Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

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Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

21.06.2020

zu Matthäus 11, 25 - 30; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
welches Bild haben wir eigentlich von Gott? Eltern, die ein Kind zur Taufe gebracht haben, stellen sich sicherlich zwei behütende Hände vor, die sich schützend über ihr Kind legen. Das ist ein schönes, ein herzerwärmendes Bild von Gott. „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, ist darum ein beliebter Taufspruch.“
Es gibt aber auch ganz andere Gottesbilder. Manche haben als Kind das Bild eines Gottes vermittelt bekommen, der einen auf Schritt und Tritt überwacht. Dieser Gott wartet geradezu darauf, dass wir einen Fehler machen, eine Sünde begehen. Die wird dann unbarmherzig bestraft. Das ist ein eher abschreckendes Gottesbild. Es kann in der Seele eines Kindes viel Schaden anrichten.
Für viele Menschen in unserer heutigen glaubenslosen Zeit ist Gott allerdings eher ein Ausstellungsstück in einer Vitrine eines Museums: interessant anzuschauen, bei einem Kirchenbesuch im Urlaub beispielsweise, aber ohne Bedeutung für das eigene Leben. Mit so einem Bild von Gott hat man keine Chance, einen Zugang zu ihm zu finden.
Sehr verbreitet in unseren evangelischen Kirchen ist wiederum das Bild eines Teddybärs. Gott als ein Gott zum Knuddeln und Wohlfühlen, aber so richtig ernstzunehmen braucht man ihn dann auch wieder nicht, wenn man ein solches Bild von ihm hat.
Wie aber ist Gott wirklich?
Der einzige Weg das herauszufinden, ist auf Jesus Christus zu schauen. „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater und niemand kennt den Vater als nur der Sohn“, lesen wir im Matthäusevangelium. Wenn wir auf Jesus Christus sehen, dann können wir erkennen wer und vor allem wie Gott ist. Dann lassen sich unsere Gottesbilder überprüfen und zurechtrücken. Sie bleiben dann immer noch Bilder von Gott, Annäherungen an Gott. Aber mehr haben wir übrigens auch von Menschen nicht. Oft genug kennen wir doch nicht einmal uns selbst wirklich.
Wie aber ist nun Gott, wenn wir auf Jesus Christus schauen?
Hören wir zunächst einmal auf das, was Jesus von Gott gepredigt, erzählt hat. „Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl“, fängt eine seiner Geschichten an. Wir haben sie eben als Evangelium gehört. Da lädt einer zu einem Fest ein, aber als die Gäste nicht kommen wollen, sagt er das Fest nicht etwa ab. Nein, er macht etwas ganz Unerwartetes. Er lädt die ein, bei denen sonst nie jemand auch nur auf die Idee kommen würde, sich zu sich einzuladen. Stellen wir uns doch nur einmal vor, die diese Leute „von den Landstraßen und Zäunen“ riechen mögen. Denn das sind die Obdachlosen der damaligen Zeit. Würden wir mit ihnen ein Fest feiern wollen? Dieser Hausherr aber will es. Er ist ganz anders, als wir uns ihn vorstellen würden. Er geht ganz andere, unerwartete Wege. Er lädt die zu sich ein, die niemand sonst einladen würde. Die „Mühseligen und Beladenen“, die es schwer haben in ihrem Leben und mit ihrem Leben, die feiern am Ende mit Gott ein großes Fest.
Ganz ähnlich ist die Geschichte von dem verlorenen Sohn. Der Vater hat ihn gehenlassen. Sicherlich hat er geahnt, dass es nicht gut gehen würde mit dem jüngeren Sohn in der Fremde. Aber er hat ihm die Freiheit gelassen. Jeden Abend steht er vor der Tür und hält Ausschau – und wartet. Vielleicht kommt er zurück. Eines Tages ist es dann so weit. Der ältere Sohn würde ihn am liebsten hinauswerfen. Aber der Vater ist anders. Liebevoll schließt er den Sohn in die Arme. Sicherlich schmerzt es ihn, dass der Jüngere das halbe Vermögen der Familie sinnlos vergeudet hat. Sicherlich gibt es ihm einen Stich durch das Herz, zu sehen, was aus dem Sohn geworden ist. Seine geradezu mütterliche Liebe kann aber alles verzeihen. Er ist nur froh, dass der gescheiterte Sohn sich erinnert hat, wohin er doch gehen kann.
