Predigt am Pfingsmontag, 21. Mai 2018

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Predigt am Pfingsmontag, 21. Mai 2018

21.05.2018

zu Epheser 4, 11 - 15; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer zum Ökumenischen Gottesdienst in der Petrikirche Freiberg

Liebe Gemeinde,
christliche Gemeinden können ja sehr unterschiedlich organisiert sein. In der katholischen Kirche läuft vieles auf den Pfarrer bzw. den Priester hin. Er ist auch in den weltlichen Dingen der Letztverantwortliche. Auf der anderen Seite sind vor allem die freien Gemeinden ja oft mit einer sehr flachen Hierarchie ausgestattet. Der Leiter der Gemeinde ist nur einer unter mehreren. Er ist auch nicht in jedem Fall in besonderer Weise ausgebildet oder beauftragt. Wir Lutheraner können uns da irgendwo in der Mitte ansiedeln. Wir sind ja relativ demokratisch organisiert. Der Kirchenvorstand ist letztlich das Gremium, das die Verantwortung trägt – bis hin zu den geistlichen Dingen, sofern sie nicht die Ordinationsrechte des Pfarrers oder der Pfarrerin betreffen. Aber dennoch läuft in vielen Gemeinden nach wie vor vieles auf den Pfarrer zu und hängt von ihm ab. Wenn von ihm nicht die Impulse kommen, geschieht in solchen Gemeinden dann auch wenig oder gar nichts.
Was nun ist das Modell der Wahl? Es gibt dazu eine sehr schöne Karikatur. Ein großes Modell einer Kirche steht auf einem ziemlich großen Handwagen. Eigentlich ist dieser Handwagen von einer Person allein kaum zu ziehen. Ein Mann im Talar versucht es aber dennoch. Er sieht ziemlich mitgenommen aus und schwitzt sehr. Kein Wunder, denn es haben sich noch etliche aus der Gemeinde auf seinem Wagen gemütlich gemacht und lassen sich auch noch von ihm ziehen. Daneben sieht man dasselbe Bild, aber in einer charakteristischen Abweichung. Die, die in dem ersten Bild gemütlich auf dem Wagen saßen, ziehen plötzlich mit. Der Pfarrer macht auf diesem Bild natürlich den deutlich besseren Eindruck. Aber vor allem auch die Gemeindeglieder sehen dabei auch viel fröhlicher aus, als die, die auf dem Wagen sitzen und sich ziehen lassen. Anscheinend macht es ihnen so dann doch mehr Freude, Glieder der Gemeinde zu sein. Vermutlich auch, weil etwas geschieht, der Wagen Fahrt aufgenommen hat und das Ziel endlich erreichbar zu sein scheint.
Die Karikatur kommt dem recht nahe, wie der Apostel sich Kirche vorstellt. Zunächst einmal beschreibt er die Ämter von Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern. Diese Ämter gibt es in unserer heutigen Zeit nicht mehr. Aber vielleicht könnte man es ein wenig vergleichen mit Predigern, Missionaren, Seelsorgern, Verwaltungsleitern, Kirchenvorstehern und Gemeindepädagogen. So sehr der Vergleich auch hinkt: Es gab damals wie heute herausgehobene Aufgaben, die Christen in der Gemeinde zukamen. Heute wie zu den Zeiten des Apostels sind sie dazu von Gott oder der Gemeinde berufen worden. Anders als in der heutigen Zeit waren diese Ämter allerdings in den Anfängen der christlichen Kirche keine bezahlten Aufgaben. Das gab es zur Entstehungszeit des Epheserbriefes noch nicht.
Diesen Ämtern kommt eine wichtige Funktion zu. Sie sollen dem Gemeindeaufbau dienen und der Einheit des Glaubens. Die erste Christenheit war ja im Grunde eine unorganisierte Bewegung. Im Grunde war die Kirche so etwas wie eine Vielzahl von freien Gemeinden, wo eigentlich alles dem pfingstlichen Geist Gottes überlassen war – oder was Einzelne davon erfahren haben wollten. Das führte im Laufe der Zeit aber zu vielen Zerwürfnissen, Konflikten und auch dem Einbruch von manchen Irrlehren in die Kirche. Denn nicht alles folgte dem Geist Gottes. Begeisterung hat unterschiedliche Quellen und sucht sich unterschiedliche Ziele. Mal waren diese vom Evangelium her geprägt. Manchmal aber eben auch nicht. Manchmal war der Heilige Geist am Werk. Manchmal aber auch nur der Zeitgeist oder die eigenen Interessen oder spirituellen Vorlieben bestimmter Personen oder Gruppierungen.
Aus diesem Grund hat Christus – so der Apostel – die Ämter eingesetzt. Der Geist Christi hat Menschen in besonderer Weise dazu befähigt, den Dienst an der Gemeinde auszuüben. Diese Ämter haben unterschiedliche Funktionen. Ihnen ist aber gemeinsam, dass sie dazu dienen sollen, die Gemeinde innerlich und äußerlich aufzubauen und Irrlehren abzuwehren. Also läuft es doch ganz auf die Hauptamtlichen zu, wenn wir dieses Konzept mal in unsere Zeit übersetzen?
