Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, 19. Januar 2020

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Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, 19. Januar 2020

19.01.2020

zu Jeremia 14, 1 - 9; gehalten von Pfarrer Urs Ebenauer zum Vereinigungsgottesdienst der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde am Dom in der Kirche Kleinwaltersdorf

Liebe Gemeinde,
was eine große Dürre bedeutet, das wissen wir seit den letzten beiden Sommern selbst hier im einmal klimatisch gemäßigten Mitteleuropa; nämlich wenn die Brunnen leer sind, wie es einigen Haushalten ergangen sind, die nicht an die Fernwasserversorgung angeschlossen sind. Traurige Ackerleute, die auf ihren rissigen Felder stehen, können wir uns auch besser vorstellen als je zuvor. Wir haben die Bilder aus den weiter nördlich gelegenen Regionen ja noch vor Augen.
Ob der Prophet Jeremia eine wirkliche Dürre gemeint hat, wissen wir nicht. Der Textzusammenhang legt es in jedem Fall nahe, dass diese Dürre als eine Folge menschlicher Schuld, menschlichen Fehlverhaltens, menschlicher Sünde angesehen wurde. Auch diesen Zusammen­hang begreifen wir heute anders als früher. Wir haben uns als Menschheit an Gottes Schöpfung versündigt und sind heute ganz unmittelbar mit den Folgen konfrontiert. Jeremia hatte allerdings eher den Unglauben seines Volkes und die soziale Ungerechtigkeit in Israel im Blick, wenn er von Sünde sprach. Insofern meint er vielleicht sogar in erster Linie die Dürre im Glaubensleben und im Miteinander seines Volkes. Dann wären die leeren Brunnen und die rissigen Äcker eher Symbole für das, was zu seiner Zeit in Israel im Argen lag.
Unter der Dürre im Glaubensleben eines Volkes können wir uns in unserer Zeit ebenfalls gut etwas vorstellen. Auch wir erleben es ja leider, dass immer mehr Menschen – und das anscheinend von Generation zu Generation zunehmend – nichts mehr mit dem christlichen Glauben anfangen können. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen ständig ein Gegenevangelium eingeredet bekommen. Der Wert eines Menschen, hören wir, bemesse sich an seiner Leistung, seinem Einkommen, seinen tollen Urlaubsreisen, seinem SUV oder an den „likes“, die man in den sogenannten sozialen Netzwerken bekommt. Das Evangelium hält dem entgegen, dass wir den Wert und die Würde als Menschen von Gott völlig umsonst geschenkt bekommen. Das wirkt wie aus der Zeit gefallen. Ähnlich ist es mit der Orientierung für unser Zusammenleben, die die Heilige Schrift uns gibt. „Geiz ist geil“ ist eben das Gegenteil von „Liebe Deinen Nächsten“. – Das Schlimme daran ist, dass wir uns als Christen dem ja auch nicht entziehen können. Diese ständige Gehirnwäsche hat ja auch Auswirkungen auf uns. Auch wir werden schuldig vor Gott, an unseren Mitmenschen und gegenüber der Schöpfung. Gut, dass wir diese Schuld in der Beichte immer wieder Gott anvertrauen können.
Diese Dürre im Glaubensleben unseres Volks hat letztlich dazu geführt, dass wir heute hier versammelt sind. Von einer Kirchgemeinde in der Region weiß ich es, dass sich ihre Gemeindegliederzahlen seit 1995 etwas mehr als halbiert haben. Das ist bei uns nicht viel anders. Insofern mussten wir einfach zusammenrücken. Es blieb keine andere Wahl.
Für manche ist das eine traurige Wahrheit und sie möchten einstimmen in die Klage Israels: „Warum stellst Du, Gott, Dich, als wärst Du ein Fremder im Land und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt?“ Ja, warum? Warum findet das Evangelium nicht einen begeisterten Zuspruch. Immerhin ist es die Wahrheit, die unser Leben trägt. Immerhin ist es die Wahrheit des lebendigen Gottes! Ja, man hätte Anlass zu klagen. Die Domgemeinde, die es seit 1537 gibt, hat aufgehört zu existieren, ebenso die Kirchge­meinden in Kleinwaltersdorf und Großschirma. Das betrauern so manche – und vielleicht ist das auch der Grund, warum wir diesen Gottesdienst hier feiern können. Was als Hochzeit gedacht ist, empfinden manche eher als eine Trauerfeier und sind lieber zu Hause geblieben.
Israel lässt es in den Worten des Propheten aber nicht bei der Klage. Es sieht zum einen die eigene Schuld und bekennt sie Gott. Wir sind ja nicht nur schuldig geworden, weil wir nicht frei davon sind, der Religion des Marktes zu huldigen. Wir sind auch schuldig geworden, weil wir es in vielen Fällen nicht geschafft haben, unseren Glauben an unsere Kinder und Enkelkinder weiterzugeben. Wir sind schuldig geworden, weil wir es nicht geschafft haben, die Formen unseres Gemeindelebens so zu gestalten, dass sie für junge Leute interessant wären. Auch da gibt es so manches zu beichten. Israel tut dies.
