Predigt am 5. Sonntag nach Ostern (Rogate), 6. Mai 2018

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Predigt am 5. Sonntag nach Ostern (Rogate), 6. Mai 2018

06.05.2018

zu Kolosser 4, 2 - 6; gehalten von Prädikant Matthias Neubert

Liebe Gemeinde,
es gab bis zum Ende des vergangenen Jahres eine Sendung im ZDF, die hieß „Peter Hahne". Der Moderator, Peter Hahne, ehemaliges Mitglied des Rates der EKD, eröffnete diese Sendung immer mit den Worten: „Geht es ihnen auch so wie mir?“
An diesen Satz musste ich bei der Vorbereitung für diesen Sonntag unwillkürlich denken.
Ja, geht es ihnen auch so wie mir, dass einem beim Beten die verrücktesten Sachen durch den Kopf gehen, nur nicht ein Gebet zu Gott? Bei mir melden sich zuerst meist die unerledigten Aufgaben zu Wort. Danach kommt alles das, woran ich unbedingt denken will, um es nicht zu vergessen. Manchmal kreisen die Gedanken auch um ungute Erinnerungen aus der Vergangenheit. Bei so viel Durcheinander im Kopf liegt das Aufgeben doch sehr nahe. Das ehrliche Eingeständnis von vollkommender Unkonzentriertheit beendet dann häufig den Gebetsversuch. Es bleibt die Hoffnung: Vielleicht klappt es später besser…Vielleicht abends? Aber da schläft man meistens ein.
Ja, geht es ihnen auch so wie mir? Dann lassen sie uns gemeinsam die Botschaft des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Kolossä bedenken.
Zunächst müssen wir festhalten: Ob einer bequem sitzt, oder mit erhobenen Armen steht oder sehr liturgisch kniet ist egal. Gebet ist Arbeit, oft sogar schwere Arbeit. Es ist meist viel leichter eine körperlich anstrengende Tätigkeit zu verrichten als „bloß“ zu beten. Das Gefühl, etwas mit unseren Händen geschaffen und erledigt zu haben, motiviert im Allgemeinen sehr.
Auf diesem Hintergrund musste der Apostel wohl schon im frühesten Stadium des Christentums seinen Gemeinden diese Aufforderung ins Gewissen schreiben: „Seid beharrlich im Gebet! Oder, haltet fest am Gebet!“
Das heißt doch zunächst: „Lasst euch nicht durch eure Schwachheit entmutigen! Als Menschen, die zu Jesus Christus gehören ist das Gebet ein ganz wichtiger Teil eurer Bestimmung. Es ist die Basis der Kommunikation mit dem lebendigen Gott.“
Wir kennen das ja aus dem alltäglichen Leben: Wo man nicht mehr miteinander spricht, lebt man sich auseinander. Das ist in der Ehe so, das ist auch in einer Freundschaft so.
Nun gibt uns der Apostel einen wichtigen Tipp zum Gegensteuern: „Wachet in ihm mit Danksagung!“ Das heißt gewissermaßen: Entdecke die Spur Gottes in deinem Leben und schreibe dir nicht jeden Erfolg deiner Tüchtigkeit zu. In der Haltung der Dankbarkeit lässt sich das persönliche Beten am besten starten. Der Zeitgeist versucht uns ständig auf knallharte Mangelgedanken festzulegen. Gottes Geist, der Heilige Geist, lenkt hingegen auf den großen Reichtum seiner Fürsorge und Gnade hin. Wir tauchen in den zeitlichen und ewigen Segen unseres christlichen Glaubens ein. Probleme, ganz gleich welcher Art und Größe, lösen sich nicht in Luft auf, aber sie erscheinen uns kleiner und fesseln nicht mehr die Gedankenwelt.
Ganz sicher können das viele bezeugen. Aber auch, wer bislang wie am Anfang erwähnt, eher einen schwierigen Zugang zum Gebet hat, darf es praktisch ausprobieren. Es wird funktionieren!
Im nächsten Vers spricht Paulus von der Fürbitte: „Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftut und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,
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damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.“ Und auch an dieser Stelle die berühmte Frage von Peter Hahne: „Geht es ihnen auch so wie mir?“
Ist Fürbitte nicht allzu oft das Abarbeiten eines Kataloges von Wünschen? Der Apostel sagt dazu, wenn auch indirekt nein! Auch in der Fürbitte sollen die Gedanken um Gott und sein Werk in dieser Welt kreisen. Das schließt persönliche Wünsche nicht aus, weist ihnen aber den rechten Stellenwert zu. Wir müssen nur einmal ins „Vater unser“ schauen. Vor der Bitte um das tägliche Brot, also vor der berechtigten Sorge um den Alltag steht: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“.
So stellt sich immer wieder die Frage: Ist mein Gebet vom Willen Gottes bestimmt? Wenn der Apostel hier schreibt: „Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftut und wir das Geheimnis Christi sagen können.“, dann hat er den Auftrag Jesu im Hinterkopf: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…“Mt. 27,19b
