Predigt zum 5. Sonntag nach Ostern (Rogate), 17. Mai 2020

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Predigt zum 5. Sonntag nach Ostern (Rogate), 17. Mai 2020

17.05.2020

zu Matthäus 6, 5 - 14; gehalten von Pfarrer Urs Ebenauer in Großschirma

Liebe Gemeinde,
nur wenige von den Jugendlichen kannten das Vaterunser, als ich meine erste Konfirmandengruppe 1991 bei meinem Dienstantritt in meiner ersten Pfarrstelle übernahm. Wir mussten es erst mühsam miteinander lernen. Schauen wir uns das Vaterunser doch einmal so an, als sei es auch uns völlig neu. Dann machen wir eine einigermaßen verblüffende Entdeckung: Das Vaterunser ist kein Gebet, das eben irgendwie dazu gehört. Denn es stellt den Menschen im Gegenüber zu Gott radikal in Frage.
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Wir beten hier um nichts weniger, als das wir Menschen die angemaßte Herrschaft über die Welt abgeben und sie in Gottes Hand legen. Seine Herrschaft erbitten wir. Zumindest die meisten unserer Zeitgenossen würden das ablehnen. Wir Menschen wollen uns das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen. Jetzt gehen ja schon Menschen auf die Straße, weil sie letztlich ihre Ohnmacht nicht ertragen können. Jesus dagegen legt es uns ans Herz, genau das zu tun: nichts von sich und alles von Gott und seiner Herrschaft für unser Leben zu erwarten; seinem guten Willen mit uns zu vertrauen und uns von ihm leiten zu lassen – und eben nicht das Leben selbst bestimmen zu wollen. Dann erleben wir wunderbare Dinge, bekommen unsere offenen Hände reichlich gefüllt, spüren wir seinen Segen. Mir ist es jedenfalls in meinem Leben so ergangen, dass mir die wirklich guten Dinge in meinem Leben einfach zugefallen sind. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich einer Frau wie meiner begegne und sie zu meiner Frau wird. Nie hätte ich gedacht, dass ein Landesbischof mich fragt, ob ich sein Persönlicher Referent sein möchte. Nie hätte ich gedacht, einmal wie am letzten Sonntag vor 100.000 Zuschauern im Fernsehen zu predigen. Das sind alles Dinge gewesen, die ich nicht angestrebt habe und die mir einfach zugefallen sind. Die größte Katastrophe meines Dienstlebens dagegen habe ich bei einem Projekt erlebt, das ich unbedingt umsetzen wollte und das dem Willen Gottes anscheinend nicht entsprach. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Es gilt hier wie in anderen Situationen. Natürlich sollen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Gottes Willen geschieht auch in dem, was wir tun. Aber wenn wir uns Gottes gutem Willen anvertrauen, wenn wir unser Schicksal in seine Hände legen, dann nimmt Gottes Herrschaft ihren Lauf – nicht nur im Himmel, sondern auch schon auf dieser Welt. Wenn wir dagegen unser eigenes Ding machen, geht es oft nicht gut aus. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen.
Bei der Brotbitte wird das noch einmal ganz deutlich. Es hängt scheinbar ganz und gar vom menschlichen Tun ab, ob wir genügend zu essen und zu trinken haben und all die anderen Dinge, die wir zum Leben benötigen, denken wir gern. Aber die jetzige Krise zeigt uns, wie sehr selbst wir modernen Menschen mit all unseren technischen Möglichkeiten an unsere Grenzen stoßen. Es ist ein Zeichen des Segens, wenn wir genügend zu essen haben. Wie es in einem unserer Erntedanklieder heißt: Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.
