Predigt am Himmelfahrtstag (10. Mai 2018)

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Predigt am Himmelfahrtstag (10. Mai 2018)

11.05.2018

zu 1. Korinther 11, 23 - 26 und dem Altarbild im Dom St. Marien; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer im Gottesdienst für Touristen

Liebe Gemeinde,
es steht nicht im Mittelpunkt des touristischen Interesses, ist aber mein Lieblingsstück in diesem wunderschönen Dom: das Altarbild von 1560 mit der Darstellung des Heiligen Abendmahls. Wir wissen nicht genau, wer es gestaltet hat. Es hat aber Ähnlichkeiten mit der Schule Lukas Cranachs des Jüngeren. Vielleicht ist es ein Werk eines sächsischen Meisters, der Kontakte zu dieser Schule hatte.
Dieses Altarbild ist deswegen so klein und handlich, weil der Altar transportabel sein sollte. Wenn ein evangelischer Wettiner starb, wurde er ja in der Grablege hinter dem Altar bestattet und der Altar musste beiseite geräumt werden können. So wurde der spätgotische Altar durch die 1560 von Münzmeister Matthäus Rothe gestiftete Altartafel ersetzt.
Dieses Gemälde liegt mir nicht wegen seiner besonderen künstlerischen Bedeutung am Herzen. Mich beeindruckt dagegen immer wieder zutiefst, wie das Abendmahl hier dargestellt worden ist.
In der oberen Bildhälfte finden wir eine Darstellung dessen, was wir eben als Predigttext gehört haben:
Jesus sitzt mit seinen Jüngern am Vorabend seines Todes zusammen am Tisch. Er nimmt das Brot und spricht das Dankgebet, wie es für einen frommen Juden vor dem Essen gar nicht anders denkbar war. Er spricht dazu die Worte, die diesem Mahl eine neue Bedeutung geben. Er sagt: Das ist mein Leib. Man könnte die Worte aus der aramäischen Muttersprache Jesu auch so übersetzen: Das ist mein Leben. Das bin ich mit allem, was mein Leben ausmacht. Wenn ihr dieses Brot miteinander nach meinem Tod teilen werdet, so wird unser gemeinsames Essen von heute immer wieder der Vergangenheit entrissen und zur Gegenwart. Das bedeuten die Worte Jesu: Das tut zu meinem Gedächtnis.
Dann nimmt Jesus den Becher voll Wein nach dem Essen und gibt auch ihm eine Bedeutung, die über den Abend hinausreicht: Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut. Der neue Bund, das ist die neue Verbindung zwischen Gott und uns Menschen. Immer wieder zerreißen wir diese Verbindung. Wie ein Kind die Hand seiner Mutter loslässt und seinen Weg alleine gehen will. Gott hat uns Menschen niemals daran gehindert, diese Verbindung aufzugeben. Er hat es zugelassen, dass wir unseren eigenen Weg gehen – fast immer führt er uns jedoch in eine Sackgasse. Darum hat Gott sich verhalten, wie eine Mutter es tut. Sie lässt das Kind seinen Weg gehen. Aber sie bleibt in der Nähe und geht dem Kind nach. Aus diesem Grund ist Gott in dem Menschenkind Jesus in diese Welt gekommen. Er wollte in unserer Nähe sein. Darum ist er uns in dem erwachsenen Jesus sogar bis hinein in den Tod nachgegangen. Wie eine Mutter, die notfalls ihr Leben riskieren würde, um das allein laufende Kind vor Gefahren zu bewahren. Gott schenkt uns so eine neue Verbindung zu ihm. Indem er uns durch Jesus Christus nachgeht. Darum ist das Blut Jesu die Begründung dieses neuen Bundes. Und auch hier sagt Jesus in der Überlieferung, die der Apostel Paulus zitiert: Das tut, sooft ihr daraus trinkt zu meinem Gedächtnis. In anderen Worten: Wenn ihr Euch versammelt und Brot und Wein miteinander teilt, dann findet der neue Bund zwischen Gott und euch eine Gestalt. Dann gibt es nichts mehr, was euch von Gott trennen könnte. Ihr könnt euch darauf verlassen.