In all dem hält sich aber an der Hoffnung fest, dass Gott zu seinen Verheißungen steht. „Du bist ja doch unter uns, Herr“, lesen wir. Israel hält daran fest, dass sich Gott auch in den Zeiten schlimm­ster Dürre im Glaubensleben eines Volkes dennoch nicht ab­wendet. Israel lässt sich die Hoffnung nicht nehmen, dass Gott barmherzig und gnädig ist und mit uns ist – gerade in Zeiten der Dürre.
Diese Hoffnung formuliert der Apostel Paulus ein halbes Jahrhundert später in seinem Brief an die Korinther noch einmal neu. In der Epistel hörten wir: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn den Gekreuzigten“. Halten wir uns das immer vor Augen: Das Evangelium ist die Botschaft von der Gnade Gottes, die sich paradoxerweise im schlimmsten Scheitern und zugleich im größten Leid ereignet. Gott hat Gerechtigkeit geschehen lassen, indem Jesus von Nazareth schlimmstes Unrecht getan wurde. Gott hat sein Himmelreich anbrechen lassen, als die Anhänger Jesu dachten, es sei alles vorbei. Gott das Leben hervorgebracht indem Jesus in den Tod ging. Auf diesen Gott hoffen wir. Er ist unsere Hoffnung und unsere Stärke, unser Licht und unsere Zuversicht.
Und so sprießen unter uns auch die kleinen Pflänzchen der Hoffnung. In Zeiten des Abbruchs ereignen sich neue Aufbrüche. Ich denke da an den Prozess der letzten Jahre, in dem wir zusam­mengefunden haben. Da ist ein großes Vertrauen unter uns ge­wachsen und eine Bereitschaft aufeinander zuzu­gehen, die früher kaum denkbar gewesen wäre. Daran waren die handelnden Perso­nen nicht ganz unschuldig. Aber in geistlicher Hinsicht ist es ein ganz großes Geschenk Gottes.
Das gilt auch für die Gemeinschaft von uns Christen in den drei Orten. Die ersten Früchte haben wir ja auch schon im Schwester­kirchverhältnis schmecken dürfen. Wer im Sommer über die Pfarrwiese in Großschirma gerannt ist, an seiner Seite Menschen aus den beiden anderen Gemeinden, wer mit ihnen den Fragen folgte und den Antworten auf die Spur kam, der weiß, was ich meine. Da war so viel an gemeinsamer Freude und darin die Nähe unseres Herrn zu spüren!
Unser Zusammengehen zu der neuen Ev.-Luth. Kirchgemeinde am Dom lässt uns noch mehr spüren, dass Christus mit uns auf dem Weg ist. Uns werden ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Wir brauchen uns ja nur einmal umzuschauen: Niemals wäre sonst die Kirche Kleinwaltersdorf an einem 2. Sonntag nach Epiphanias so voll. Erstmals hat der Dom einen Posaunenchor und Großschirma hat einen Domchor. Drei mit der Verwaltung von Wort und Sakrament Betraute bringen ihre unterschiedlichen Gaben in die gemeinsame Gemeinde ein. Der traurige Weggang von Lüder Laskowski ist dadurch auch weniger schlimm, als er es sonst gewesen wäre. Großschirma verliert zwar einen Pfarrer, hat aber immer noch mich und die Superintendentin – und natürlich Ruheständler, Prädikanten, Ehrenamtliche, die Dienste übernehmen.
Das sind kleine Beispiele dafür, dass Gott uns in den neuen Strukturen auch neue Möglichkeiten schenkt, die es vorher nicht gab. Auf dem dürr aussehenden Land wachsen kleine Pflänzchen der Hoffnung. Wir werden weiterhin das Gemeindeleben vor Ort pflegen. Insbesondere Kinder und ältere Menschen finden in ihren Orten weiterhin Angebote des Unterrichts und des gemeindlichen Lebens. Aber wir werden auch manches gemeinsam auf den Weg bringen, was wir einzeln nicht geschafft hätten. Wir bündeln unsere Kräfte. Wir können dadurch auf die Herausforderungen der Zeit jetzt besser reagieren. Nehmen wir unseren Gemeindebrief als Beispiel. Vor vier Jahren hatten die drei damaligen Gemeinden jeweils ein Kirchennachrichtenblatt, das kaum einer lesen wollte. Jetzt haben wir ein Medium, was zumindest für Freunde von bedruck­tem Papier sehr ansprechend ist. Das hat uns der gemeinsame Weg ermöglicht, auf den nicht nur die Umstände uns geschickt haben. Gott schenke es auch an vielen anderen Stellen, dass wir unserem Auftrag das Evangelium zu verkündigen gemeinsam besser gerecht werden. Beten wir unablässig darum. Vielleicht wird man später ja einmal sagen, dass die Struktur­reform der Jahre 2020 und 2021 ein Segen Gottes war.
So gehen wir in die gemeinsame Zukunft unserer neuen Kirch­gemeinde mit der Zuversicht Israels, dass Gott unter uns ist; dass er uns nicht verlässt. Wir vertrauen darauf, dass er mit uns ist auf dem gemeinsamen Weg. Denn auch wir heißen nach seinem Namen.
Amen.

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