Predigt am Neujahrstag 2017 zum Gedenken des 480. Reformationsjubiläums im Dom

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Predigt am Neujahrstag 2017 zum Gedenken des 480. Reformationsjubiläums im Dom

01.01.2017

zu Johannes 14, 1 - 6, gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer zum Rundfunkgottesdienst

Liebe Gemeinde, liebe Hörer,
wir stehen heute am Anfang eines neuen Jahres. Jede und jeder hat seine eigenen Gedanken und Empfindungen. Wie mag es Herzog Heinrich dem Frommen am Neujahrsmorgen vor 480 Jahren ergangen sein? Der erste reformatorische Gottesdienst im Freiberger Dom und damit die öffentlich gemachte Abkehr vom alten Glauben standen unmittelbar bevor. War er ganz gelassen, weil er davon überzeugt war auf dem richtigen Weg zu sein? Die Reformation der Kirche war überfällig. Die Verwandten in den ernestinischen Gebieten hatten sie längst eingeführt; nur sein Bruder Georg war strikt dagegen, die neue Lehre Martin Luthers auch in seinem Herzogtum anzunehmen. Oder hatte Heinrich vielleicht doch Sorgen, was wohl daraus werden würde? Mit dem Abendmahl in beiderlei Gestalt – mit Brot und Wein – wurde etwas in Gang gesetzt, was nicht zurückzuholen war. Er sagte sich damit von der katholischen Kirche los. Würde es Widerstand geben? Und was würde sein Bruder machen? Zwar hatte Heinrich eine gewisse Autonomie, aber sein Bruder war der Regent. Er nicht. Noch nicht.
Wie es wirklich um ihn stand, hat vermutlich nur seine Frau Katharina gewusst. Sie war eine der Triebfedern für die Einführung der Reformation in Freiberg. Vermutlich haben sich Zuversicht und Zweifel bei ihrem Mann vermischt. Eines aber hat ihn in jedem Fall geleitet: das Bewusstsein für die Notwendigkeit dieses neuen Anfangs. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Die Wahrheit dieses Satzes galt es wieder in Kraft zu setzen. Christus war zu sehr in den Hintergrund getreten durch eine übermäßige Verehrung der Heiligen und durch die angemaßte Mittlerschaft der Kirche. Der Reformator aus Wittenberg dagegen hatte Jesus Christus wieder in den Mittelpunkt gerückt. Solus Christus – allein Christus. Das war das entscheidende Stichwort Martin Luthers. Jesus Christus allein ist der Weg zum Vater. In ihm wird offenbar, wie Gott zu uns steht. Er hat unsere Schuld am Kreuz getragen und zu Ostern den Tod überwunden. Darum können wir leben – jetzt und in Ewigkeit. Das war für Heinrich die unumstößliche Wahrheit. – Diese Wahrheit gab ihm ein festes Fundament für seine Entscheidungen. Sie ließ ihn bei allen möglichen Bedenken festlegen: Am Neujahrstag 1537 wird im Dom St. Marien das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert. Damit setzte er ein Zeichen für den Beginn der Reformation im Freiberger Land. Nur wenige Jahre später, 1545, wird das Altarbild des Doms die Glieder der Domgemeinde an demselben Tisch versammelt darstellen, an dem Christus selbst seinen Jüngern Brot und Wein reicht.

Liebe Gemeinde,
auf dem Fundament eines festen Glaubens kann ein Christenmensch mutige Schritte gehen. Heinrich traf eine Entscheidung, deren Folgen er nicht in ihrer ganzen Tragweite absehen konnte. Aber er traf sie. Mit Gottvertrauen und Zuversicht blickte er in die Zukunft.
Nun kann man das, was mit der Reformation kam, sicherlich auch kritisch sehen. Von der Kirchentrennung und dem Dreißigjährigen Krieg bis hin zu der Gleichgültigkeit gegenüber dem Gottesdienst, die schon Luther in Wittenberg erlebte. Ich bin evangelisch, ich gehe nicht in die Kirche, ist ja ein trauriges Missverständnis der „Freiheit eines Christenmenschen“. Die Reformation war aber – das sage ich zum Beginn des Jahres 2017 ganz bewusst – ein großes Geschenk an die Christenheit und auch an die Menschheit. Christus und die Beziehung jedes Einzelnen zu ihm wurde wieder in den Mittelpunkt gerückt. Nur so konnte sich wieder ein mündiges Christsein entwickeln. Dazu halfen die Bibelübersetzungen. Seit 1534 gab es Gesamtausgaben der Heiligen Schrift in der Übersetzung Luthers. Zur Mündigkeit der Christen gehörte es auch, dass der Gemeindegesang und mit ihm die Kirchenmusik – und in ihrem Gefolge übrigens gerade hier in Freiberg auch der Notendruck – einen großen Aufschwung nahmen. Die Gemeinde sollte beteiligt sein am Gottesdienst und nicht nur Beobachter. So konnten Kantoren wie hier am Dom Christoph Demantius und sein Schüler Andreas Hammerschmidt an St. Petri, von dem wir nach der Predigt das Halleluja hören werden, nur wenige Jahrzehnte später ihre Talente entfalten. Der Mensch der Neuzeit und unsere heutige Kultur wären ohne die Reformation nicht denkbar gewesen.
Möglich wurde diese Entwicklung, weil Christen wie Luther oder Heinrich der Fromme sich von dem leiten ließen, was sie als die Wahrheit erkannt hatten. Sie vertrauten auf Jesus Christus. Sie vertrauten auf Gottes Schutz und Beistand und gingen couragiert ihren Weg. Sie vertrauten darauf, dass Segen auf ihrem Tun liegen würde. Diesen Segen spüren wir noch heute.

