größte denkbare Zeichen der Liebe Gottes zu setzen, hat Jesus für mich sein Leben hingegeben. Die Taufe zeigt mir: Es geht Gott nicht allgemein um die Menschen. Es geht ihm gerade auch um mich. Er liebt mich, wie eine Mutter ihr Kind liebt.
Das, liebe Gemeinde, rührt uns in unserem Herzen an. So entsteht eine Bindung an Gott. Sie wird uns auf diese Weise sozusagen ins Herz eingeschrieben. Die Taufe macht das für uns in einmaliger Weise sichtbar.
Das macht dann etwas mit uns.
Eine Mutter wie die des kleinen Anton kommt hierher in den Dom, weil sie von dieser Liebe berührt ist. Sie möchte, dass auch ihr Kind zu diesem Bund mit Gott gehört; dass Gottes Liebe auch in sein Herz eingeschrieben wird; dass er einmal eine Bindung zu Jesus Christus hat. Dafür hat die ganze Familie an diesem Wochenende einen weiten Weg zurückgelegt.
Wenn Gottes Liebe uns angerührt hat, dann macht das etwas mit uns; dann verändert das das Leben. In Italien hat sich im März während der schlimmsten Zeit im Krankenhaus von Bergamo eine bewegende Szene abgespielt. Es waren nicht genug Beatmungsgeräte für die Opfer des Virus vorhanden. So hat ein älterer Mann, ein katholischer Priester, auf die Beatmung verzichtet, damit ein jüngerer Mann behandelt werden konnte. Er hat für den anderen seine Überlebenschancen hingegeben. Er konnte es, weil er sich getragen wusste von der Liebe Gottes, die letztlich stärker ist als der Tod. Er war gewiss: Meiner Bindung an Gott wird der Tod nichts anhaben können.
„Das soll der Bund sein…“ lässt Gott durch den Propheten sagen: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“
Amen

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