Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis, 4. August 2019

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Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis, 4. August 2019

04.08.2019

zu Johannes 6, 30 - 35; gehalten von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Schwestern und Brüder,
die Bibel ist ein Buch, dass sowohl Knappheit und Mangel und Hunger schildert als auch von Brotgeschichten zu berichten weiß. Ich denke an das Mannawunder in der Wüste oder an den Propheten Elia, der aus dem nie versiegenden Mehlvorrat der Witwe gespeist wurde. Eine dieser Brotgeschichten ist unser Text, über den wir heute gemeinsam nachdenken wollen.Himmlische und irdische Brotgeschichten sind heute das Thema. Irdische hat sicher jeder für sich vor Augen. Ich erinnere mich, wie meine Urgroßmutter den frischen Brotlaib segnete, ehe sie ihn anschnitt. Meine Großmutter erzählte, wie sie in den Jahren nach dem Krieg Markierungen ins Brot schnitt, um es einzuteilen. In früheren Zeiten packten sich junge Mädchen ein Stück Brot in ihr Bündel, bevor sie sich eine Stelle suchten. Es sollte gegen das Heimweh helfen, wenn sie davon abbissen.
Brot ist etwas Elementares, und schon das Wort weckt Assoziationen von dem Duft und dem Geschmack.
Der heutige Sonntag trägt den Beinamen Brotsonntag. In der Lesung haben wir die wunderbare Geschichte gehört, wie Jesus das Volk speist. Überhaupt können wir im Neuen Testament einiges über gemeinsame Mahlzeiten nachlesen. Wie Jesus Maria und Martha besuchte oder bei dem von den Leuten verhassten Zöllner Zachäus zu Gast war. Was auf den Tisch kommt, wird eher selten erzählt. Es geht wohl eher um die Gemeinschaft als um den Speiseplan. Und doch war es Jesus wichtig, dass die Leute satt wurden.
Das 6. Kapitel des Johannisevangeliums allerdings erzählt ausführlich vom Brot. Im Anschluss an die Erzählung über die Speisung der 5000 finden sich die Verse, die uns heute als Predigttext vorgegeben sind.

