Predigt am Konfirmationssonntag Jubilate, 12. Mai 2019

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Predigt am Konfirmationssonntag Jubilate, 12. Mai 2019

12.05.2019

zu Sprüche 8, 22 - 36; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten,
liebe Gemeinde,
(Pfarrer schüttet Bauklötze auf den bereitstehenden Stehtisch) wenn kleine Kinder mit Bauklötzen spielen, dann geben sie sich dem Spiel ganz hin. Da wird nicht erst ein Bauplan erstellt, sondern es entsteht einfach etwas. Da baut das Kind erst etwas, das wie eine Mauer aussieht (Klötze werden in einem Rechteck aufgebaut) und dann könnte man hinter dieser Mauer vielleicht einen Zoo einrichten und plötzlich werden aus den Bauklötzen in der Phantasie Zebras und Elefanten (einzelne Steine werden im Gehege verteilt. Ganz ähnlich, so sagt es unser Text aus dem Buch der Sprüche, war es mit der Schöpfung Gottes. Gott wird hier nicht als ein Bauingenieur beschrieben, der sich erst einmal eine Zeichnung macht und einen Plan und diesen dann abarbeitet. Nein, die Schöpfung ist ein kreativer Prozess, etwas Spielerisches – ähnlich wie die Entstehung des Zoos bei dem kleinen Kind. Ich fand das einen genialen Gedanken, als ich mich mit diesem Text beschäftigt habe. Nebenbei kommt das dem ja sehr nahe, was sich unsere heutigen Wissenschaftlicher unter der Entstehung und der Beschaffenheit des Universums vorstellen. In den biblischen Texten steckt eben buchstäblich Gottes Weisheit.
Genial finde ich diesen Gedanken aber auch, liebe Konfirmanden, weil das ja heißt: Wir Menschen, jeder und jede Einzelne von uns ist keine von Gott erschaffene Biomaschine, sondern eher das Ergebnis von Gottes Kreativität. Wenn die Schöpfung insgesamt etwas Künstlerisches, Kreatives in sich trägt, dann gilt das ja auch für uns. Jede und jeder darf sich durch seine Taufe nicht nur als ein geliebtes Kind Gottes fühlen, sondern ebenso als ein Kunstwerk, an dem Gott seine Freude hat. Jede und jeder von Euch ist mit seinen eigenen Gaben, Charakterzügen und Eigenschaften etwas Einzigartiges. Der Humorvolle, der immer für gute Stimmung sorgt; die Stille, die sich nicht gern aus der Reserve locken lässt; der Kluge, der mich mit seinen Gedankengängen manchmal verblüfft hat; die Phantasievolle, die sich so lebhaft Dinge vorstellen kann, dass sie aus dem Lachen nicht mehr herausfindet; der Sportler, der es noch weit bringen kann; die Sängerin, die mit ihrem Talent sich und anderen noch viel Freude machen wird; der Kritische, der alles erst einmal genau bedenkt, bevor er eine Antwort gibt; die Zurückhaltende, die aber immer präsent ist; der Freundliche, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint: Ihr alle seid Kunstwerke Gottes.
Macht etwas daraus. Macht etwas aus Euren guten Gaben. Nutzt sie. Probiert aus, was euch liegt, und lasst sein, was nicht zu euch passt. Ihr habt eine Fülle an Möglichkeiten im Leben. Geht damit kreativ um. Geht auch ein wenig spielerisch mit dem Leben um. Habt auch keine Angst, wenn mal etwas misslingt. Ihr seid Kunstwerke Gottes. Ihr seid seine geliebten Kinder. Da ist es keine Katastrophe, wenn mal was daneben geht. Nutzt eure Gaben, macht etwas daraus, aber lasst euch nicht unter Druck setzen. Niemand muss perfekt sein. Niemand kann perfekt sein. Für Gott sind wir trotzdem Kunstwerke, an denen er Freude hat.
Das Spielerische im Leben hat natürlich auch seine Grenzen. Daran erinnert die Weisheit mit eindringlichen Worten. Auch im Spiel muss jedes Kind entdecken, dass es Dinge gibt, die man nicht tun sollte, beispielsweise so etwas: (Pfarrer baut einen Turm, der irgendwann zusammenfällt.) Dieser zusammengefallene Turm trägt eine wichtige Symbolik in sich. Immer höher hinaus zu wollen, immer mehr zu wollen, sich selbst total in den Mittelpunkt zu stellen, das kann nicht gut gehen im Leben. Das Spielerische im Leben hat da seine Grenze, wo Ihr nur noch euch selbst im Blick haben, wo ihr darum den Kontakt zu Gott verlieren oder anderen – und damit letztlich euch selbst – schaden würdet.
Geht darum ruhig auch mit dem Glauben spielerisch um. Findet euren eigenen Weg. Aber nehmt euer Versprechen von heute ernst. Manche sehen die Konfirmandenzeit als ein Projekt an, das mit der Konfirmation endet. Aber auf Christus zu vertrauen ist ebenso wenig ein Projekt wie Atmen oder Schlafen. Mit Jesus Christus in einem lebendigen Kontakt zu bleiben ist lebenswichtig. Denn unser Leben hat ja seine Höhen und Tiefen und es hat eine Grenze in dieser Welt. Da ist es immer gut zu wissen, dass wir jemanden haben, der uns auffängt – egal was passiert (Pfarrer schiebt ein Klötzchen über den Tischrand und fängt es auf.) Gebt Jesus Christus immer Raum in Eurem Leben. – Eine Gemeinde übrigens immer ein guter Ort, das einzuüben.
Und habt auch die Menschen um euch herum im Blick. Das Leben kann etwas wunderbar Leichtes an sich haben. Es kann einem dieselbe Freude machen, wie das Spielen einem Kind. Aber in unserer Gesellschaft geht das leicht auf Kosten anderer und auch auf Kosten der Schöpfung. Spielt das Spiel nicht mit. Seht in unserer Umwelt wie auch in anderen Menschen ein Kunstwerk, an dem Gott Freude hat. Dann werden die anderen es umgekehrt auch tun und Euer Leben wird gesegnet sein.
Ihr seid Kunstwerke Gottes. Gott hat seine Freude an Euch. Aus dieser Freude heraus dürft ihr leben. Spielerisch, kreativ, voller Vertrauen in Gott, in das Leben, mit Achtung vor dem Leben. Dieses Geschenk ist größer als alles andere, was ihr heute geschenkt bekommt.
Amen.

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