Predigt am 5. Sonntag vor der Passionszeit, 3. Februar 2019

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Predigt am 5. Sonntag vor der Passionszeit, 3. Februar 2019

03.02.2019

zu 1. Korinther 1, 4 - 9; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
„seit Du in der Stadt arbeitest und ein eigenes Auto hast, bist Du ganz anders geworden“. So die Klage eines Ehemanns über seine junge Ehefrau. Als sie nach dem Studium durch ihren Beruf und vielleicht auch wirklich durch eine eigene Mobilität erwachsener geworden war, hatte sie sich verändert. Ihre Ansprüche an das Leben, ihre Ansprüche an eine Ehe stiegen. Damit umzugehen fiel dem Ehemann alles andere als leicht. Denn die junge Ehefrau hatte nicht nur sich verändert. Mit ihr hatte sich auch ihre Beziehung, ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann verändert.
Menschen können sich verändern und damit verändern sich auch ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Wenn Kinder erwachsen werden, erleben ihre Eltern das in gleicher Weise. Nicht immer fällt es leicht das zu akzeptieren. Die Eltern spielen nur noch eine Nebenrolle. Sie nabeln sich ab. Ein anderer Mensch wird eines Tages viel wichtiger als die Eltern. Auch da verändert sich die Beziehung in erheblichem Maße.
Aber wie ist es in dieser Hinsicht eigentlich mit Gott? Das Thema dieses neu eingeführten 5. Sonntag vor der Passionszeit ist die Treue Gottes. Darüber nachzudenken, wirft nicht unwichtige Fragen auf: Bleibt eigentlich Gott sich und uns treu? Oder müssen wir uns auch ihn als wandelbar vorstellen – und damit auch seine Beziehung zu uns?
Zunächst einmal ist Gott der Lebendige. Die Bibel sieht ihn nicht als eine unveränderliche kosmische Kraft –oder etwas in dieser Art. Gott ist lebendig. Alles Lebendige aber verändert sich. Also ist auch Gott von seinem Wesen her veränderlich. Geht Gottes Wandelbarkeit aber so weit, dass sie seine Beziehung zu uns berührt? Können wir mit der Treue Gottes rechnen oder ist das eine Rechnung mit einem Unbekannten?
Es gibt ja in der Bibel durchaus Hinweise darauf, dass Gott auch in seinem Verhältnis zu uns wandelbar sein könnte. Manche von uns erinnern sich vielleicht noch an das Lied „Noah“ des holländischen Sängers Bruce Low. 1971 sang er: „Der Herr sah hinab und sprach: Es ist zu dumm. Ich schuf die Menschen, doch ich weiß nicht mehr, warum. Seit dem ersten Tag gibt´s Kriege nur und Mord. Ich schick ein bisschen Wasser und ich spül sie alle fort.“ Das kommt dem Wortlaut der Bibel nahe, denn im 1. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 6, heißt es: „Da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen … vertilgen von der Erde.“ Das kann einen schon erschüttern. Wenn Gott in einer solchen Weise seine Haltung zu uns Menschen ändern kann, können wir dann überhaupt auf ihn vertrauen? Ist er heute vielleicht ein ganz anderer als zu der Zeit, als er sich in Jesus Christus uns Menschen offenbart hat? Ist er weiterhin ein barmherziger Gott oder hat er seine Haltung uns Menschen gegenüber verändert? Können wir noch wissen, wie er zu uns ist?
Ja, liebe Gemeinde, wir können es! Denn das war eben nur ein Gedankenspiel, auch wenn es eine biblische Begründung hatte. „Gott ist treu“, schreibt der Apostel. Er meint damit: Gott ist uns gegenüber treu. Paulus könnte dabei auch an die Noah-Geschichte erinnern. Denn nach der Sintflut, so lesen wir im 9. Kapitel des 1. Buches Mose, setzt Gott den Regenbogen in die Wolken – als Zeichen seines Bundes mit der Menschheit. Gott verpflichtet sich darin zur Treue der Menschheit gegenüber. Im zweiten Buch der Heiligen Schrift lesen wir dann von dem Bund Gottes am Sinai mit Israel. Da verpflichtet sich Gott seinem Volk Israel – und schließt mit ihm ebenfalls einen Bund. Vor allem aber schließt Gott schließlich mit uns Menschen in Jesus Christus einen endgültigen Bund. „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut“ sagt Jesus am Vorabend seines Todes zu den Jüngern. Mit der Hingabe des Lebens Jesu am Kreuz hat Gott sich mit uns unauflöslich verbunden. Das klingt jetzt recht juristisch. Der Bundesgedanke hat einen juristischen Charakter. Aber Gottes unverbrüchliche Treue hat sich am Kreuz in einer viel grundlegenderen Weise erwiesen. Am Kreuz Christi wird ja die überschwängliche, überfließende Liebe deutlich, mit der Gott uns Menschen begegnet. Eine solche Liebe kann gar nicht anders als treu zu sein. Gott kann aus seiner Liebe heraus gar nicht anders, als uns die Treue zu wahren. Er will es auch nicht. Das hat er in Jesus Christus ein für allemal deutlich werden lassen.