Liebe Gemeinde,
wie geht es uns heute Morgen am Beginn des neuen Kalenderjahres? Sind wir ganz gelassen und lassen auf uns zukommen, was kommen mag? Manches davon kennen wir ja bereits. Wir wissen, dass wir gemeinsam mit lutherischen und anderen Christen und auch Nichtchristen auf der ganzen Welt das 500. Reformationsjubiläum begehen werden. Oder beschleicht uns eine große Unsicherheit angesichts der Lage in der Welt und vielleicht auch im Hinblick auf unsere persönliche Situation? Wird ein Donald Trump seine politischen Entscheidungen in verantwortbarer Weise treffen? Werden die Krisenherde dieser Welt weiter an Zahl zunehmen? Was wird nach der Bundestagswahl? Und wie wird es uns persönlich gehen? Werden wir gesund bleiben, unserer Arbeit weiter nachgehen können und von Krisen in der Familie verschont bleiben?
Zu Beginn eines neuen Jahres spüren wir besonders, wie ungewiss die Zukunft an jedem Tag für uns ist. Ungeahntes und Unbekanntes kommt auf uns zu. Schönes und Schwieriges. Es ist darum an solch einem Tag gut, sich vergewissern zu können. Wir haben einen festen Grund, auf dem wir uns bewegen. Es ist Jesus Christus. Er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben – auch für uns ganz persönlich.
Christus ist der Weg: Durch ihn finden wir zu Gott. Weil Jesus und gezeigt hat, dass Gott ein barmherziger und liebender Vater ist. - Christus ist die Wahrheit: Mit ihm gehen wir nicht in die Irre. Sein Vorbild ist uns eine Orientierung in allen Lebenslagen. - Christus ist das Leben: Im Glauben an ihn finden wir zu uns selbst; unsere Verbindung mit dem Auferstandenen verspricht uns zugleich ein Leben über das Ende dieses Lebens hinaus.
Dieses Vertrauen gibt unserem Leben einen festen Halt und eine Orientierung – die besten Voraussetzungen, um mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Was auch immer im neuen Jahr kommen mag, wir nehmen es aus Gottes Hand entgegen. Er wird uns nicht mehr zumuten als wir tragen können. Er wird uns vieles schenken, wofür wir dankbar sein können. Er wird uns manche Früchte unseres Wirkens sehen lassen. Wir werden spüren, dass er es gut mit uns meint. Wir werden erleben, dass er unseren Weg durch die Zeit begleitet. Darum sagt Jesus zu seinen Jüngern im gleichen Atemzug: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Wir glauben an den, der der Weg ist und die Wahrheit und das Leben. So gehen wir mit Zuversicht der Zukunft entgegen.
Ja, wie mag es Heinrich dem Frommen am Neujahrsmorgen 1537 gegangen sein? Wir wissen es nicht. Ich bin aber überzeugt: Als der Gottesdienst begann, da fiel alle Anspannung von ihm ab. Als ihm dann der Pfarrer beim Abendmahl erstmals im Dom nicht nur die Hostie, sondern auch den Weinkelch reichte, da war der Neuanfang gemacht. Im Abendmahl, - so vermute ich - wurde Heinrich mit der Gewissheit erfüllt auf dem richtigen Weg zu sein. Christus in den Mittelpunkt zu stellen, war richtig. Denn er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“. Gleichzeitig bestärkte das Mahl des Herrn ihn in seinem Vertrauen auf Christus. Der Herr würde auf seinem Weg an seiner Seite sein.
So konnte er mit Gottvertrauen in das neue Jahr aufbrechen. Begrüßen wir in gleicher Weise das neue Jahr 2017.
Amen.

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