Nein, das tut es nicht! Denn die Ämter sind nach dem Apostel dazu da, ihre Aufgabe zu erfüllen, indem die „Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes“. Die eigentliche Aufgabe haben die ganz normalen Glieder der Gemeinden, die Christen jeweils an ihrem Ort. Sie sind dafür verantwortlich, dass der Glaube gelebt wird und sich ausbreitet. Sie sind dafür zuständig, dass es lebendige Gemeinden gibt. Es ist an ihnen, dass der Glaube aus dem Wort Gottes lebt und nicht durch irgendwelche Sonderlehren verfälscht wird. Aber damit sie diese Aufgabe auch erfüllen können, gibt es die Christen, die sie dazu zurüsten, unterrichten, ausbilden. Im Grunde sollen die Christen in den Ämtern das machen, was wir heute Coaching, Supervision und im Einzelfall auch Rechtsaufsicht nennen würden.
Wir leben heute ja in einer Zeit, die der antiken Welt wieder ähnlicher wird. Christen waren damals eine Minderheit und sind es heute in vielen Ländern Europas wieder. Es gab eine Vielzahl von Religionen und religiösen Bewegungen. Jeder suchte sich das, was ihm am besten gefiel. Ein Menschenleben galt nicht viel. Nächstenliebe war ein überflüssiger Luxus. Macht galt umso mehr. Auch Reichtum und Besitz spielten eine wichtige Rolle. Heute, wo die Prägekraft des Christentums nachgelassen hat, kommt das alles ungebremst wieder. Umso mehr haben wir dafür Zeugnis abzulegen, was uns prägt in unserem Leben.
Da ist es gut, sich auf die Erfahrungen unserer Mütter und Väter im Glauben zu besinnen. Ihre Erfahrungen waren: Kirche kann da lebendig sein, wo es auf der einen Seite Christen gibt, die sich in besonderer Weise für ihre Gemeinde verantwortlich fühlen und eine besondere Funktion inne haben. Das Kirchenschiff wird dort auf Kurs bleiben, wo sich diese Christen darum bemühen, dass der Glaube sich immer wieder zurückbesinnt auf die Heilige Schrift und das, was den Kern der Botschaft Jesu ausmacht. Der Gemeinde und der Kirche wird es gut gehen, wenn sie in gleicher Weise darauf achten, dass die Gemeinde lebendig ist. Aber sie werden überhaupt nichts erreichen, gar nichts, wenn die ganz normalen Gemeindeglieder nicht mitziehen.
Das ist schon ein interessantes Konzept: Eine Gemeinde hat keine Zukunft, wenn sie nicht Menschen in ihren Reihen besondere Aufgaben zum Gemeindeaufbau und zur Erhaltung der Einheit des Glaubens zuweist. Eine Gemeinde hat aber ebenso keine Zukunft, wenn sich nicht alle an dieser Aufgabe beteiligen und sie mit Leben füllen. Wenn sich nicht alle von Gottes Geist leiten lassen und miteinander innerlich und auch äußerlich auf den Weg zu Jesus Christus hin machen. Denn er ist nach den Worten des Apostels der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde und der Kirche.
Insofern können wir alle miteinander nur dankbar sein für die Menschen, die in ihren Gemeinden und Kirchen haupt- und ehrenamtlich Verantwortung tragen – und das oft unter Inkaufnahme von persönlichen Opfern. Die freien Kirchen machen den Großkirchen, was das ehrenamtliche Engagement von Gemeindegliedern angeht, oft etwas vor. Ich will gerade hier an dieser Stelle aber meinen Respekt nicht verschweigen vor denen, die zum Beispiel gerade in dieser Gemeinde und ihren Schwesterkirchen das Gemeindeleben weiter ermöglichen, auch wenn zurzeit die Pfarrstelle vakant ist. Hier gibt es viele, die Zeit und Kraft aufwenden, um ihrer Gemeinde und damit letztlich Christus zu dienen.
Wenn man das Konzept des Apostels nicht nur auf einzelne Gemeinden, sondern auf die Kirche insgesamt umsetzt, ergeben sich auch für die Ökumene klare Vorgaben. Wir brauchen auf der einen Seite besondere Ämter, wie auf örtlicher Ebene hier in Freiberg den Vorsitzenden des Ökumenischen Arbeitskreises. Dass es hier bei uns aktuell mit Bruder Neumüll ein römisch-katholischer Priester ist, ist ein wunderbares Zeichen für das Wirken des pfingstlichen Geistes unter uns. Wir brauchen aber auf der anderen Seite auch Christen, die sich für die Ökumene engagieren. Ohne sie wird nicht viel geschehen können. Auf dem Bergstadtfest beispielsweise kann der Ökumenische Arbeitskreises nur präsent sein, wenn sich viele helfende Hände einbringen. Aktuell fehlen da einige. Auch in der Gemeinschaft der unterschiedlichen Gemeinden und Kirchen kann der Leib Christi nur wachsen und zur Einheit gelangen, wenn alle mitziehen. Aber wo sie es tun, wird der Heilige Geist Gottes spürbar. Da erfahren wir ihn mitten unter uns.
Amen.

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