Predigt am Pfingstsonntag, 8. Juni 2019

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Predigt am Pfingstsonntag, 8. Juni 2019

09.06.2019

zu Johannes 14, 15 - 27; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Pfingstgemeinde,
am vergangenen Sonntag hat sich eine Frau hier im Dom taufen lassen. Sie ist nicht mit dem christlichen Glauben aufgewachsen. Für sie war alles neu. Irgendwann einmal begann sie sich zu fragen, ob es denn nicht mehr gebe im Leben. Sie machte sich auf die Suche. Sie suchte nach etwas, das dem Leben Tiefe gibt. Sie fing an Bücher über die Religionen zu lesen. Nachdem sie sich mit den großen Religionen und so manch Esoterischem beschäftigt und damit auseinandergesetzt hatte, kam sie für sich zu der Erkenntnis: Die wahre Religion ist das Christentum; der christliche Glauben ist der wahre Glauben. So kam sie zu mir in den Glaubenskurs und ließ sich schließlich taufen.
Sie hat die Wahrheit für ihr Leben im christlichen Glauben gefunden. Damit hat sie zugleich etwas von dem bestätigt, was uns die Heilige Schrift über den Geist Gottes bezeugt. Er ist der Geist der Wahrheit. Er führt uns hinein in die Wahrheit Gottes. Er berührt uns mit dieser Wahrheit. Der Heilige Geist weckt in uns den Glauben und damit auch den Wunsch uns taufen zu lassen – so wie damals die dreitausend Hörer des Evangeliums zum Wochenfest in Jerusalem.
Was aber ist diese Wahrheit des christlichen Glaubens? Was macht die Wahrheit aus, die Gottes Geist uns erkennen lässt?
Die Antwort ist im Grunde ganz einfach. Was unseren Glauben  in seinem Wesenskern ausmacht, ist die Liebe. Die Wahrheit des christlichen Glaubens besteht in der Liebe – in der Liebe Gottes zu uns; in unserer Liebe zu Gott; in der Liebe, mit der wir einander begegnen.
„Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“, lesen wir bei Johannes. Gott ist einer, der Wohnung bei uns nimmt. Mit seinem Heiligen Geist und zugleich mit seiner Liebe rührt er uns in unserem Innersten an. So wie einen jungen Menschen – und nicht nur einen jungen – die Liebe oft ja geradezu überfällt. Man kann gar nicht anders als ausgerechnet diesen Menschen zu lieben oder sich erst einmal in ihn zu verlieben. Mit dem Glauben ist es nicht anders. So erging es ja auch den Zuhörern der Predigt der Jünger damals zu Pfingsten in Jerusalem. Sie konnten nicht anders, als das Evangelium als eine tiefe Wahrheit für ihr Leben zu erkennen. Sie konnten nicht anders als auf Gottes Liebe ihr Vertrauen zu setzen. Darum wollten sie sich taufen lassen. Sie wollten unbedingt dazu gehören. So sehr hatte Gottes Geist sie durch die Predigt der Jünger hindurch mit seiner Liebe angerührt.
Gott berührt uns durch seinen Heiligen Geist damals wie heute. Von der Frau, die am letzten Sonntag die Taufe empfing, habe ich schon erzählt. Im Juli werde ich ein Paar trauen, bei dem die Frau eine lutherische Christin aus Indonesien ist. Im Studium lernte sie einen Freiberger kennen, dessen Familie den Kontakt zum Glauben weitgehend verloren hatte. In der Begegnung mit dieser Frau wurde er nicht nur von ihr berührt, sondern auch von ihrem Glauben. Sie erwartete nicht von ihm, dass er ihren Glauben teilen würde. Sie stellte keine Forderungen. Sie lebte ihm ihren Glauben einfach vor. Wie es ja dem Wesen des Glaubens an den liebenden Gott entspricht. Durch diese Frau hindurch konnte darum Gottes Geist wirken. Schließlich ließ ihr künftiger Mann sich bei einem Besuch in Indonesien taufen. Die Pfarrerin dort sagte, früher sei der Glauben an Christus von Europa nach Asien gekommen; heute verliefe die Mission in der umgekehrten Richtung. Der Geist Gottes weht eben, wo er will.
