Predigt am Ostermontag, 2. April 2018

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Predigt am Ostermontag, 2. April 2018

02.04.2018

zu 1. Korinther 15, 50 - 58; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
erst war es nur ein kleiner, silberner Schriftzug ganz am Rand auf dem hellen Sockel des Schönbergschen Hofes zur Domgasse hin. Etliche Wochen später prangten dann wesentlich größere Graffiti mitten auf der hellen Sockelfläche. Kurz danach verewigte sich ein Schmie­rer mit einem noch großflächigeren schwarzen „Kunstwerk“, so dass die Fassade aussah wie eine Bahnunterführung. Jetzt hat der Eigentümer die Schmierereien allerdings übermalen lassen.
Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass es so etwas wie Präze­denzfälle auch außerhalb der Gerichte gibt. Wenn etwas einmal geschehen ist, dann wird es wieder passieren. Was einmal gesche­hen ist, lässt sich kaum zurückholen. Wir jedenfalls sehen an je­dem Morgen ganz neugierig aus dem Fenster, um zu sehen, ob sich zur Nacht wieder einige mit Farbsprühdosen auf den Weg gemacht haben. Bisher ist allerdings nichts geschehen.
Warum ich Ihnen das am Ostermontag erzähle? werden Sie sich fragen. Weil es mit Ostern ähnlich ist. Es ist einmal passiert: Je­sus hat den Tod überwunden. Seine traurigen und verzweifelten Freunde haben Erscheinungen gehabt. Sie begegneten dem leben­digen Jesus. Sie wurden von der Gewissheit erfüllt, dass er lebt. Ihre Freude über das Erlebte mussten sie hinaustragen in die Welt. Von ihnen wissen wir: Es ist einmal passiert. Christus ist auferstanden. Der Tod hat ihn nicht behalten können.
Wir dürfen uns dieses Geschehen dabei allerdings nicht zu anschaulich vorstellen. Der auferstandene Jesus war nicht der, der er vor dem Karfreitag gewesen war. Es hat ja seinen Grund, dass ihn die Frauen nicht erkannten und für den Gärtner hielten. Es ist ja nicht auf die Blindheit der Emmausjünger zurückzuführen, dass sie mit ihm einen langen Weg gemeinsam gingen und nicht wussten, wer da mit ihnen geht. Es ist ja nicht nur in der Skepsis des Thomas begründet, dass er die Wundmale befühlen wollte, bevor er glauben konnte, was er sah. Jesu Leben war ein ganz anderes, ein ganz neues, ein für uns völlig unbegreifliches Leben.
Wenn etwas einmal geschehen ist, dann wird es wieder passieren. Jesu Auferstehung in ein neues und sozusagen „himmlisches Leben“ war ein Präzedenzfall. Was dem Tod einmal passiert ist, kann er nicht mehr zurückholen. Seine Macht über uns Menschen ist einmal überwunden worden. Das muss und wird darum wieder geschehen. Darum ist Ostern nicht nur das Fest des neuen Lebens Jesu Christi. Zugleich ist es eben auch das Fest der Hoffnung auf ein neues Leben für uns. Auch wir werden nicht vom Tod verschlungen. Auch uns wird der Tod wieder hergeben müssen. Auch wir werden leben, so wie Jesus.
Als der Schönbergsche Hof verunstaltet wurde, begann einer damit, Graffiti zu sprühen. Die nächsten machten es ihm in der gleichen Kunstform nach. Wenn etwas einmal geschehen ist, dann wird es nicht nur wieder passieren. Es wird auch in der gleichen Weise wieder passieren. So ähnlich ist es auch mit Ostern und der Hoffnung auf die Auferstehung. Jesu Leben war ein ganz anderes und ganz neues. Sein Leben war kaum zu fassen und zu beschreiben. Die Osterberichte sind darum so widersprüchlich und unterschiedlich. Aber auch, wenn wir es kaum fassen können: Auch auf uns wartet ein solches „himmlisches Leben“, wie es an Jesus sichtbar geworden ist – so wahr wir durch unsere Taufe mit dem Auferstandenen verbunden sind. Auch wir werden in einer ganz anderen und neuen Leiblichkeit leben. Wie Jesus. Das wollte der Apostel Paulus den Korinthern mit seinen Zeilen an sie deutlich machen. Die stellten sich das Auferstehungsleben nämlich so vor, dass es so etwas wie eine unsterbliche Seele gibt, einen Lichtfunken in uns. Im Tod wird er den Körper wieder verlassen. Die Vorstellung einer Auferstehung von den Toten fanden sie absurd. Wie sollen die alten, vermoderten Knochen in den Gräbern wieder zu einem neuen Leben auferstehen? Das