Predigt am 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate) zur Konfirmation, 7. Mai 2017

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Predigt am 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate) zur Konfirmation, 7. Mai 2017

07.05.2017

zu Johannes 6, 66 - 69; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Paten und Angehörige, vor allem: liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

ich habe Euch heute diesen Strick mitgebracht. Mit so einem Strick kann man ein Paket zubinden. Theoretisch kann man aber auch – symbolisch – damit jemanden an sich binden.
In unserer heutigen Zeit gibt es viele Menschen, Firmen, Parteien, Einrichtungen, die andere an sich binden möchten. Natürlich nicht mit einem Strick. Aber Firmen wie Facebook versuchen beispielsweise die Menschen mit ihren Diensten zu fesseln. Ohne die Annehmlichkeiten von Whatsapp kann niemand mehr leben. Und wenn man auf seinem Mobiltelefon kein Whatsapp haben kann wie ich, ist man ganz schön abgehängt. Damit binden sie einen an sich. Und verdienen viel Geld dabei. Wer die Menschen fesseln will, verfolgt nämlich meist eigene Interessen.
Seid also vorsichtig, wenn jemand oder etwas Euch an sich binden will. Seid selbst dann vorsichtig, wenn das unter christlichen Vorzeichen geschieht. Wer Menschen an sich binden will, der handelt nicht in Jesu Namen. Denn Jesus bindet nicht; er lässt uns die Freiheit.
Das können wir an den Zeilen aus dem Johannesevangelium gut sehen. Als etliche von seinen Jüngern Jesus verlassen, versucht er nicht etwa, die engsten Freunde umso enger an sich zu binden. Nein, im Gegenteil. Er stellt es ihnen frei, auch zu gehen. Er lässt ihnen die Freiheit dazu. „Wollt ihr auch weggehen?“ fragt er sie.
Ihr seid als Christenmenschen frei, liebe Konfirmanden. Ihr könnt tun, was auch immer ihr in eurem Leben tun wollt. Ihr seid nur Euch selbst verantwortlich. Diese Freiheit versuchen viele zu beschneiden. Die Werbung sagt beispielsweise: Ihr müsst das neuste I-Phone haben. Das stimmt aber nicht. Ihr müsst dem, was die Werbung uns einreden will, überhaupt nicht folgen. Wenn Euch jemand einreden will: „Du musst!“ dann lügt er. Ihr müsst überhaupt nicht. Das gilt in allen Bereichen des Lebens. Selbst in Fragen des Glaubens. Ihr müsst auch nicht irgendwelche religiösen Leistungen vollbringen. Das war ja Luthers Erkenntnis vor 500 Jahren. Jesus fordert von uns keine besonderen Glaubens- oder Geisteserfahrungen zu haben. Er fordert nicht von uns, regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen. Er fordert nicht einmal, anderen Menschen zu helfen. Wir müssen gar nichts. Wir haben als Christen die volle Freiheit. Das einzige, was den Glauben ausmacht, ist das Vertrauen auf den liebenden Vater, den guten Hirten, das Licht der Welt. Jesus lässt uns alle Freiheit. Selbst die Freiheit nicht an ihn zu glauben. Darum fragt er die Jünger: „Wollt ihr auch gehen?“ Er lässt ihnen alle Freiheit.
Die Jünger aber entscheiden sich dagegen. Die Freiheit ohne Jesus zu leben wollen sie nicht. Sie möchten sich selbst weiterhin an Jesus binden. Aus eigener, freier Entscheidung gebunden zu sein, ist ja auch etwas Gutes. Stellt Euch einmal vor, ein Bergsteiger würde sich nicht mit einem Seil an seine Kameraden binden. Wenn dann einer fällt, stürzt er in den Tod. So ähnlich sieht es auch Petrus: Er antwortet Jesus: „Herr, wohin sollen wir gehen?“ Mit Dir wollen wir weiterhin verbunden sein.
Die Jünger wissen: Freiheit ist wertlos ohne eine Bindung. Stellt euch einmal vor, eure Eltern zeigen Euch heute Nachmittag eine Wohnung. Sie drücken Euch den Schlüssel in die Hand und sagen: „Da wohnst Du von heute an; Du bist ja jetzt erwachsen.“ Damit hättet ihr natürlich eine tolle Freiheit. Und mancher hielte das vielleicht für eine coole Sache. Keiner mehr da, der fragt, ob ihr Hausaufgaben gemacht habt. Keiner mehr da, der abends daran erinnert, dass am nächsten Morgen wieder Schule ist. Aber wäret ihr glücklich mit dieser Freiheit? Jetzt schon die volle Verantwor­tung für das eigene Leben übernehmen zu müssen, das wäre auf Dauer vielleicht dann doch nicht so cool.
Mit Jesus Christus ist es ähnlich. Er lässt uns zwar alle Freiheit. Aber wenn wir uns nicht an ihn binden, dann geht uns viel verloren. Beispielsweise geht uns der Sinn des Lebens verloren. Eine Sinnforscherin hat mal in einem Interview gesagt, dass es viele Menschen gibt, die einfach nur so vor sich hinleben. Arbeiten, Fernsehen, Schlafen, vielleicht noch Urlaub machen. Das war es. Aber es gibt in ihrem Leben nichts, was ihm wirklich einen Sinn gibt. Das sind dann im Übrigen die, die leicht verführbar von Ex­tremisten aller Art sind.
Ihr habt etwas anderes kennen gelernt. Christus hat Worte, die dem Leben für immer einen Sinn geben: Wir sind geliebte Kinder des Vaters im Himmel. Wir sind angenommen mit unserer Schuld und darum frei von ihr. Wir sind nicht gefangen in der Sorge um unser Leben; denn Gott sorgt für uns. Wir sind darum frei für unsere Mitmenschen und können uns um sie sorgen. Wir haben im Glauben schließlich sogar die Freiheit vom Tod. – Das Leben eines Christenmenschen hat einen Sinn, weil Jesu Worte ihm einen geben.
Liebe Konfirmanden, ihr seid nun frei. Ab heute gibt es keine Gottesdienstkärtchen mehr. Und Eure Eltern haben kein Recht mehr, Euch in Glaubensfragen etwas zu sagen. Ab heute seid Ihr in Sachen Religion erwachsen. – Ich wünsche Euch, dass ihr diese Freiheit nutzt, um Euch aus freien Stücken immer wieder neu an Jesus Christus zu binden. Dann werdet ihr wirklich frei sein in Eurem weiteren Leben:
Ihr werdet Freude daran haben, in der Gemeinde im Glauben aufzutanken. Ihr werdet den Gottesdienst als eine Kraftquelle entdecken. Eure Mitmenschen werden Euch nicht egal sein. Ihr werdet keine Angst haben Bindungen einzugehen. Ihr werdet Euch auch nicht von falschen Versprechungen in die Irre führen lassen. Euer Leben wird gut werden.
Zum Zeichen dafür geben wir Euch nun ein Stück von diesem Strick mit auf Euren Weg durch das Leben.
Amen.

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