Das ist diese Tiefe Wahrheit unseres Glaubens. Gott ist uns nicht fern. Denn in seinem Geist berührt er uns mit seiner Liebe. Gott ist auch nicht irgendeine abstrakte Kraft, sondern ein Gegenüber, das uns liebt. Denn es gehört zu dem Wesen des dreieinigen Gottes zu lieben. „Der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren“, sagt Jesus im Johannesevangelium. Gott ist nicht allein. Der Vater sendet den Geist in Jesu Namen. Gott ist in sich schon Beziehung. Gott ist in sich schon Liebe. Er ist eine lebendige Gemeinschaft in sich – von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Liebe ist darum nicht etwas, wozu sich Gott entscheiden könnte. Gott könnte nicht sagen, jetzt will ich die Menschen mal nicht mehr lieben. Gott könnte es nicht, weil es seinem Wesen zuwiderlaufen würde. Gott ist in sich schon Liebe. Im Kern seines Wesens ist er Liebe. Darum kann er gar nicht anders, als uns zu lieben. Das ist zunächst einmal eine abstrakte theologische Aussage. Aber sie ist ja mit sehr viel Leben gefüllt. Das macht ja gerade das Wesen unseres Glaubens aus: Wir vertrauen darauf, dass wir geborgen sind in einer voraussetzungslosen Liebe – ähnlich der Liebe von Eltern zu ihrem Kind. Wir leben nicht in der Angst, Gott könnte es sich vielleicht anders überlegen und es mal nicht mehr gut mit uns meinen. Wir vertrauen der Liebe Gottes. Auch das zu können ist eine Gabe des Heiligen Geistes.
Was aber macht diese Wahrheit des Glaubens mit uns und unserem Leben?
Auch diese Antwort ist ganz einfach. Sie verwandelt uns. Sie lässt uns glauben, hoffen und selbst lieben. Wir schenken Jesus Christus unser Herz. Wir spüren diese Verbindung mit ihm, die wir den Glauben nennen. Sie gibt uns eine Perspektive über dieses Leben hinaus. Sie lässt uns unser Leben nach ihm ausrichten. „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten“, lässt der Evangelist Jesus sagen. Oder um es noch mal mit den Worten des Epheserbriefs vom letzten Sonntag zu sagen: Wir verwurzeln uns in der Liebe Gottes wie ein Baum sich in der Erde verwurzelt. Ein Baum, der aus dem Erdreich über seine Wurzeln gut versorgt wird, kann gute Früchte tragen. Ebenso werden wir Früchte der Liebe tragen, wenn wir durch den Heiligen Geist verwurzelt worden sind in der Liebe Gottes.
Auch daran lässt sich dann die Wahrheit des Glaubens erkennen. Als Referent des Landesbischofs war ich in die Vorbereitungen des Dresdner Kirchentages einbezogen. Mit einer Delegation besuchten wir den Ökumenischen Kirchentag in München 2010. Im Nachgang gab es eine Auswertung, bei der auch Sicherheitskräfte anwesend waren. Diese zeigten sich sehr beeindruckt. Sie hätten noch nie eine Großveranstaltung erlebt, die so friedlich verlaufen sei wie dieser Kirchentag, sagten sie. Sie hatten offensichtlich etwas von dem Geist gespürt, der uns Christen bewegt. Später konnte man dann über den Dresdner Kirchentag hören, man würde es sich wünschen, dass in Dresden zu Himmelfahrt immer Kirchentag sein. So problemlos sei der Männertag seit vielen Jahren nicht verlaufen.
„Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch“, sagt Jesus im Johannesevangelium. Angerührt von der Liebe Gottes wird alles anders. Menschen begegnen sich im Geist der Liebe. Frieden kehrt ein, auch wenn Zehntausende von Menschen zusammen gekommen sind. Es wird etwas spürbar von dem Geist Gottes, der uns bewegt.
Ähnliches haben wir jetzt auch hier in der Freiberger Region erfahren. Morgen werden 15 Kirchgemeinden einen Vertrag unterzeichnen, der sie zu der Gemeinschaft eines Kirchenbundes von sechs Kirchgemeinden vereint. Es gab zu Beginn Bedenken, ob wir es schaffen würden, einen solchen Weg miteinander zu gehen. Zu unterschiedlich waren die Gemeinden. Zu unterschiedlich die Prägungen. Von charismatisch bis eher liberal. Landgemeinden und Stadtgemeinden. Sehr kleine Gemeinden und recht große. Aber wir haben uns miteinander auf den Weg gemacht und uns leiten lassen von dem Geist, der uns über alles Trennende hinweg verbindet. So konnte Gemeinschaft wachsen. So konnte Vertrauen wachsen. So konnten wir uns miteinander auf das Wagnis eines solchen Zusammengehens einlassen. Wo so etwas geschieht wird etwas von der Wahrheit unseres Glaubens erkennbar.
Gottes Geist lässt uns erkennen: Wir haben es mit einem Gott zu tun, der in sich Liebe ist. Wir haben es mit einem Gott zu tun, der uns durch seinen Geist seine Liebe spüren lässt und uns verwandelt. Wir haben es mit einem Gott zu tun, dessen Friede dadurch unter uns mit Händen greifbar wird.
Amen.

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