Aber wollen wir einen solchen Gott wirklich haben? Einen, der Freiheiten lässt, liebt und verzeiht? Einen, der eingrenzt und nicht ausgrenzt? Der ältere Sohn kritisiert den Vater scharf. Wie kann er so ungerecht sein und diesen Kerl da wieder in die Familie aufnehmen – nach allem, was geschehen ist. Wollen wir nicht lieber einen Gott, der klare Linien zieht, die belohnt, die gut sind, und die bestraft, die es nicht sind? Jesus jedenfalls ist scharf dafür kritisiert worden, dass er zu den „Mühseligen und Beladenen“ ging und mit ihnen gemeinsame Sache machte. So wie unsere Superintendentin dafür kritisiert worden ist, dass sie in Chemnitz einem Paar geholfen hat, das keine Lust hat zu arbeiten und ihre Hilfe alles andere als verdient hat.
Am Ende hat Jesus dafür bezahlen müssen, uns ein solches Bild von Gott zu malen. Ein Gott der Liebe, der sich den Ausgestoßenen zuwendet, wird selber ausgestoßen. Darum haben sie Jesus ans Kreuz geschlagen. Gott aber hat das auf sich genommen. Ihm ist es ernst mit uns. Darum ist Jesus dem Kreuz nicht ausgewichen. Aber Gottes Liebe hat den Tod überwunden. Nicht das Kreuz war das Ende, sondern Ostern war der Anfang.
Das korrigiert alle unsere Gottesbilder.
Die behütenden Hände sind sicherlich etwas, was wir uns von Gott wünschen. Oft genug erfahren wir sie ja auch. Ich denke immer wieder an eine Szene, als ich zusehen musste, wie meine damals kleine Tochter die Bremse am Fahrrad nicht fand und deswegen beinahe unter die Räder eines Autos gekommen wäre. Gott sei Dank (!) bremste der Autofahrer rechtzeitig. Manchmal allerdings geht Gott auch einen schweren Weg mit uns, so wie er einen schweren Weg mit Jesus gegangen ist. Manchmal verstehen wir ihn nicht, so wie Jesus am Kreuz nach ihm fragte: Warum, mein Gott, hast Du mich verlassen? Die Antwort gab es dann erst zu Ostern.
Der überwachende und strafende Gott wird durch den Blick auf Jesus dagegen als Zerrbild entlarvt. Gott sucht nicht nach einer Gelegenheit, um den Sünder zu bestrafen. Im Gegenteil, gerade die, die mit einer Schuld nicht fertigwerden, sind eingeladen, diese Last bei ihm abzulegen. Er will nicht, dass wir in Angst leben. Als Kinder Gottes dürfen wir ihn Frieden leben, Ruhe finden für unsere Seelen.
Das Ausstellungsstück in der Vitrine ist natürlich ebenso ein Bild von Gott, das an der Wirklichkeit Gottes vollkommen vorbeigeht. Gott ist alles andere als bedeutungslos für diese Welt. In Krisenzeiten wie dieser spüren wir das vielleicht deutlicher als sonst. Es gibt nichts auf der Welt, das uns vor der Vergänglichkeit des Lebens bewahren kann; nichts außer dem lebendigen Gott. In seiner Hand ist unser Leben geborgen – komme, was wolle. Was auf dieser Welt könnte eine größere Bedeutung für unser Leben haben?
Gott ist schließlich auch nicht der Teddybär, der Wohlfühlgott. Wenn wir wirklich seine Liebe in uns spüren, dann verändert das ja unser Leben. Dann können wir doch nicht anders als den Weg zu beschreiten, den Jesus vor uns gegangen ist. Es mag ein sanftes Joch sein, das uns da auferlegt wird. Es mag eine leichte Last sein, aber sie ist eine Last. Wellness ist etwas anderes. Aber Wellness hinterlässt nur vorübergehend ein gutes Gefühl. Wirklichen Frieden, wirkliche Erfüllung kann uns der Wohlfühlgott nicht bieten. Wirkliche Erfüllung gibt es nur in der Nachfolge Jesu, im bedingungslosen Vertrauen auf Gott und in der Hingabe an andere. So ist es Gabe und Aufgabe, Geschenk und Verantwortung zugleich, wenn Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Amen.

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