Predigt am Pfingstsonntag, 20. Mai 2018

We are sorry - this page is not available in your language.
You might use Google Translate™ to get an automatically translated version of this page by clicking the following link:

Predigt am Pfingstsonntag, 20. Mai 2018

20.05.2018

zu 1. Korinther 2, 12 - 16; gehalten von Pfarrer Lüder Laskowski aus der Schwesterkirchgemeinde Großschirma

Liebe Gemeinde,
Pfingsten, Pfingstfest, der Heilige Geist wird über einer verzückten Jüngerschar ausgegossen, sie reden in Extase in „Zungen“..., damit haben Normaltemperierte ihre Schwierigkeiten, gleich ob Protestanten, Katholiken oder welche, die sonst mit der Kirche nichts am Hut haben. Wir halten es lieber mit der „Vernunft“. Einsichtig muss uns sein, was wir zu unserer Lebensmaxime machen. Wenn schon nicht messbar, dann doch wenigstens logisch hergeleitet. Irgendwie nachweisbar. Also in der Weise und mit den Methoden beschrieben, die unsere Welt – ich meine damit wirklich unsere Welt hier in Freiberg, in Europa – so weit nach vorn gebracht haben. Wenn der Apostel Paulus von dem besonderen Geist spricht, der heute im Mittelpunkt des Pfingstfestes webt und atmet, dann legen wir unwillkürlich diese Maßstäbe an, um die Relevanz und Glaubwürdigkeit seiner Argumentation zu beurteilen. Und es scheint beim ersten Hören so, als ob er sich den Regeln unterwirft, denn er beginnt wirklich zu argumentieren.
1. Korinther 2, 12 - 16: „Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen«? (Jesaja 40,13) Wir aber haben Christi Sinn.“ Gott segne an uns dieses Wort.
Wir hören sofort, was der Preis für den Anspruch ist, etwas müsse gut und allgemein gültig begründet sein, damit wir es ernst nehmen können. Was Paulus hier schreibt bleibt genau deshalb, weil er die Korinther mit einsichtigen Argumenten überzeugen will, merkwürdig fern. Seine Sprache ist kompliziert. Sie begegnet uns in hohen Begriffen und abstrakten Argumenten. Paulus erzählt keine Geschichte. Er sagt nichts, was ihn uns näher bringt. Er spricht nicht greifbar. Er will hörbar Ordnung in ein Durcheinander bringen. Das herrscht auch wirklich in der Gemeinde dort in Korinth. In ihr gibt es Streit darum, was nun das wahre Leben aus dem Geist sei. Und eine Diskussion um die Verhaltensmaßstäbe in einer christlicher Gemeinschaft und inwieweit sich die von denen unterscheiden, die sonst im Leben, in der Welt gelten.
Was da an der Oberfläche unserer Wahrnehmung auf uns zukommt ist das, was Paulus mit dem Geist der Welt meint. Er steht selbst in der Spannung zwischen seinen Möglichkeiten und seiner Sehnsucht. Paulus hat nur die Sprache, die Menschen eben haben. Er muss sich mit den Grenzen auseinandersetzen, die menschlicher Gemeinschaft nun einmal gesetzt sind und er ist darum bemüht, in geordneten Gedanken Ordnung in die Gemeinde zu bringen. Das ist etwas ganz anderes, als die ausgelassene Freude, das wortlose Verständnis füreinander, von dem wir eben in den Pfingstlesungen gehört haben. Der Text des Paulus steht in sich selbst in der Spannung, die er beschreibt und aus der auch wir nicht herauskommen in unserem aufgeklärtem modernen Denken.
Wenn wir das heute festhalten, dann ist das sehr wertvoll. Die strengen Scheidungen, die Paulus einführt zwischen dem Geist der Welt und dem Geist Gottes sind dann keine Ausgrenzung, keine Abgrenzung. Seine harte Gegenüberstellung von Welt und Gott, von diesem und jenem Geist, will uns dann nicht auffordern, wir sollten rufen: „Ihr da draußen seid die Bösen.“, um uns sodann in ein Schneckenhaus unserer Selbstgewissheit zurückzuziehen. Auch Paulus hat nicht die Macht und die Weisheit, den Geist, der dem Leben dient, zu scheiden von dem Geist, der das Leben erdrückt. Auf den Anlass von Pfingsten als Geburtstag der Kirche bezogen: Auch Paulus kann nicht sagen, wer zur Kirche gehört und wer draußen stehen bleiben muss. Oder noch schlimmer: das sich Christen für die besseren Menschen halten sollten. Oder das diese wahre Christen seien und jene nicht. In der unauflöslichen Spannung zwischen dem, was Paulus in der Lage ist mit seinen Worten zu sagen und dem was er sagen will, liegt bereits ein großer Teil der Botschaft, die uns heute am Pfingstfest beseelt. Dem Fest, an dem wir ja die eine Kirche feiern. Das Ereignis, das uns daran erinnert: wir sind eine große christliche Familie.
