Predigt am 22. Juli 2018 in Zug zum Maria-Magdalenentag

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Predigt am 22. Juli 2018 in Zug zum Maria-Magdalenentag

22.07.2018

gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Bergschwestern und Bergbrüder, liebe Kameraden  der Feuerwehr, liebe Gemeinde,
es sind diese besonderen Tage, die dem Jahresablauf und dem Leben ihre Kontur geben. Heute nun begehen wir gemeinsam den Tag der Maria Magdalena. Im Kalender der Bergleute hatte er eine hohe Bedeutung. Für die, die sich der bergmännischen Traditionspflege widmen hat er sie noch immer. Um die Person der Maria aus Magdala ranken sich allerlei Geschichten und Legenden bis hin in die heutige Zeit. Der Schriftsteller Dan Brown hat seiner Phantasie bekanntlich auch der Maria Magdalena gegenüber freien Lauf gelassen. Über Jahrhunderte ist sie in dem Ruf gewesen, ihr Geld mit wenig ehrenvollen Dienstleistungen zu verdienen. Dafür gibt es aber keinen Beleg. Der Legende nach ist sie nach dem Tod und der Auferstehung Jesu mit dem Schiff nach Westen gefahren, kam in Südfrankreich an und lebte dort in einer Höhle. Das hat vermutlich dazu geführt, dass sie in unserer Gegend zur Schutzheiligen der Bergleute wurde. Denn wie diese soll sie dort ihr Leben unter Tage verbracht haben. Wer aber war diese Heilige der Bergleute nun wirklich?
Genauere Informationen gibt uns die Bibel. Was wir aus der Schrift wissen ist, dass sie eine Frau war, die ursprünglich großen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt war. Wir würden heute wohl sagen, dass sie unter einer seelischen Erkrankung litt. Die Begegnung mit Jesus Christus hat sie aber von ihren Problemen befreit. Sie wurde gesund. Mehr noch: Ihr Leben wurde heil durch ihn. Sie schloss sich daraufhin seiner Bewegung an. So wurde sie zu einer Jüngerin des Jesus von Nazareth.
Hier sehe ich persönlich eine große Nähe zwischen ihr und den Bergleuten früherer Tage. Nicht dass diese psychisch krank gewesen wären. Aber seelische Nöte haben auch sie zur Genüge gekannt: An jedem Tag bewegte sie die Sorge, ob es nach dem Einfahren in den Berg auch wieder ein glückliches Auffahren geben würde. „Glück Auf“ wünschte man sich ja nicht zufällig. Hinzu kam die seelische Belastung, die es für die meisten Menschen bedeutet, längere Zeit ohne Sonnenlicht leben zu müssen. Auch die Angst um die eigene Existenz mag bei vielen Bergleuten eine große Rolle gespielt haben. Auf dem Grundstück meiner Mutter in der Bergstadt Clausthal stand bis in die 90er Jahre ein Stallgebäude. Dort hielt sich der Bergmann das Vieh, das das schmale Einkommen aus dem Bergbau aufbessern musste, damit die Familie überleben konnte. All das konnten die Bergleute innerlich nur aushalten, weil sie getragen wurden von dem Vertrauen auf Jesus Christus. In Gebeten, Andachten und Berggottesdiensten, wie wir heute einen feiern, begegneten sie ihrem Gott und schöpften Kraft daraus. Wie Maria durch die Begegnung mit Jesus seelisch gesund wurde, so konnten sie die Strapazen auch seelischer Art bewältigen durch ihren tief verwurzelten Glauben an Jesus Christus.
Für Maria begann durch die erwähnte Begegnung mit Jesus ein neues Leben. Sie gehörte – wie gesagt – zu den Frauen unter den Jüngern Jesu. Sie war mit ihm unterwegs. Sie hatte teil an seiner Mission, die Botschaft von der erneuernden Liebe Gottes unter die Menschen zu bringen. Spätere Zeiten haben ihr dann eine besondere geistige und geistliche Nähe zu Jesus nachgesagt. Das mag durchaus so gewesen sein. Denn sie war ihm innerlich eng verbunden, sie war eine starke Frau und sie war ihm in geistlicher Hinsicht sehr nahe.
