Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juli 2018

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Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juli 2018

08.07.2018

zu Apostelgeschichte 8, 26 - 39; gehalten von Prädikant Matthias Neubert

Liebe Gemeinde,
im Mittelpunkt unseres heutigen Predigttextes stehen weniger die beiden benannten Personen. Es ist das Ereignis des Taufbegehrens und der Taufe als Ergebnis des unverfügbaren Wirkens des Heiligen Geistes. Ein hoher Beamter des königlichen Hofes des damaligen Äthiopiens reist ca. 2000 km weit, um in Jerusalem den wahren Gott anzubeten. Offensichtlich konnten die sicherlich durchaus attraktiven Religionen seines Heimatlandes ihm die Sehnsucht nach wahrem, ewigem Leben nicht stillen.
Auf der anderen Seite wird von Philippus berichtet, einem Diakon, der nach der ersten großen Christenverfolgung in Jerusalem mit vielen anderen nach Samaria geflüchtet war. Trotz der Negativerfahrungen von Verfolgung und Vertreibung hatte er sich nicht ins Private zurückgezogen. Er verkündigte die frohe Botschaft von Jesus Christus vollmächtig weiter. Sehr viele Menschen kamen dadurch zum persönlichen Glauben an Jesus Christus. Philippus war demnach ein „erfolgreicher Prediger“. Umso erstaunlicher ist sein Gehorsam. Weg von der Masse, hin zur Einsamkeit, und das ohne weitere Handlungsanweisung. In der Seelsorge würde man so einem Menschen eher raten abzuwarten, bis sich der Auftrag konkretisiert. Philippus verlässt hingegen ohne zu zögern seine erfolgreiche Missionstätigkeit und setzt sich zur Zeit der größten Mittagshitze an eine sowieso schon kaum benutzte Straße.
Er traut in diesem konkreten Fall dem Heiligen Geist mehr als seinem Verstand. Oder anders ausgedrückt: Der Gehorsam ist ihm wichtiger als alle intellektuellen Bedenken.
Das ist der Hintergrund dieser ungewöhnlichen Begegnung, die zu einer ebenso ungewöhnlichen Taufe führt.
Hier geht es keinesfalls um Methoden oder Anweisungen für andere. Es geht ganz allein und ausschließlich um das unverfügbare Wirken des liebenden Gottes, „welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ 1.Timotheus 2,4
Gott selbst stellt, wie wir es bereits im Wochenspruch gehört haben, eine persönliche, eine ich-du-Beziehung her. Im Neuen Testament geht es zu allermeist und in verschiedenster Weise um den Einzelnen, dem Gott in Christus begegnet und der dadurch seine Güte erfährt. Viel seltener lesen wir von seinem Wirken an großen Gruppen. Events haben offenbar bei Gott keine so große Popularität.
Es ist nicht verwunderlich, dass der äthiopische Finanzminister von seiner beschwerlichen Hinreise nach Jerusalem mit neuen geistlichen Eindrücken die lange Heimreise angetreten hat. War doch seine Sehnsucht nach dem lebendigen Gott verstärkt, aber eben noch nicht erfüllt worden. In Jerusalem hatte er sich eine sicherlich sehr teure Papyrusrolle mit Texten aus dem Propheten Jesaja gekauft. Für ihn war diese Schriftrolle kein Touristensouvenir.
Es war die Vorbereitung für den Durchbruch zu einer entscheidenden Glaubenserfahrung.
Nun saß er auf dem Wagen in der Mittagshitze und las die Texte auf der Papyrusrolle laut vor sich hin. Plötzlich drang eine Stimme mit einer provokanten Frage an sein Ohr:
„Verstehst du auch, was du liest?“

Auf eine derartige, wie aus dem Nichts kommende Frage kann man in dreierlei Weise reagieren:
-So tun, als hätte man sie nicht gehört und den Blick ins Leere gehen lassen,
-sie als unverschämt mit Drohungen zurück weisen,
-oder aber ehrlich beantworten.
Das Letztere tut der Mann im Wagen. Er erwartet von Philippus eine entsprechende Antwort. Das ist nicht selbstverständlich!
Für Philippus beginnt damit der zweite Teil seines ungewöhnlichen Auftrages. Ganz sicher hält er sich nicht lange bei historischen Erklärungen, verschiedenen Lehrmeinungen oder Bewertungen des Jerusalemer Tempels mit seinen Traditionen auf. Er kann und will seinen Herrn Jesus bezeugen und verkündigen. Ihm geht es um das Zentrum des christlichen Glaubens. Philippus versprüht nicht gießkannenartig sein theologisches Wissen, sondern baut auf dem Vorhandenen auf.
Der Text sagt uns dazu ganz lapidar nur: „Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte das Evangelium von Jesus.“