Liebe Gemeinde, das ist das Wunderbare am Abendmahl. Zwar ist der irdische Jesus am Kreuz gestorben. Zwar ist der auferstandene Jesus zu Himmelfahrt ganz von der ewigen Welt Gottes aufgenommen worden und für unsere Augen unsichtbar. Aber in der Feier des Abendmahls kommt er uns sichtbar und fühlbar nahe. In Brot und Wein schenkt er uns sich selbst, sein Leben, seine Nähe. Es ist, als würden wir mit ihm und den Jüngern am Tisch sitzen. Ebenso schenkt er uns in Brot und Wein die Vergebung unserer Schuld. Es ist, als würde der neue Bund immer wieder neu für uns Gestalt annehmen, wenn wir das Abendmahl feiern. Es ist, als würden wir mit ihm und seinen Freunden am Tisch sitzen.
Genau aus diesem Grund hat der unbekannte Meister die untere Bildhälfte so gestaltet, dass lauter Freiberger Bürger an einem Abendmahlstisch zusammenkommen. Menschen der Gegenwart feiern gleichsam mit Christus und seinen Jünger das Abendmahl. Für die, die das Altarbild nach seiner Fertigstellung 1560 sahen, muss das sehr beeindruckend gewesen sein. Stellen wir uns einmal vor, wie es uns gehen würde. Wir treten zum Altar und sehen auf dem Altarbild in der Schlange der Feiernden Sie und ihren Banknachbarn rechts und die Nachbarin links und mich im Talar am Tisch. Dann würde es uns ganz klar werden, worum es geht: Wenn wir Brot und Wein teilen, dann ist der lebendige Christus in einer unsichtbaren Weise mitten unter uns. Wir haben teil an ihm, an seinem Leben. Wir sind in einer besonderen Weise mit ihm und miteinander verbunden. Wenn wir uns um den Altar versammeln, dann wird das zur Gegenwart, was eigentlich Vergangenheit ist. Dass Christus für uns sein Leben gegeben hat, wird 1560 ebenso wie 2018 zur Gegenwart. Wir sind mitten drin im Geschehen. Die neue Verbindung zu Gott wird sichtbar, fühlbar, sie ist zu schmecken und zu erfahren.
Weil der Meister uns diesen Zeitsprung zwischen dem Gründonnerstag des Jahres 30 zum Himmelfahrtstag des Jahres 2018 buchstäblich vor Augen führt, ist das mein Lieblingsstück hier in diesem Dom. Ich bin dabei, wenn Christus das Brot bricht. Sie sind dabei, wenn Christus das Brot bricht. Für mich wird es zur Gegenwart, wenn Christus den Wein herumreicht und wir daraus trinken. Für Sie wird es in einem Gottesdienst zur Gegenwart, wenn Christus durch den Pfarrer den Wein herumreicht und alle daraus trinken.
Am 31. Oktober des Jubiläumsjahres der Reformation haben alle drei Freiberger Kirchgemeinden zusammen hier im Dom einen Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Wir haben es nicht immer leicht miteinander. Da gibt es manches aus der Vergangenheit und manches aus der Gegenwart, was uns unterscheidet, und mancher betont auch lieber die Unterschiede und die Trennung als die Gemeinsamkeiten. Aber an diesem Reformationstag des Jahres 2017 war davon nichts zu spüren. Wir waren vereint in einer nicht enden wollenden Feier des Abendmahls mit Brot und Wein. Wir standen damals übrigens in einer noch längeren Schlange vor dem Altar, als sie auf dem Altarbild hier im Dom zu sehen ist. Die Verbindung mit Jesus Christus in Brot und Wein nahm in der Abendmahlsfeier Gestalt an und wurde spürbar. Zugleich wurde die Gemeinschaft untereinander zu einer lebendigen Erfahrung. Das hat mich damals sehr bewegt. Was der unbekannte Meister darstellen wollte, wurde für uns zur Wirklichkeit: Wir sind dabei, wenn Christus sich uns schenkt. Er verbindet uns mit Gott. Er verbindet uns untereinander. In Brot und Wein. Amen.

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