Predigt am 3. Sonntag vor der Passionszeit (Septuagesimae), 28. Januar 2018

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Predigt am 3. Sonntag vor der Passionszeit (Septuagesimae), 28. Januar 2018

28.01.2018

zu Jeremia 9, 22 - 23; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
es gibt Zeiten im Leben, die nötigen einen dazu so etwas wie eine Bilanz des eigenen Lebens zu ziehen. Das können Krisen des Lebens sein, wenn beispielsweise eine Ehe zerbricht oder man mit seiner Arbeit gescheitert ist. Für manche sind Zeiten der Krankheit solche, in denen sie sich fragen: Was war bisher wirklich wertvoll an deinem Leben? Es können aber auch Ehejubiläen sein oder runde Geburtstage, die uns zu einem solchen Nachdenken bringen. – Was ist wirklich wichtig und wertvoll gewesen in meinem Leben? Was hat mich getragen? Worauf bin ich vielleicht sogar stolz? Das sind Fragen, die man sich in solchen Situationen stellt.
Mancher mag dann auf die Erfolge verweisen, die er oder sie in seinem Leben erzielen konnte. Manche unter uns Pfarrern neigen ja beispielsweise dazu, sich mit der Instandsetzung ihrer Kirchen ein Denkmal zu setzen. Aber wie brüchig ein solcher Erfolg ist, das sieht man an unserem Dom. Nach fast sechzig Jahren ist im Wortsinn der „Lack ab“. Erfolg ist überaus vergänglich. Oder wer weiß heute noch, was die Gründer der Firmen Grundig, Neckermann, Tengelmann oder in neuerer Zeit Q-Cells erreicht haben? Firmen, die einmal einen Namen hatten, gibt es nicht mehr. Sie sind der Vergessenheit anheim gegeben.
In einer Universitätsstadt wie Freiberg mag es vielleicht auch den einen oder anderen geben, der oder die auf seine oder ihre wissenschaftlichen Ergebnisse verweisen mag. Eine Promotion, eine Habilitation sind bedeutende Leistungen, die die Wissenschaft vorangebracht und vielleicht sogar unsere Welt ein wenig besser gemacht haben. Aber einmal sind die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen ja leider auch mehr als vergänglich. Der Vater eines Freundes, ein anerkannter Wissenschaftler, verbrachte die Jahre seit seinem Ruhestand in kompletter geistiger Umnachtung. Und seine wissenschaftlichen Ergebnisse sind wie so viele aus älterer Zeit längst überholt.
Bliebe noch der Wohlstand, den manche ja sehr gern zu Schau stellen. Wenn man sich mal so ansieht, was in den wohlhabenden Gegenden Deutschlands für Autos durch die Gegend fahren oder in den Villenvierteln geparkt werden. Aber wie zerbrechlich der Wohlstand ist, haben wir in der Finanzkrise ja gesehen. Ein falscher Knopfdruck an der Börse kann in einem Augenblick Kapital in Größenordnungen vernichten, wie wir Normalbürger es uns kaum vorstellen können.
Was also trägt wirklich?
Viele von uns würden ihre Beziehungen in den Vordergrund stellen. Wenn ich einen Menschen habe, der oder die mein Leben in Liebe ein Leben lang begleitet, dann bin ich reich beschenkt und gesegnet. Wenn ich Kindern einen guten Start in ihr Leben ermöglicht habe und sie dadurch in der Lage sind, einen guten Weg zu gehen, dann hat sich das Leben gelohnt. Wenn ich Menschen zu meinen Freunden zählen kann, die mit mir Freude und Leid teilen, dann ist das Leben lebenswert oder auch lebenswert gewesen.
Ja, würde der Prophet Jeremia sagen. Da hast Du nicht ganz Unrecht. Aber auch unsere Beziehungen zu anderen Menschen tragen nicht immer. Die liebevollste Partnerschaft kann ein Ende finden. Kinder gehen aus dem Haus und leben ihr eigenes Leben. Freunde können sich aus den Augen verlieren durch einen Umzug oder andere Umstände. Es gibt im Grunde nur eine Beziehung, die wirklich trägt. Das ist die zu dem lebendigen Gott. Der Glaube ist das einzige, das wirklich trägt. Das Vertrauen auf Gott ist das, worauf es in einem Leben ankommt.
Nun hat das eine auch etwas mit dem anderen zu tun. In unserer heutigen Zeit jedenfalls kann man eine glückliche und tragfähige Beziehung jedenfalls einfacher leben, wenn man zugleich auch auf Jesus Christus vertraut. Viele Ehen zerbrechen daran, dass man sich durch den Partner selbst verwirklichen und glücklich werden will, anstatt sich um das Glück des anderen ebenso zu sorgen. Aus der Barmherzigkeit Gottes auch einem Partner gegenüber barmherzig zu sein, mit seinen Fehlern und Macken leben zu lernen, das ermöglicht es erst, auf Dauer beieinander zu bleiben. – Und Kinder beispielsweise kann eigentlich auch nur jemand in die Welt setzen, der ein Mindestmaß an Vertrauen in die Zukunft hat. Insofern ist es kein Zufall, dass die Geburtenrate unter Christen ein wenig höher ist als im Durchschnitt.
