Predigt am 2. Sonntag nach Trinitatis, 10. Juni 2018

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Predigt am 2. Sonntag nach Trinitatis, 10. Juni 2018

10.06.2018

zu 1. Korinther 14, 1 - 3. 20 - 25; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer in der Kirche Kleinwaltersdorf

Liebe Gemeinde,
in der vergangenen Woche bekam ich eine E-Mail von einer Mitarbeiterin des Stadt- und Bergbaumuseums in Freiberg. Sie schrieb, sie hätten da einen Totenschild in ihrem Fundus. Auf diesem Totenschild sei ein Berg abgebildet, zwei Tafeln mit den Zahlen 1-10 und ein Zitat aus dem Galaterbrief des Apostels Paulus. In dem Wort des Apostels geht es darum, dass Christus für uns zum Fluch geworden ist, damit das Gesetz kein Fluch mehr für uns sein kann. Ich habe in meiner Antwort versucht, ihr mit für eine Nichttheologin möglichst verständlichen Worten zu erklären, was damit gemeint ist. Kurz gefasst geht es darum, dass Christus uns am Kreuz unsere Sünde vergeben hat und wir darum im Tod nicht verloren gehen; darum steht diese Aufschrift auf einem Totenschild. Sie bedankte sich dann sehr freundlich für meine schnelle und kompetente Antwort. Sie schrieb, sie habe meine Antwort beim zweiten Lesen verstanden; sie könne sich nun ein Bild machen, warum der Totenschild so aussehe, wie er aussieht. Mich hat es einerseits gefreut, dass ich helfen konnte. Andererseits ist mir dadurch klar geworden, dass wir uns als Theologen und auch als Christen schon sehr in einer eigenen Gedankenwelt bewegen und eine eigene Sprache sprechen. Obwohl ich mir durchaus Mühe gegeben hatte, mich möglichst verständlich auszudrücken, war es eben dann doch nicht verständlich genug. Jedenfalls nicht für das erste Lesen einer Frau, die zwar intelligent und gebildet ist, aber mit Kirche und Glauben keine Erfahrungen hat.
Um die Verständlichkeit geht es auch dem Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. Die Korinther waren ja so etwas wie die Vorläufer unserer Freiberger Jakobigemeinde. Sie schätzten die Gaben des Heiligen Geistes sehr – oder was sie dafür hielten. Insbesondere die Zungenrede bzw. das Sprachengebet war für sie der Ausdruck eines reichen Lebens im Glauben. Ich selbst habe die Zungenrede noch nicht unmittelbar erlebt. Vielleicht hat jemand von Ihnen da mehr Erfahrungen als ich? Aber es kommt wohl bei bestimmten Menschen in bestimmten Situationen im Gottesdienst oder christlichen Versammlungen vor, dass sie in eine Art Ekstase geraten. Sie können dann Laute hervorbringen, die für den Außenstehenden völlig unverständlich sind. Sie selbst fühlen sich in diesen ekstatischen Zuständen ganz eng mit Gott verbunden. Und es gibt Einzelne, die diese Laute verstehen und sozusagen übersetzen können – oder es jedenfalls glauben zu verstehen. Eine meiner früheren Konfirmandinnen gehörte zu denen. Sie sagte zu mir: Im Dom wird immer nur von Gott geredet. Dort – sie meinte die charismatische Jüngerschaftsschule Annaberg – ist er da. So dachten die Korinther auch. Wer nicht in Zungen reden konnte, dem fehlte etwas. Der war kein wirklicher Christ.
Dem hält der Apostel Paulus entgegen, dass die Zungenrede etwas selbstbezogenes ist. Sie stärkt nur den Betenden selbst in seinem Glauben. Die anderen, die Gemeinde werden aber von etwas anderem erbaut, nämlich von der prophetischen Rede. Die hält Paulus für die zu bevorzugende Alternative zum Sprachengebet. Mit prophetischer Rede meint er eine vom Geist Gottes inspirierte Predigt. So wie sie die Propheten des Alten Testaments gehalten haben. Die haben ihre Zuhörer in Gottes Namen zur Umkehr gerufen, gemahnt, aber auch getröstet und in ihrem Vertrauen auf Gott ermutigt. Die prophetische Rede ist der Zungenrede vorzuziehen, schreibt der Apostel. Denn sie baut die Gemeinde auf. Vor allem aber ist sie auch für Außenstehende verständlich.
Nun mag man fragen, ob denn die Predigten von heute mit einer solchen prophetischen Rede zu vergleichen sind. In gewisser Weise sind sie es aber schon. Neulich hatten wir im Männerstammtisch eine Diskussion darüber, ob denn der Pfarrer mit seiner Person und seinem Leben für alles einstehen kann, was er predigt. Ich habe dazu gesagt, dass dann eigentlich niemand auf die Kanzel steigen könne. Denn wir sind ja nicht mehr als der erste Hörer des Wortes. Was ich predige, das ist mir ja durch den Text der Bibel und das Nachdenken darüber selbst gesagt worden. Und ich hoffe doch, dass Gottes Geist dabei eine wichtige Rolle spielt. Ich bete jedenfalls vor jeder Predigt, dass Gott aus meinen Worten sein Wort entstehen lässt. Dass er durch meine Worte hindurch sein Wort zu Gehör bringt und sich verständlich macht. Insofern sind die Predigten von heute sicherlich nicht identisch mit der prophetischen Rede von damals. Aber sie gehen in dieselbe Richtung.