Gott ist und bleibt uns treu. Das ist unverbrüchlich. Aber sind wir Menschen umgekehrt ihm treu? Nicht nur die Noah-Geschichte lässt daran ja Zweifel aufkommen. Das ganze Alte Testament ist voller Geschichten von der Untreue der Menschen Gott gegenüber. Man denke nur an die Proteste und das Klagen der gerade aus der Sklaverei in Ägypten geretteten Israeliten auf ihrem zugegebenermaßen mühsamen und beschwerlichen Weg durch die Wüste in das gelobte Land. Die Propheten haben Israel später mit einer untreuen Ehefrau verglichen, wobei Israel hier natürlich stellvertretend für die gesamte Menschheit steht und es mit der Treue der Männer selbstverständlich nicht besser bestellt ist.
Gott ist uns treu. Aber sind wir es ihm gegenüber? Auch bei den Korinthern gäbe es Anlass sich diese Frage recht ernsthaft zu stellen. Paulus hatte ja mit dieser Gemeinde spezielle Erfahrungen sammeln müssen. Erst waren sie begeistert von seinem Evangelium. Sie fanden durch sein Evangelium als Heiden einen Zugang zu dem einen und einzigen Gott. Sie fühlten sich befreit von diesen unzuverlässigen Göttern ihrer Umwelt. Deren Zorn musste man ständig mit Opfern und Ritualen besänftigen und war ihrer Willkür ausgeliefert. Das Evangelium von Jesus Christus war für sie eine Lebenswende. Sie wussten sich befreit zu einem Leben im Vertrauen auf den Vater Jesu Christi. Manche von ihnen lagen dem Apostel zumindest im übertragenen Sinn zu Füßen. Aber dann zog Paulus weiter. Andere kamen, verkündigten ein ganz anderes Evangelium – und dann stand Paulus plötzlich bei den Korinthern nicht mehr allzu hoch im Kurs.
Ausgerechnet den Glauben dieser wankelmütigen Leute lobt der Apostel am Anfang seines Briefes über alle Maßen. Nun könnte man einwenden, dass er am Anfang eines Briefes erst einmal mit freundlichen Worten eine Gesprächsgrundlage schaffen will. Außerdem ist es erst der 1. Brief an die Korinther. Die eigentlichen Probleme kommen zu diesem Zeitpunkt erst noch. Aber Paulus meint es schon ernst, wenn er schreibt: „Die Predigt von Christus ist unter Euch kräftig geworden. Der wird euch auch fest machen bis ans Ende.“ Und er begründet es mit der Treue Gottes.
Gott ist also treu uns gegenüber. Und in seiner Treue schenkt er es uns, ihm treu zu sein. Selbst den Korinthern. Wir hören sein Wort, die Predigt von Christus. Sie berührt uns. Sie lässt uns fest werden im Glauben. Sie bewahrt uns in der Treue Gott gegenüber. Im Abendmahl erfahren wir noch einmal auf eine andere Weise, wie Gott zu uns ist. In Brot und Wein erleben wir den neuen Bund mit Gott. Gottes Liebe und Treue uns gegenüber lässt sich schmecken und wird spürbar. Die Propheten Israels haben davon gesprochen, dass der neue Bund des Menschen ins Herz eingeschrieben sein wird. Das geschieht durch Wort und Sakrament. Auch wir können also eigentlich gar nicht anders als in der Gemeinschaft mit Jesus Christus treu zu sein.
Dass wir es dennoch schaffen, Gott immer wieder untreu zu werden, hat übrigens auch etwas mit der Treue Gottes  zu uns Menschen zu tun. Er lässt uns unsere Freiheit. Er macht keine Marionetten aus uns. Wir können auch einen anderen Weg gehen. Dennoch bleibt er uns treu.
Nach dem Krieg war eine damals junge Frau mit einem Cousin meines Vaters verlobt – gegen den Willen seiner Familie, denn sie kam aus einfachen Verhältnissen. Dann erkrankte er an Kinderlähmung, war zunächst auf den Rollstuhl angewiesen. Was machte sie? Sie blieb ihm treu! Sie hielt sich an ihr Versprechen und heiratete den „Krüppel“, wie man damals noch ungeniert sagte. Sie war ihm ein Leben lang eine treue und liebende Ehefrau. Zwar erholte er sich später, lernte wieder zu laufen. Aber ohne sie wäre er dennoch nicht zurechtgekommen. Im Alter dann holte ihn die Krankheit wieder ein. Liebe-voll im Wortsinn pflegte sie ihn bis an sein Lebensende. – Ihre Treue mag uns ein Hinweis sein auf Gottes Treue. Unverbrüchlich, wie ihre Treue war, so ist auch Gottes Treue zu uns.
Amen.

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