Oder „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ 1. Tim. 2,4
Das sollte die geistliche Ausrichtung eines Christen sein.
„Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind“.
Christen stehen immer unter einer besonderen Beobachtung. Lässt sich an den alltäglichen Verhaltensweisen etwas von der frohen Botschaft der Bibel erkennen? Oder zugespitzt gefragt: Hat der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes etwas mit den Lebensäußerungen im Alltag zu tun? Darunter fallen Verhaltensweisen im Straßenverkehr, bei Konflikten, wenn man direkt oder indirekt provoziert wird, der Umgang mit Niederlagen, die Erziehung der Kinder und vieles andere mehr. In allererster Linie werden wir von unserem Umfeld an unserem Verhalten gemessen und nicht an möglichst steilen biblischen Aussagen.
Ich möchte es an einem vielleicht etwas exotisch anmutenden Ereignis verdeutlichen. Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich in der 2. Hälfte der achtziger Jahre als Verwaltungsmitarbeiter einer großen Stadtrandgemeinde von Chemnitz mit der „Verarbeitung“ großer Kollekten von Heilig Abend und den Feiertagen zu tun. Da rief ein Herr in einem provokanten Tonfall an und fragte, ob, wie abgekündigt, in einem bestimmten Kollekten Beutel das Geld wirklich für „Brot für die Welt“ verwendet würde. Ich musste ihm sagen, dass zur Christvesper es weder so abgekündigt wurde, noch es einen Beutel für „Brot für die Welt“ bei uns gegeben hat. Für diesen Spendenzweck verwendeten wir, wie auch heute noch hier im Dom üblich, entsprechende Tütchen. Diese werden ja getrennt gezählt und entsprechend abgeführt. Der Herr behauptete doch hartnäckig das Gegenteil und fühlte sich von einer geldgierigen Kirche schwer betrogen, zumal er angab, einen größeren Betrag eingelegt zu haben.
Da kam mir der Vers aus 2. Kor. 9,7 ein: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. Ich ließ mir den Betrag sagen und lud den Mann in die Kanzlei auf der Zwickauer Straße 516 zur Abholung seiner vermeintlich zweckentfremdeten Spende ein. Natürlich war das gegen alle kirchlichen Regeln und Gesetze. Notfalls hätte ich privat für diese Aktion einstehen müssen. Aber plötzlich wurde der so selbstbewusst provokante Herr sehr kleinlaut und stotterte: Er wäre doch in der Johanniskirche im Stadtzentrum gewesen. Wieso sollte er sich dann sein Geld so weit draußen abholen? Da konnte ich ihm sagen, dass er mit der Verwaltung der Johanneskirche gesprochen hatte. So ist das eben, wenn man sich in der kirchlichen Landschaft nicht auskennt und anfängt zu provozieren. Der Herr murmelte nach seinem „Aha Erlebnis“ noch einige unverständliche Sätze und ging schleunigst aus der Leitung. Erst hinterher wurde mir klar: Eine Gesprächsführung im Sinne durchaus guter kirchlicher Gesetze und Verordnungen hätte die Angelegenheit richtig hoch kochen lassen und wäre sicherlich sehr spät, wahrscheinlich erst nach entstandenem Schaden, zu spät geklärt worden. Der gesellschaftliche Stellenwert einer lebendigen Kirchgemeinde war ja zu Zeiten der Diktatur des Proletariats nicht unbedingt sehr hoch. Aus jeder Art von Rufschädigung versprach man sich ja einen Vorteil für die eigene Ideologie.
Eine Schlagzeile im Bezirksorgan der SED der „Freien Presse“ „Kirche betrügt Besucher einer Christvesper“ wäre ganz sicher kontraproduktiv gewesen.
Auf jeden Fall hat bei dem Herrn das vorgefasste Bild von der geldgierigen Kirche wohl einige größere Risse bekommen. Dabei hat das Stoßgebet „was soll ich bloß mit dem Kerl machen“ ganz sicher, wenn auch nicht beweisbar, die entscheidende Rolle gespielt.
Das weite Feld des Gebetes lässt sich natürlich auch hoch theologisch abhandeln. Entscheidend wird aber immer sein: Was mache ich nach meinen ganz persönlichen Möglichkeiten tatsächlich für Erfahrungen.
Die Bibel bezeugt durchgehend eine grundlegende Bedeutung des Gebets. Jesus hat lang und anhaltend gebetet. Seine Jünger haben von ihm gefordert: Herr, lehre uns beten. Auch wir können auf die elementare Lebensäußerung des christlichen Glaubens, wollen wir zum Ziel kommen, nicht verzichten.
Amen.

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