Predigt am 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi), 2. Juni 2019

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Predigt am 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi), 2. Juni 2019

02.06.2019

zu Epheser 3, 14 - 21; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
heute ist uns mal wieder vor Augen geführt worden, wie das Leben eines Christenmenschen beginnt. Mit dem Wasser der Taufe werden wir zu Kindern Gottes. Das kann wie bei unseren beiden Kleinkindern ganz am Anfang geschehen – vor allem anderen. Gottes Ja zu uns ist so groß, dass er unser kleines Ja nicht braucht um uns als sein Kind anzunehmen. Das kann aber auch nach einem langen Suchen und einem langen Hineinwachsen in den Glauben geschehen. Dieser Weg mündet dann eines Tages in die Taufe und das Bekenntnis zu Jesus Christus ein. Nun könnte man sagen: Wer als Kind getauft wird, der muss erst noch in den Glauben hineinwachsen. Wer als Erwachsener getauft wird, hat es schon hinter sich. Aber so ist es gar nicht. Wenn man sich die Worte des Apostels vor Augen führt stellt man fest: Im Glauben sind wir immer auf dem Weg. Der Apostel betet für seine Gemeinde, dass der Heilige Geist sie stärkt an dem inwendigen Menschen. Denn das macht eigentlich das Leben im Glauben aus. Ein Christ ist jemand, der in der Liebe Christi eingewurzelt ist und sich immer weiter verwurzelt in der Liebe Christ.
Ob man also ein Kind ist, das gerade getauft wurde, oder ein Erwachsener, der schon lange getauft ist, ob man gerade erst zum Glauben gekommen ist oder schon viele Jahre im Glauben lebt: Das Leben eines Christenmenschen ist mit dem Wachsen eines Baumes zu vergleichen. Ein Baum wird ja von Jahr zu Jahr größer und ich habe mir mal sagen lassen, dass er ebenso wie mit Ästen und Blättern in die Höhe mit den Wurzeln in die Tiefe wächst. Wenn ein Baum so fest verwurzelt ist, dann können ihm auch die Unbilden des Wetters nicht viel anhaben. Ein in der Tiefe verwurzelter Baum hat einen festen Stand. Die Stürme können ihm nicht viel anhaben. Er findet im Boden Wasser und Nahrung, auch dann, wenn es einen trockenen Sommer gibt wie im letzten Jahr.
So ist es im Grund auch mit einem Leben im Glauben. Immer mehr treiben wir unsere Wurzeln in den Untergrund unseres Lebens. Immer mehr verwurzeln wir uns in der Liebe Gottes zu uns. Immer mehr spüren wir, wie sie uns trägt in den guten Zeiten des Lebens ebenso wie in den nicht so einfachen und auch in den Stürmen und Trockenzeiten des Lebens. Immer mehr spüren wir, wie Gottes Liebe uns trägt im Leben wie auch im Sterben. Immer mehr begreifen wir die Geheimnisse des Glaubens; immer mehr erkennen wir, wie wunderbar manchmal die Wege sind, die Christus mit uns geht. Der Apostel nennt es die Breite, die Länge und die Höhe und die Tiefe, die wir als Christen zu begreifen lernen.
Wie aber geschieht das, dieses Wachsen in die Tiefe des Glaubens? Zunächst einmal schreibt der Apostel, dass wir das nicht „machen“ können. Der Heilige Geist Gottes schenkt es uns, dass wir „gestärkt werden an dem inwendigen Menschen“. Es gibt keine geistlichen Erfolgsrezepte so etwa nach dem Motto „Wie werde ich ein Superchrist in vierzig Tagen?“ Aber der Glauben ist ja eine Beziehung. Eine Beziehung zu Jesus Christus. Wir wissen ja, wie das in der Beziehung von Menschen untereinander ist. Freundschaften muss man pflegen, sonst verkümmern sie. Bei manchen Freunden ist es einem geschenkt, dass man sich jahrelang nicht gesehen hat und sich auf Anhieb wieder so versteht wie vor Zeiten. Aber in der Regel muss man sich Zeit nehmen füreinander, für das Gespräch, für gemeinsame Unternehmungen. Noch mehr gilt das für eine Ehe. Auch eine Ehe ist einerseits das Geschenk der Liebe eines anderen Menschen. Aber andererseits muss man für die Beziehung zu dem geliebten Menschen auch etwas tun. Wer sich nur seinen Hobbies oder seiner Arbeit widmet und nie dem Partner, der könnte eines Tages Probleme bekommen. Ähnlich