So wird uns mit Paulus am heutigen Tag erst einmal der Boden unter den Füßen weggezogen. Was uns erfolgreich macht kommt an Grenzen. Einsichtig muss uns sein, was wir zu unserer Lebensmaxime machen. Wenn schon nicht messbar, dann doch wenigstens logisch hergeleitet. Irgendwie nachweisbar. Dieser Anspruch reicht weit, aber er kommt an Grenzen. Wenn wir soweit gehen, wie unsere Worte und Gedanken reichen, kommen wir an ein Ende. Die Sache mit dem Geist ist nicht greifbar, wir haben „nichts in der Hand“. Die Strategien, die wir uns zugelegt haben, uns zu orientieren, durchzukommen in unserer Welt, vielleicht sogar glänzend dazustehen, greifen nicht, wenn es um den Geist aus Gott geht, den wir Pfingsten feiern. In dessen Besitz sind wir nicht, können wir nicht kommen.
Mir scheint, der Apostel ist sich dessen bewusst gewesen. Zumindest waren es die Mitglieder des Gremiums, das eben genau diesen Abschnitt aus dem 2. Korintherbrief ausgewählt hat. Schauen wir noch einmal genau hin, dann wird erkennbar: der Abschnitt hat einen Rahmen. In ihm erst wagt sich Paulus vor und in die Auseinandersetzung mit den sich streitenden Korinthern. Der Rahmen gibt Halt. Er ist wie ein neuer Boden, auf den Paulus seine Gedanken und Worte aufschichten kann, die ja die Absicht haben, eine neue Ordnung in die Welt hinein zu formulieren.
Ganz am Anfang steht: Wir aber haben empfangen den Geist aus Gott. Und am Ende der kurze Satz: Wir aber haben Christi Sinn. Das „aber“ ergibt sich aus dem Empfangen. Der Rahmen ist das Empfangen. Der neue Boden, auf dem wir Halt finden ist das Empfangen. Und nichts anderes tun die Jünger und die Menschen, die sich in Jerusalem getroffen haben und sich plötzlich verstanden: sie empfingen.
Der Geist der Welt und der Geist Gottes, wie wir sie erleben, unterscheiden sich in der Grundhaltung. Gottes Geist ist kein Geist, der etwas von uns fordert. Also zuerst Vorleistungen von den Menschen. Damit er uns begegnet hilft es weder, sich in Trance zu setzen, noch Yoga zu machen oder eisern zu meditieren. Der Geist Gottes wird uns helfen, die Geschenke, die Gott uns macht, zu erkennen, so Paulus. So ist es in der Taufe und so ist es im Abendmahl, wie wir es gleich miteinander feiern. Gott begegnet uns. Er nimmt uns an und sichert uns seinen Beistand, seine Begleitung, seinen Segen zu. Dabei ist es gleich, was die Welt von uns fordert. Auch wie sich unser Leben entwickelt, welche Fehler uns unterlaufen oder was uns zustößt hindern ihn nicht – dieser Geist wird in uns sein wenn er in uns ist. Wir werden ihn spüren als Liebe, die uns trägt, unauflöslich und gefährdet durch nichts, was uns die Welt antun könnte. Diese beharrliche Liebe, die uns durch Gottes Geist erfüllt, gewinnt eine solche Tiefe, dass Gott selbst dann an seiner Zusage festhält, wenn ein Mensch seine Ohren verschließt und „vernünftig“ damit verwechselt, nichts mehr von Gott wissen zu müssen.
Das ist die andere Grundhaltung, die Paulus den Korinthern ans Herz legt. Wer sich auf die eigene Weisheit verlässt, verlässt sich auf sich selbst. Wer Gottes Geist annimmt und empfängt, der verlässt sich auf Gott. Dieser Unterschied ist allerdings nicht so zu verstehen, dass derjenige, der sich auf Gott und seinen Geist einlässt, seinen Verstand und seine Weisheit aufgeben sollte, weil er meint, beides nicht mehr zu benötigen. Keiner soll seinen Verstand dort vorn, am Eingang zu diesen hohen Hallen abgeben. Ganz im Gegenteil. Jeder soll Vernunft gebrauchen, Weisheit ausbilden und Erfahrungen verarbeiten. Aber er muss sich selbst nicht mehr überfordern. Denn das Wichtigste ist schon getan. Das Wichtigste, der Segen Gottes über dem eigenen Leben, das ist schon geschehen, schon beschlossene Sache. Ich darf das sehen und hören und annehmen. Und darf aus dieser Ruhe überhaupt erst so etwas wie Weisheit schöpfen.
Wir ahnen nun eher, was Paulus meint. Es wird sichtbar, warum er den Mut hat, sich der Welt – hier den Streitereien in der Gemeinde in Korinth – auszusetzen. Es ist zu spüren, warum wir heute ein freudiges Fest darüber feiern. Wer geistlich denkt, ist nicht weltfremd oder flüchtet in eine abgehobene Frömmigkeit. Er ordnet sich dem Gedanken Gottes ein. Und was ich selber als Geschenk sehe, kann mir ein anderer nicht absprechen. Deshalb sagt Paulus: Der geistliche Mensch wird von niemandem beurteilt. Mit diese Schlüsselsatz begründet er seine Mahnung an die zerrüttete Gemeinde in Korinth. Sehen wir auf Gott, lassen wir uns von seinem Geist erfüllen. Dann können wir auch eine gute Gemeinschaft sein, ein wichtiger Ankerpunkt für die Welt in ihrer Rastlosigkeit, eine Kirche, die heilsam ist. Menschen, die in der Lage sind, ihre eigene brüchige Weisheit nicht zum absoluten Maßstab zu machen. Kritische Menschen. Ganz im Sinne Christi. Das klingt doch gar nicht so spinnert. Das klingt doch sehr vernünftig.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

all news


Kommentare

No comments

Add comment

Fields marked with an asterisk (*) must be filled.

to top