Unser Leben und alles, was wir er-leben liegt in Gottes Hand. Am radikalsten wird Jesus ganz zum Schluss des Vaterunsers: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Papst Franziskus, von dem ich sonst eigentlich viel halte, hat in meinen Augen einen großen Fehler gemacht, als er das Vaterunser an dieser Stelle umschreiben ließ. Gott führe niemanden in Versuchung, sondern der Teufel allein tue das. Die Heilige Schrift sagt es uns anders. Als Jesus in der Wüste vom Satan versucht wird, da hat ihn der Geist Gottes in die Wüste geführt, damit genau das geschieht. Gott allein ist der Herrscher der Welt. Ihm allein kommt die Macht über diese Welt und über unser Leben zu. Ihm allein. Ganz und gar. Sonst kommen wir dazu, dass die ganze Welt ein Fußballspiel ist, in dem der FC Jesus Christus gegen RB Satan antritt – und dann ist es letztlich ungewiss, wer denn den Sieg davonträgt. Nein, um noch einmal ein anderes Lied zu zitieren: Jesus Christus herrscht als König; alles ist ihm untertänig. Natürlich fragen wir uns dann, warum wir denn in Versuchungen hineingeraten. Warum hat dieses Virus so viel Leid über die Menschheit gebracht? Wir wissen es nicht. Es gibt eine verborgene Seite an Gott. Es gibt eine Seite an Gott, die wir nicht verstehen. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass es letztlich der gute Wille Gottes ist, der geschieht. Auch wenn es manchmal schwer ist, in ihn einzuwilligen und zu beten: Dein Wille geschehe. So wie es Jesus im Garten Gethsemane getan hat. Vor allem aber endet die Bitte ja nicht mit der Versuchung, sondern mit der Erlösung. Luther hat dazu aufgerufen, nicht auf die verborgene Seite Gottes zu schauen, sondern auf die offenbare. In Christus hat sich Gott uns als der offenbart, der uns in Jesus Christus mit einer abgrundtiefen Liebe begegnet und uns erlöst. So kann sein Wille mit uns nur ein guter sein.
Jesus lädt uns ein, mit dem Beten des Vaterunseres uns immer mehr einzuüben darin, alles von Gott zu erwarten und unser Leben in seine Hand zu legen. Dass sein Reich kommt, dass sein Wille auf dieser Welt ebenso wie im Himmel geschieht; dass Gottes Herrschaft sich durchsetzt, Leid und Tod überwunden werden und alle Menschen in Würde leben können: All das dürfen wir uns von Gott erwarten und sollen wir tagtäglich von Gott erbitten.
Bleibt auch etwas zu tun übrig für uns?
Ja, denn Jesus lehrt uns zu beten: Geheiligt werde dein Name. Gottes Namen heiligen wir, wenn wir nach seinem guten Willen mit uns leben. Gottes Namen heiligen wir, wenn wir einander die Schuld vergeben, in Konflikten aufeinander zugehen, in Frieden miteinander leben. Gottes Namen heiligen wir vor allem, wenn wir ihm mit Dank und Lob begegnen. Es gibt Christen, die gehen nicht in die Kirche, weil sie meinen, das nicht zu brauchen. Gott sei Dank haben Sie alles es heute anders gemacht. Denn der Gottesdienst ist nicht nur dazu da, uns im Glauben zu bestärken oder zu einem guten Tun zu ermutigen. Der Gottesdienst ist auch und vor allem ein Dienst an Gott. Wir heiligen seinen Namen, in dem wir beten, danken, loben und bitten. Das ist unser Gottesdienst, unser Dienst an Gott.
Jesus lehrt uns mit dem Vaterunser von uns selbst nichts zu erwarten und alles von Gott zu erbitten. Mit leeren und geöffneten Händen treten wir vor Gott. Wir haben nichts vorzuweisen außer unserer Schuld. Aber wir haben alles zu erwarten: Gottes guter Wille mit uns möge sich erfüllen in Zeit und Ewigkeit. Diese leeren und geöffneten Hände sind zugleich unsere betenden Hände. Mit ihnen heiligen wir Gott; wir reichen sie unserem Nächsten zu Versöhnung. Unsere betenden Hände werden so zum Zeichen dafür, dass Gottes guter Wille mitten unter uns Wirklichkeit wird. Denn sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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