Hier muss ich innehalten. Was für Philippus eine Selbstverständlichkeit war, fällt mir heute Lebenden sehr schwer. Dabei liegt in dem Namen Jesus so eine große Kraft!
Zu Zeiten der Diktatur des Proletariats versuchten wir als Eltern, unsere Kinder von allen politischen Veranstaltungen des Staates mit Bekenntnischarakter zum Atheismus fern zu halten. Wenn also z.B. wieder einmal eine 1. Mai Demonstration oder ähnliche Pflichtveranstaltung anstanden, schrieben wir in die Entschuldigung konstant den einen Satz:
„Unsere Kinder nehmen nicht teil. Dies geschieht allein aus unserem Bekenntnis zu Jesus Christus heraus und ist nicht gegen den Staat gerichtet.“
Viele andere taten das auch so.
Das wurde immer ohne Wenn und Aber respektiert. Keiner wollte mit uns über Jesus diskutieren.
Wir wussten von anderen mit gleichem Anliegen. Sie schrieben aber nicht ein so klares Bekenntnis, sondern nannten u.a. ihre Kirchenmitgliedschaft als Grund. In der Regel bekamen sie dann Besuch von Genossen, die mit Hinweis auf irgendeinen einen Pfarrer oder Superintendenten, der auch seine Kinder schickte, sie umzustimmen versuchten. Meist gelang das wohl dann auch.
Was macht uns heute ein klares Bekenntnis so schwer? Sind das peinlich empfundene Extremsituationen, bei denen andere mit der frommen Keule förmlich erschlagen wurden?
Ist es die Angst vor Blamage und Misserfolg?
Spielen da die eigenen großen Unsicherheiten durch fehlende Argumente mit?
Oder beschäftigen uns zurzeit viel zu sehr Themen wie Geschichte, Denkmalschutz, Kunst, Politik usw.?
Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allem.
Auf jeden Fall soll das Vorgehen des Philippus für uns eine große Ermutigung sein. Er hat durch seine zentrale Verkündigung als einfacher Diakon bei einem hohen Regierungsbeamten das Taufverlangen geweckt! Dabei ist ein Finanzminister ganz sicher ein sehr rational denkender Mensch. Seelische Begeisterung wird ihn kaum zu diesem Schritt bewegt haben. Auch von einer Person wie dem Philippus dürfte er wenig beeindruckt gewesen sein.
So stellt sich hier die Frage:
Wer hat den Kämmerer, der zum Schluss seine Straße fröhlich zieht und den christlichen Glauben mit in sein Heimatland nimmt, zum „Jünger Jesu“ gemacht? Diese Frage im weitesten Sinn war den Herausgebern der Lutherbibel zum Reformationsjubiläum 2017 bei der Übersetzung von Mt. 28,16 ff. sehr wichtig. Wir kennen ja sicherlich den in der Taufordnung unserer Kirche verwendeten Text: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
In der neu revidierten Bibel heißt es an der gleichen Stelle: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Ein führender Bischof der EKD hat zu dieser Textkorrektur sinngemäß gesagt: Das Ersetzen von „machet zu Jüngern“ durch „lehret alle Völker“ war notwendig, da wir ja selbst niemand zu einem Jünger machen können. Und damit hat er ja ganz natürlich Recht. So war es wohl „die Lehre des Philippus über Jesus“, die einen Angehörigen eines fremden Volkes den richtigen Weg zum Glauben gewiesen hat.
Wäre aber der Philippus nicht so einfältig gewesen und menschlich gesehen zur denkbar schlechtesten Zeit an eine einsame Straße gegangen, ja dann wäre der Kämmerer wohl eher verwirrt über das Gelesene wieder zu Hause angekommen. Damit hat er auch seinen Anteil an diesem Wunder. Für uns bedeutet das: Nicht der Streit über die beiden Übersetzungen darf uns gefangen nehmen. Die Freude über das Wirken des Heiligen Geistes sollte an erster Stelle stehen. Zugleich fordert uns dieser Text zum unerschrockenen Glaubenszeugnis an unseren Herrn Jesus heraus. Das geht nicht ohne persönlichen Einsatz. Das geht auch nicht ohne Mut und einem bedingungslosen Vertrauen zu dem, der gesagt hat: „siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Angesichts eines dramatischen Verlustes der Bedeutung des Christentums in Deutschland und Europa mit allen seinen negativen Folgen steht eine große Aufgabe an. Ausgeklügelte Methoden oder große Programme werden sie nicht lösen. Der christliche Glaube kennt kein Marketing. Er lebt durch das Zeugnis im Vertrauen auf den Heiligen Geist oder er stirbt. Amen.

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