Predigt am 5. Sonntag nach Trinitatis, 1. Juli 2018

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Predigt am 5. Sonntag nach Trinitatis, 1. Juli 2018

01.07.2018

zu 1. Mose 12, 1 - 4; gehalten von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Los geht`s! Tu es ! Komm!
Liebe Schwestern und Brüder, solche ermunternden, auffordernde Worte tun meistens gut. Wenn eine Entscheidung ansteht, zum Beispiel. Oder wenn etwas Wichtiges getan werden muss. Dann helfen mir solche Worte, aufzustehen und anzufangen. Manchmal brauche ich so eine Stimme, die lauter ist als meine eigenen Bedenken. Und je größer der Aufbruch ist, um so nötiger brauchen wir die freundlich aufmunternde Stimme.
Was soll ich nach der Schule machen? Soll ich für ein Jahr ins Ausland gehen? Soll ich mir eine neue Stelle suchen? Soll ich meinen Liebsten, meine Liebste heiraten? Trau ich mich, zu sagen, was ich denke und was ich will? Soll ich diese Reise machen? Entscheiden wir uns für den Umzug ins Betreute Wohnen?
Klar ist, dass es immer Mut braucht, das Gewohnte und Vertraute hinter sich zu lassen und aufzubrechen. Manchmal kostet es viel Kraft, das schon immer so Gewesene in Frage zu stellen. Und manchmal braucht es einen Anstupser oder auch eine Stimme, die uns ruft.
Vor vielen tausend Jahren hörte Abraham diese Stimme.
Geh, sagt Gott zu Abraham, geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will.
Wer ist dieser Abraham? Er lebt mit seiner Frau Sara zusammen, zehn Generationen nach Noah, jenem Noah, dessen Arche die Sintflut überstanden hat. Abraham und Sara sind mit ihrer Sippe unterwegs. Sie wandern mit ihren Ziegen und Schafen, mit Zelten, Mägden , Knechten und ihrer ganzen Sippe von einer Weide zur nächsten. Als sie in Haran sind, der westlichen Grenze ihres Stammlandes, stirbt Abrahams Vater. Er hat sein Vaterland nie verlassen. Aber nun ruft Gott seinen Sohn, der übrigens auch schon 75 Jahre alt ist.
Er soll aufbrechen, soll sich aufmachen ins Unbekannte. Soll alles hinter sich lassen, was bis dahin sein Leben ausgemacht hat. Das kann man schon getrost als Zumutung bezeichnen. Abraham und Sara haben keine Kinder. Sie leiden keine Not, keinen Hunger, werden nicht verfolgt. Und trotzdem sollen sie sich auf den Weg machen. Wohin der Weg sie führen wird, ist unbekannt. Da ist schon eine Menge Vertrauen nötig, um loszugehen. Und – Gott verspricht eine große Nachkommenschaft. Heißt das nun – doch noch ein Kind? In diesem Alter? Schöne Aussichten!
Und trotzdem. Sie haben nichts als das Versprechen. Kann man sicher sein, dass die Stimme Recht behält?
Abraham vertraute dieser Stimme, der Zusage. Er muss sich sicher gewesen sei, dass Gott es gut mit ihm und Sara meint. Die beiden machen sich auf den Weg. Es ist der Beginn einer langen Reise.
Leider sind die Diskussionen, die die beiden vorher miteinander hatten, nicht mit überliefert.
Lohnt sich der Aufbruch? Die knappe Antwort darauf heißt – JA.
Wer allerdings eine Heldengeschichte erhofft, den muss ich enttäuschen, auch die, die ein Happy End erwarten. Abraham und Sara durchleben so ziemlich alle Höhen und Tiefen, die ein Menschenleben zu bieten hat: sich trennen und sich wieder finden, fremdgehen und treu bleiben, lachen, lieben und hoffen. Sodom und Gomorra. Gehorchen und widerstehen, kämpfen, schuldig werden. Sich hingeben und verlieren.. Trauern und weitergehen.
Als Abraham stirbt, heißt es von ihm in der Bibel, er sei lebenssatt gewesen. Trotz aller Niederlagen und allem Scheitern. Denn das Land, das Gott ihm zeigen wollte, hat er nicht erreicht. Aber auf dem Weg dorthin hat er viel gewonnen, nicht nur Erfahrungen, sondern auch Nachkommen und damit Zukunft.
Sein Aufbruch ist der Beginn eines Weges, den jede Generation für sich weitergehen muss.Auch wir!