Und umgekehrt lässt sich mit dem Propheten natürlich auch ein Konsens erzielen darüber, dass das Vertrauen zu dem lebendigen Gott das ist, was uns wirklich tragen kann im Leben – wie auch im Sterben. Der Glaube ist es, der dem Leben seinen eigentlichen und wirklichen Sinn gibt. Der Prophet bestimmt ihn als den Glauben an den Gott, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt.
Von der Barmherzigkeit Gottes her haben wir überhaupt erst unser Leben. Es gehört ja zum Glauben an den Schöpfer, dass wir nicht allein das Produkt eines Zufalls oder des Willens unserer Eltern sind. „Du bist ein Gedanke Gottes!“, formulierte es mal ein Lied der Jungen Gemeinde. Wir sind am Leben, weil Gott uns in dieser Welt als sein Geschöpf haben will. Das zu wissen, lässt ein Leben in einem anderen Licht erscheinen.
Gottes Barmherzigkeit ermöglicht unser Leben aber auch in einem anderen Sinn. Es ist ja grundlegend wichtig für uns, dass wir ein inneres Fundament haben, das uns einen Halt gibt. Um das Leben zu bewältigen, brauchen wir ein Mindestmaß an Selbstvertrauen; die Zuversicht, dass das Leben gut wird; die Fähigkeit, uns auf andere Menschen einzulassen. Wer aus dem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit mit uns lebt, der hat ein solches inneres Fundament, das ihn trägt. Auf dem kann er oder sie durch das Leben gehen.
Gottes Gnade und Barmherzigkeit sind es schließlich auch, die unserem Leben einen Sinn geben. Zu wissen, dass die Kraft, die das Universum im Innersten zusammenhält, meinen Namen kennt und es gut mit mir meint, das macht das Leben sinnvoll. So können wir leben.
Gottes Barmherzigkeit gibt dem Leben ein tragendes Fundament. Sie gibt unserem Leben aber auch seine Gestalt. Der Prophet erinnert hier im Besonderen an Recht und Gerechtigkeit. Recht ist in der Bibel das, was das Zusammenleben von uns Menschen möglich macht. Das sind die geschriebenen Gesetze ebenso wie die Zehn Gebote und nicht zuletzt die Regeln, die wir uns geben. Wer darauf vertraut, dass Gott allem menschlichen Recht mit den Geboten eine Grundlage und mit der Barmherzigkeit eine Zielrichtung gegeben hat, wird das Recht achten. Er oder sie wird die Gebote Gottes als grundlegende Orientierung für das Leben ansehen und Werte in sich tragen, die das Leben gelingen lassen. Das unterscheidet uns als Christen von denen, die meinen, sie stünden über dem Recht, wie so manche Konzernchefs, oder außerhalb des Rechts, wie diese merkwürdige Sekte der Reichsbürger. Das unterscheidet uns auch von denen, deren einziger Wert ihr persönlicher Nutzen ist. Wir orientieren uns an dem, was der Willkür und dem Recht des Stärkeren ebenso wie dem ungebremsten Egoismus Einhalt gebietet.
Nicht anders ist es mit der Gerechtigkeit. Als Evangelium haben wir eben Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg gehört. Jesus hat sicher nicht einem Einheitslohn das Wort reden wollen. Aber dass alle für ihre Arbeit das bekommen haben, was sie zum Überleben brauchen, ist sicherlich kein Zufall. Gerechtigkeit unter uns Menschen hat etwas mit der uns geschenkten Würde zu tun. Gerecht geht es zu, wenn alle Menschen in Würde leben und dann auch gut zusammenleben können. Wenn also jeder für das, was er leistet, mindestens das bekommt, was er für ein würdiges Leben braucht; wenn niemand den anderen oder die Allgemeinheit ausnutzt, wenn die Entlohnung der Leistung einigermaßen gerecht ist und die Unterschiede nicht zu groß werden. Dann gelingt das Zusammenleben in einer Gesellschaft. Gerechtigkeit ist in der Bibel darum immer ein Beziehungsgeschehen.
Was also trägt in einem Leben? Letztlich ist es das Vertrauen auf Gott. Er gibt unserem Leben Herkunft, Sinn und Zukunft. Er lässt uns Recht und Gerechtigkeit üben. Wer so leben kann, ist in Wirklichkeit mit Erfolg, Reichtum und Weisheit gesegnet.
Amen.

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