ist es auch mit der Beziehung zu Jesus Christus. Sein Ja zu uns ist unabänderlich. Das Wasser der Taufe ist dafür das Zeichen. Von unserer Seite her aber braucht der Glaube ein Mindestmaß an Übung, auch an Einübung. Es ist unverzichtbar, wenigstens gelegentlich in den Gottesdienst zu kommen, am Abendmahl teilzunehmen, zu beten, vielleicht sich auch einen Kreis von Menschen zu suchen, mit denen man sich über den Glauben austauschen kann. Jede und jeder hat da seine eigenen Formen gefunden oder muss sie noch finden, weil die alten nicht mehr funktionieren. Manche gehen pilgern. Anderen gibt ein Oratorium von Bach die geistliche Nahrung, die sie brauchen. Wieder andere fahren zu Veranstaltungen der Erwachsenenbildung. Bei manchen liegen die Losungen auf dem Frühstücks- oder dem Nachttisch. Aber solche Einübung im Glauben ist für jede und jeden von uns ganz wichtig. Nur so werden wir uns im Glauben immer weiter verwurzeln. Nur so können wir an Glaubenserkenntnis zunehmen. Nur so bekommt unser Glaube die Nahrung, die er braucht.
In der Liebe Christi verwurzelt zu werden, ist aber nicht nur eine Frage des Glaubens. Das hat immer auch Auswirkungen auf das eigene Leben. Wir haben ja jetzt erlebt, dass viele Menschen eine Partei gewählt haben, die uns mehr Sicherheit verspricht. Mehr Polizei; weniger Menschen aus anderen Ländern, die uns vielleicht gefährlich werden könnten; weniger Regelungen aus Europa, dafür mehr aus dem vertrauten eigenen Land. Ich vermute, dass diese Partei für Menschen attraktiv ist, die sich unsicher fühlen. Um den Herausforderungen einer sich wandelnden Zeit begegnen zu können, braucht man einen festen Halt. Sonst machen sie einem zu viel Angst. Um einmal das Thema Migration als Beispiel aufzugreifen: Wenn ich verwurzelt bin in der Liebe Christi, dann werde ich zunächst einmal Mitleid haben mit Menschen, die aus Bürgerkriegsgebieten oder vor Armut flüchten. Sie werden mir nicht in allererster Linie Angst machen. Ich weiß mich ja in Gottes Hand. Ich kann dann natürlich immer noch über den richtigen Umgang mit Migration sehr unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich hielte es beispielsweise für sehr viel besser, den Ländern Afrikas faire Handelsbeziehungen zu ermöglichen. Dann können die Menschen in ihrer Heimat gut leben. Stattdessen zwingen wir als EU diese Länder, unsere Produkte zollfrei ins Land zu lassen und zerstören so Wirtschaftszweige in Afrika. So verursachen wir selbst die Flüchtlingsbewegung. Aber wer verwurzelt ist in der Liebe Christi, wird zunächst einmal Menschen und Geschöpfe Gottes in denen sehen, die – auch aus solchen Gründen – zu uns kommen. Auch wenn diese Menschen mit ihrer oft ganz anderen Kultur natürlich eine erhebliche Herausforderung darstellen.
Verwurzelt zu sein in der Liebe Gottes, das bedeutet ein offenes Herz zu haben für die nahen und die fernen Nächsten, Verantwortung zu übernehmen für sie, ebenso für die kommenden Generationen, für die Schöpfung. Es bedeutet nicht, sich abzuschotten, das Eigene in den Vordergrund zu stellen, an sich, das eigene Land, das eigene Volk  zu denken und an den eigenen kurzfristigen Nutzen.
Die Taufe ist der Anfang mit Gott. Nicht umsonst kommt man durch die Goldene Pforte zum Taufstein. Mit der Taufe sind wir drinnen, ein Teil der Familie Gottes. Aber die Taufe ist eben nur ein Anfang. Damit beginnt das Leben im Glauben, das Leben als Kind Gottes. Immer tiefer verwurzeln wir uns in der Liebe Christi. Jedes Wort der Heiligen Schrift, jedes Gebet, jedes gute Wort, das ein anderer uns sagt, treibt die Wurzeln des Glaubens immer tiefer die Liebe Christi zu uns hinein. Daraus erwächst dann ein guter Baum. Ein Baum der Früchte trägt. Die Liebe zu den Menschen, so hat es der Apostel Paulus gesagt, ist die größte dieser Früchte. Sie schenkt Versöhnung. Sie überwindet Ängste. Sie macht die Welt menschlich. Sie lässt das Leben gedeihen.
Amen.

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