Liebe Schwestern und Brüder,
ist es nicht so – immer wieder und zu allen Zeiten wollen Menschen ein Zeichen sehen, etwas Außergewöhnliches und Spektakuläres. Wir wollen Beweise dafür, dass dieser Jesus der Mensch ist, dem wir vertrauen können, in dem Gott in die Welt kommt und uns aus allem Elend hier befreien kann. Anscheinend reicht den Jüngern nicht, was sie gerade erlebt hatten. Mach mal das mit dem Manna in der Wüste, ermuntern sie Jesus. Die Wortführer erinnern sich an Geschichten aus vergangenen Zeiten. Da gab es schon mal Brot vom Himmel. Aber Jesus lässt sich auf diese alte Geschichte nicht festlegen. Er korrigiert sie vielmehr. Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. Damit holt er die Geschichte aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Zuhörer sind skeptisch. Woran kann man erkennen, dass dieser Jesus nicht einer von vielen ist, der mit Brot um Macht wirbt? Ist er wirklich der, auf den das Volk sehnsüchtig wartet? Deshalb wollen sie ein eindeutiges Erkennungszeichen. Doch Jesus bremst sie behutsam. Er will sich nicht vereinnahmen lassen, aber sie auch nicht im Regen stehen lassen. Will ihren Horizont weiten, will erreichen, dass ihnen neben der körperlichen Sättigung die Augen aufgehen für den, der dahintersteht und der noch viel, viel mehr für sie hat und tut. Mose hat lediglich seinen Dienst getan, in Gottes Auftrag. Das war damals. Viel wichtiger ist jedoch, was heute ist. Und heute gilt: mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Das ist die Wirklichkeit, dass Gott für seine Menschen sorgt, gestern, heute und morgen, ein Leben lang.
Wer will das nicht haben? Ein Brot, das der Welt Leben gibt. Das wäre es doch mal unter den dutzenden Brotsorten, die es heute gibt. So sagt Jesus den entscheidenden Satz: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Das Manna ist Speise für den Moment, Jesus bietet Sättigung auf Dauer.
Er sagt von sich – ich bin es. Ich bin das Brot.
Was Brot für jeden von uns ist, ist so unterschiedlich wie wir es sind. Auch den Jüngern geht es ja nicht nur um das Brot, das sie zwischen den Zähnen zerkauen können. Es geht um die Stillung der Grundbedürfnisse. Aber es geht auch um die Gemeinschaft, um die Lebensfülle, es geht um die Natur und um alles, was wir sonst zum Leben brauchen.
Jesus gibt sich als Lebensgrundlage zu erkennen. Er offenbart sich selbst. In dem Brot, das Leben gibt, sind keine Allergene enthalten. Aber dafür viel Liebe, Erlösung, Ewigkeit, Vergebung, Gnade, Vertrauen, Heiliger Geist, Licht, Himmel, Trost, Glaube, Güte und Gottes Vaterschaft. Ohne dieses Lebens – MITTEL werden weder die Jünger noch wir unsere LebensMITTE finden.
Gott mit kleinen Gesten in den Alttag einzubeziehen, dem Glauben im Tischgebet Raum zu geben und in der Gemeinschaft beim Brotbrechen Gott zu danken, ist Lebensmittel pur. Wir werden versorgt durch die nährende Liebe Gottes, das dürfen wir glauben. Dieser kurze Moment vor dem Beginn der Mahlzeit. Sich bedanken für das Essen und die Runde, in der es genossen wird. Dafür, dass wir satt werden und leben. Wir werden menschlich. Wir lassen uns unterbrechen in diesem heiligen Moment, den wir uns vor Beginn der Mahlzeit erlauben.
Brot ist ja nicht wertvoll dadurch, dass es da ist, sondern dadurch, dass es gebrochen oder geschnitten und dann verteilt wird.Der Segen des Brotes liegt nicht darin, dass es ganz bleibt, sondern dass es verteilt wird auf viele. Und mit diesem Brot wird nicht nur der Magen, sondern auch die Seele genährt. Wer satt ist, ist auch zufrieden. Denn auch die Seele macht sich bemerkbar, wenn sie Hunger hat. Sie braucht Licht und Liebe, Wärme und Vertrauen. Sie braucht andere Menschen, die da sind. Ohne andere Menschen, fremde oder vertraute, kranke oder gesunde, arme oder reiche können wir zwar Brot haben, aber nicht das Brot des Lebens. Wer Christus entdeckt hinter aller versperrender Einpackung unseres kirchlichen Alltags, dem hat er für unseren Lebenshunger Antworten zu bieten, die satt machen können. Kreuz und Auferstehung Jesu vermitteln den Sinn für diese Welt und für unser Leben. Gott, der diese Welt geschaffen hat, der erhält sie. Gott ist unsere Hoffnung, leibhaftig geworden durch Jesus Christus.
Jesus Christus ist das Brot des Lebens. Er verkörpert die Hoffnung, die dem Tod das letzte Wort nimmt. Christus ist für uns nicht nur in den Tod gegangen, sondern er hat ihn auch überwunden.
Nein, die Gier nach selbst gemachtem Leben stillt Jesus nicht, wenn er sagt – ich bin das Brot des Lebens. Er ruft uns zu einer Bescheidenheit, in der Größe steckt. Die ersten Christen trauten sich dieses Leben zu. Sie taten sich zusammen und teilten alles, was sie hatten. Und immer wieder brachen Menschen auf und schufen Orte, wo Leben geteilt wurde und Gottes Liebe sichtbar gelebt. Ich denke da an Taize, an Hof Birkensee, aber auch an jede Gemeinde in unserer Welt, in der Christen zusammenkommen, das Brot brechen und damit seiner Einladung nachkommen.
Im Abendmahl ist auf besondere Weise erlebbar, dass Jesus, dass der Glaube mir Brot ist. Weil ich Gemeinschaft mit Gott und den Menschen erfahre. Mich darauf besinne, was wirklich wichtig ist. Auch ein Bibelwort oder eine Ermutigung durch einen anderen Menschen kann mir Stärkung und Wegzehrung sein.
Aber auch auf eine ganz andere Weise kann ich es erfahren: wenn ich an einen Urlaub in der Bretagne denke, dann geht mir das Herz auf. Der wilde Atlantik, die zerklüfteten Felsen, das besondere Licht. Aber auch das gute Essen, der Wein und die Freundlichkeit der Menschen dort war auf eine bestimmte Weise erfüllend und sättigend.
Und im Alltag ist es erlebbar, wenn Menschen einander mit Respekt und Achtung begegnen, wenn sie einander Liebe und Freundschaft erweisen.
Für uns alle ist Jesus da. Mit allem, was er getan und gelebt hat. Wer zu ihm kam, wer nach ihm rief, dem hat er sich zugewandt. So lässt er seine Stimme vernehmen: Ich bin das Brot des Lebens . Ich speise dich nicht ab. Ich bin da. Ich bin da auch für die satten und für die, die ihn scheinbar satt haben. Er begegnet  den Menschen ohne Vorbehalte. Er ist Menschen zum Brot des Lebens geworden, weil er den Menschen in seiner Schuld gesehen hat, ihn annahm und dadurch befreite. Er hat ihre Traurigkeit gesehen und getröstet. Er half, wo er konnte. Um es kurz zu sagen – er hat uns den Weg der Liebe und des Erbarmens vorgelebt.
Wir haben sein Wort und sind durch das Abendmahl mit ihm und miteinander verbunden.
Er will uns stärken und traut uns zu, seine Liebe in die Welt zu bringen.
Menschen können anderen das Brot des Lebens weitergeben.
Durch ein liebevolles Wort, eine versöhnliche Geste, einen Besuch in der Nachbarschaft oder welche Idee Sie auch immer haben.
Wo wir das tun, sind wir Jesus auf der Spur, dem Brot des Lebens.
Amen.

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