Wenn jemand zu Euch käme und hörte eine Zungenrede, der müsste ja denken, ihr seid von Sinnen, schreibt der Apostel; die prophetische Rede aber trifft einen Außenstehenden in seinem Herzen. Darum hat die Verkündigung des Wortes Gottes einen missionarischen Charakter. Menschen finden durch sie zu Gott. Die schon zu ihm gefunden haben, werden durch sie gestärkt, ermutigt und notfalls auch ermahnt.
Liebe Gemeinde, die Unverständlichkeit der Zungenrede, ist hier in der Kirchgemeinde Kleinwaltersdorf für uns kein Thema. Aber die Verständlichkeit unseres Glaubens ist – wie mein eingangs aufgeführtes Beispiel zeigt – für uns alle ein Thema. Viele Menschen wissen ja kaum etwas über unseren Glauben. Und wen sollen sie fragen, wenn nicht uns? Und das betrifft ja nicht nur einen Theologen wie mich. Die Museumsmitarbeiterin, die mich auch persönlich kennt, wendet sich mit ihren Fragen an den Pfarrer. Aber Sie als Gemeindeglieder haben ja mit viel mehr Menschen zu tun, die genauso ihre Fragen haben und sie sicherlich auch mal stellen. Wie aber machen wir den Menschen um uns herum deutlich, was uns in unserem Glauben bewegt? Wie können wir dem Nachbarn am Gartenzaun erklären, warum wir am Sonntag in den Gottesdienst gehen, was der Glaube für unser Leben bedeutet? Wie können wir der Arbeitskollegin erklären, die neulich anlässlich einer Taufe in der Verwandtschaft erstmals einen Gottesdienst besucht hat, was in einem Gottesdienst abläuft? Wie werden wir alle miteinander sprachfähig in unserem Glauben?
Da gibt es unterschiedliche Wege. Sicherlich ist es auch unter diesem Aspekt wichtig, regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen. Jede Predigt ist ja der mehr oder weniger gelungene Versuch, einen Bibeltext verständlich zu machen. Auch in den Gemeindekreisen sprechen wir ja miteinander über unseren Glauben. Ob das nun der Frauendienst oder der Hauskreis hier in Kleinwaltersdorf ist oder die Gemeindegruppen, die sich in der Domgemeinde treffen. Da gibt es zum Teil ja sehr wichtige und intensive Gespräche. Dabei lernen wir, den Glauben zu durchdenken, in Worte zu fassen, was uns bewegt, sprachfähig zu werden über unseren Glauben. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei aber auch die Glaubenskurse, die wir in jedem Jahr anbieten. Viele Gemeindeglieder denken, die seien nur für solche, die sich als Erwachsene taufen lassen wollen. Das ist aber nicht so. Von einem Glaubenskurs profitieren auch diejenigen, die schon Christen sind. Denn der Konfirmandenunterricht ist doch bei den meisten schon einige oder sogar viele Jahre her. Da kann es nicht schaden, das wieder einmal aufzufrischen. Viele staunen dann, was sie alles vorher gar nicht oder nicht mehr gewusst haben.
Wichtig ist es, dass wir lernen, uns verständlich zu machen. In Worten, die die Welt verstehen kann. In Worten, für die wir natürlich beten, dass Gottes Geist durch sie hindurch sprechen und die Herzen der Menschen erreichen will. Wenn wir darin Übung haben, wird es plötzlich ganz einfach. Denn eigentlich ist der Glaube etwas Einfaches. Ich will ihnen zum Schluss ein Beispiel geben:
Warum singen wir am Anfang des Gottesdienstes ein „kyrie eleision“? Weil das die Worte sind, die der blinde Bettler in Jericho nach dem Originaltext des Neuen Testaments Jesus zugerufen hat: Herr, erbarme Dich. Dieser Bartimäus war ein armer, elender Mensch. Er musste vom Betteln leben, weil er nicht sehen konnte. Darum schrie er zu Jesus. Er hat sich seiner erbarmt. Jesus hat ihm die Augen geöffnet. Der Blinde konnte wieder sehen. Jesus hat ihm aber auch in übertragenem Sinn die Augen geöffnet. Denn Bartimäus hat erkannt, wer Jesus war und ist. Darum hat er sein altes Leben hinter sich gelassen und ist Jesus gefolgt. Kyrie eleison zu rufen, ist der Beginn der Zuwendung Gottes zu mir und zugleich der Beginn von etwas Neuem. Darum beginnen wir die neue Woche im Gottesdienst mit genau diesem Ruf.
Hinter dem scheinbar Komplizierten das Einfache zu entdecken und das verständlich weiterzugeben. Nichts anderes meint es, wenn wir von einer Sprachfähigkeit im Glauben reden. So will Gottes Wort die Menschen erreichen. So schenkt es uns der Geist Gottes, uns verständlich zu machen.
Amen.

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