Es ist der Weg der Sehnsucht nach einem sinnvollen, gerechten und friedlichen Leben. Es ist die Suche nach Gott. Das Ziel wird sich auf Erden nicht finden lassen, das Land, das Gott dem Abraham zeigen wollte, das verheißene Land, das Reich Gottes. Es ist diese Vision, die uns verbindet, uns hier, die wir heute hier zusammen sind. Aber diese Vision verbindet uns auch mit denen, die vor uns geglaubt haben, mit denen, die nach uns kommen, und mit denen, die weltweit mit uns auf dem Weg sind. Diese Sehnsucht ist es, die Menschen immer wieder neu motiviert, sich auf den Weg zu machen. Dass diese Sehnsucht missbrauchbar ist ist für alle möglichen weltlichen Machtgelüste, Gewaltorgien und Eroberungsfeldzüge ist allerdings auch eine Wahrheit, die so alt ist wie die Religionen.
Deshalb ist es wichtig, genau zu lesen: Abraham erreicht das gelobte Land nicht, so wie alle seine Nachkommen. Denn der Weg zu einem Leben mit Gott kennt kein Ende, nur immer wieder neue Aufbrüche. Die Weisen aus dem Morgenland brechen auf, wenn sie einem Stern folgen. Die Fischer, die alles stehen und liegen lassen, um Jesus zu folgen. Menschen machen sich auf Pilgerreise, egal, ob nach Santiago de Compostella oder von Freiberg nach Vacha. Alle haben ein Ziel vor Augen, das sich am Ende doch nur als Tor für den weiteren Weg erweist.
Deshalb fühle ich mich dem Abraham sehr nahe, obwohl mein Leben auf den ersten Blick nichts mit seiner nomadischen Welt im Nahen Osten vor mehreren Tausend Jahren zu tun hat.
So leben wir aus und von einer Tradition, die den Aufbruch immer wieder neu versucht. Und es zeigen die Geschichten der Bibel und auch unsere eigene, dass es mehr Chancen als Gefahren gibt. Es ist eine Tradition, die Mut macht, neue Wege vertrauensvoll zu gehen und einer Vision zu folgen.
Die Geschichte von Abraham zeigt aber auch: es ist gut, wenn du weißt, welche Stimme dich zum Aufbrechen bewegen will. Ist es die Stimme Gottes oder die Stimme menschlicher Zerstörungslust? Genau hinhören, wer da mit welchen Motiven ruft, ist eine wichtige Aufgabe.
Ein Aufbruch muss nicht allein erfolgen. Vieles lässt Abraham hinter sich, seine Frau, sein Liebstes, kommt mit.
Aufbrechen ist keine Frage des Alters. Solange wir atmen, ist es nicht zu spät.
Der Weg ins Unbekannte braucht eine Vision, den Traum von einem Leben mit Gott. Wir müssen nicht bleiben, wo und wie wir sind.
Eine Sicherheit brauchen wir, wenn wir andere Sicherheiten und Gewohnheiten zurücklassen. Diese Sicherheit heißt Segen. Und so lerne ich aus dieser Geschichte: Gott segnet Aufbrüche. Das Loslassen und das sich öffnen. Das macht mir Mut, auch für all die notwendigen und manchmal schmerzlichen Veränderungen, die unseren Gemeinden und unserer Landeskirche bevorstehen. Gott hat nie gesagt, dass es leicht werden wird. Aber er hat versprochen, dass er immer mit und mitgehen wird.
Unser Leben ist durchzogen und gekennzeichnet von Aufbrüchen. Das können äußere sein – eine neue Arbeit, eine große Reise, ein neuer Partner, ein Ehrenamt, eine neue Stadt.
Aber auch die kleinen, die inneren Aufbrüche. Solche, die innerlich frei machen. Ich springe über meine Ängste und Vorurteile und lade meine neuen Nachbarn ein. Ich suche Menschen, mit denen ich reden kann, wenn ich ratlos oder traurig bin. Ich gehe den ersten Schritt nach einem Streit auf den Kollegen zu. Ich mache mich auf und gehe los.
Wenn Gott spricht, dann ist es manchmal wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert. Oder wie das Flüstern eines Windhauchs. Wenn Gott spricht, lassen sich Menschen sofort rufen oder ergreifen erst einmal die Flucht.
Jeder von uns geht seinen eigenen, unverwechselbaren Weg mit Gott.
Ob große oder kleine Aufbrüche: Abrahams Geschichte ermuntert uns dazu, als Suchende auf dem Weg zu bleiben. In dem Vertrauen, dass uns Gottes guter Segen begleitet und wir für andere zum Segen werden.
Na dann: Geh los. Mach dich auf. In das Land, das ich dir zeigen werde.
AMEN.

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