Davon erzählt uns die Bibel vor allem in den Geschichten, die sich um Jesu Tod und Auferstehung ranken. Als Jesus am Kreuz als ein Aufrührer hingerichtet wurde, da gehörte sie an erster Stelle zu denen, die in Sichtweite zu ihm blieben. Maria Magdalena war da, als Jesus starb. Anders als die Männer unter den Anhängern Jesu konnte sie ihre Angst überwinden. Es war gefährlich, sich als Angehöriger oder Freund eines Aufrührers zu zeigen. Schnell teilte man das Schicksal des Delinquenten. Maria aber überwand ihre Angst und blieb bei Jesus. Sie war in ihrer Zeit mit Jesus zu einer starken Frau geworden. Was von ihm ausging, was er predigte, wie er sich den Menschen gegenüber verhielt, das hatte sie verändert. Sie war voller innerer Stärke, voller Hoffnung. Das gab ihr die Kraft, ihre Angst zu überwinden.
Wie gesagt: vielleicht hat auch das die Verehrung der Magdalena unter den erzgebirgischen Bergleuten befördert. Auch sie lebten ja in ständiger Todesgefahr und stellten sich dieser an jedem Morgen von neuem. Ebenso wie der Maria war ihnen das möglich, weil sie ihr Leben in Gottes Hand wussten.
Maria war ihnen aber auch ein Vorbild. Es ist in meinen Augen auch kein Zufall, dass der Magdalenentag auch zum Tag des Aufstands gegen angeordnete Lohnsenkungen, zum Bergstreittag wurde. Starke Männer nahmen sich eine starke Frau zum Vorbild und stritten für ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben.
Als Jesus dann am Karfreitag seinen Leiden erlag, da war es dann folgerichtig auch sie, die dabei war, als er notdürftig in einem Felsengrab eines Ratsherrn bestattet wurde. Die Männer hatten sich ja verkrochen.
Sie war dann auch bei den Frauen, die die ersten Zeuginnen der Auferstehung geworden sind. Die biblischen Berichte sind da unterschiedlich. Aber eines haben sie gemeinsam: Es war Maria, die als Erste dem lebendigen Jesus begegnete. Sie erlebte die Erscheinung des auferstandenen Jesus. Sie war erschüttert, sie konnte es erst nicht glauben, aber dann begriff sie: Gott hatte Jesus ein neues Leben geschenkt. Gott hatte Jesus in seine unvergängliche Welt hineingerufen.
Maria Magdalena war eine Frau, die durch ihren Glauben eine unglaubliche innere Stärke gewonnen hatte. Und diese Stärke ließ sie das eigentlich Unsichtbare sehen. Der Glaube ist ja für viele in Europa heute – anders übrigens als auf allen anderen Kontinenten – etwas, das mit einem modernen Weltbild nicht mehr zu vereinbaren ist. Eine Religion zu haben, das ist etwas für alte Frauen und andere schwache Menschen. Maria aber zeigt uns, dass es einer inneren Stärke bedarf, um sozusagen hinter die Kulissen schauen zu können. Weil sie sich auf das Wagnis einlassen konnte und einließ, bei Jesus zu sein und zu bleiben, konnte sie am Ostermorgen den Auferstandenen sehen. Weil sie sich ihrer Trauer um den Gekreuzigten stellt, wurde ihr eine Welt offenbart, in der Jesus lebendig war und ist. Ja, in Zeiten persönlicher Schwäche war Jesus in ihr Leben getreten und hatte es heil werden lassen. Ohne diese Begegnung hätte sie auch dem Auferstandenen nicht begegnen können. Aber gerade weil sie im Glauben stark geworden war, war es ihr vergönnt, als Erste einen Blick in Gottes neue Welt werfen zu können und den ganz neu zum Leben erweckten Jesus zu sehen.
An diesem Wochenende wird hier in Zug fröhlich gefeiert und das in der Kombination zweier Vereine, die auf ihre Weise jeweils wichtig sind für Freiberg und Zug, für das Gemeinwesen. Ein solches Fest stärkt die Gemeinschaft und trägt zur Lebensqualität unserer Stadt bei. Das ist etwas Wertvolles und Wichtiges. Aber dieses Vorfindliche und Sichtbare – so schön es auch ist – ist nicht alles. Es gibt eine andere Dimension des Lebens, die weiter reicht, als unsere Augen sehen können. Maria hat im Glauben die Stärke gefunden, weiter zu sehen. Sie war gerade aus ihrer inneren Stärke heraus offen für das, was das Sichtbare übersteigt. Darin ist sie uns auch heute noch ein Vorbild. Maria Magdalena ist eine Figur, die uns auch heute Orientierung gibt. Dadurch ist sie auch für einen Evangelischen eine Heilige.
Amen.

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