konnten sie sich nicht vorstellen. Paulus gibt ihnen in gewisser Weise Recht. „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben“, schreibt er. Das Leben in dieser Welt, wie wir es kennen, das muss vergehen. Selbst die, die am Ende aller Zeiten noch leben, können ihre irdische Existenz nicht behalten. Die ist mit Gottes neuer Welt nicht kompatibel. Unser irdisches Leben muss darum für Gottes himmlische Welt erst einmal angepasst werden. „Dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ Durch diese Verwandlung werden Sünde und Tod keine Macht mehr über uns haben. Das Leben in Gottes himmlischer Welt wird darum kein Ende finden. So wie Jesus seit seiner Auferstehung für immer in Gottes ewiger Welt lebendig ist.
Aber es ist eben auch dies Verwesliche, das die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche, das die Unsterblichkeit anziehen wird. An dieser Stelle widerspricht der Apostel den Korinthern und ihrer Vorstellung von einem himmlischen Lichtfunken in uns. Unser Körper ist ja nicht nur eine Hülle für das Eigentliche des Menschseins. Wir wissen heute ja ganz genau, dass Leib und Seele zwar zu unterscheiden, aber nicht zu trennen sind. Sorgen machen Rückenschmerzen. Freude lässt den Puls ansteigen. Wir sind eine Einheit. Diese Einheit wird verwandelt werden zu einem neuen Leben. Auch wenn es unser Vorstellungsvermögen übersteigt, wie das geschehen kann. Aber weil Jesus leibhaftig auferstanden war, darum konnten die Jüngerinnen und Jünger Jesus sehen. Er konnte nach einer Überlieferung sogar Nahrung zu sich nehmen. Sein Leben war in der Osternacht mit Leib und Seele hineinverwandelt worden in das neue und unvergängliche Leben der Ewigkeit Gottes.
Wenn etwas einmal geschehen ist, dann wird es wieder passieren. Wenn der Tod einmal zu Ostern verloren hat, dann wird er wieder verlieren. Wenn einer von den Toten auferstanden ist, dann wer­den auch wir auferstehen, die wir zu ihm gehören. Wenn es ein­mal eine Verwandlung eines irdischen Menschen hinein in Gottes himmlische Welt gegeben hat, dann werden auch wir verwandelt werden in die neue Existenz, die die Jünger Jesu an dem Aufer­standenen sehen konnten. Was für eine grandiose Hoffnung, die Ostern uns schenkt! Und das in mehrfacher Hinsicht:
Dies Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit: Das bedeutet ja, dass unser Leib all seine Unvollkommenheiten verlieren wird. Ich meine jetzt nicht, wenn jemand sich zu klein oder zu dick oder nicht hübsch genug fühlt. Auch so etwas wird keine Rolle mehr spielen, aber das ist ja unerheblich. Aber es gibt ja viele Menschen mit erheblichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen. Diese werden vergehen. Diese Lasten werden in Gottes neuer Welt nicht mehr auf ihren Schultern drücken. Ein Leben, das gekennzeichnet war von Behinderungen, Krebs oder Parkinson oder einfach von den Erscheinungen des Alters wird die Erinnerung daran auch weiterhin in sich tragen. Aber die Krankheit oder Behinderung oder der Verfall des Körpers wird die Verwandlung nicht überstehen.
Dies Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, das bedeutet aber auch: Ich werde noch ich selbst sein in Gottes himmlischer Welt. Dieses neue Leben wird etwas zu tun haben mit dem Leben, das ich in dieser Welt geführt habe. Darum kann ich in Gottes Welt auch weiterhin in Beziehung treten zu denen, die mir in dieser Welt wichtig waren. Die Bande zwischen uns und unseren Lieben werden nicht endgültig zerrissen werden. Kinder werden ihre Eltern wiederfinden, Ehepartner die verlorenen Weggefährten ihres Lebens; Eltern ihre zu früh verstorbenen Kinder. Wir werden ganz anders sein als hier, aber wir werden wir selbst sein. Gemeinsam werden wir im Licht der Liebe Gottes Glück und Frieden finden.

Im Lied 113 heißt es dazu:
Das ist die reiche Osterbeut,
der wir teilhaftig werden:
Fried, Freude , Heil, Gerechtigkeit
im Himmel und auf Erden.
Hier sind wir still und warten fort,
bis unser Leib wird ähnlich dort
Christi verklärtem Leibe.

Amen.

 

 

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