Predigt am 2. Christtag, 26. Dezember 2018

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Predigt am 2. Christtag, 26. Dezember 2018

26.12.2018

zu Römer 1, 1 - 7; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
wer schon einmal an einen anderen Ort gezogen ist, weiß, wie schwer es manchmal ist, dort anzukommen im umfassenden Sinn des Wortes. Vor allem ist es nicht immer leicht, sich zu integrieren, wenn man beispielsweise aus dem Süden kommt und in den Norden zieht oder aus der Stadt aufs Land geht. Menschen, die sich dann am anderen Ort nicht wohl fühlen, gibt es genügend. Weil sie immer das Gefühl behalten nicht dazu zu gehören. Nun gibt es Gegenden, da ist es leichter als anderswo akzeptiert zu werden. Wer in Freiberg bei der Bergparade mitmarschiert, der hat sofort neue Freunde. Und wer in Kleinwaltersdorf Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr wird, sollte auch keine Probleme haben akzeptiert zu werden. Man muss es nur tun – und man muss sich auf die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten vor Ort einlassen. Es kam einmal eine Frau aus Dortmund nach Kleinwaltersdorf – aus dem Westen in den Osten, aus der Stadt auf Land, aus Westfalen nach Sachsen und hat sich dennoch ganz wunderbar integriert. Sie hat bei ganz vielen Aktivitäten im Dorf mitgemacht, war in ihrer Art geschätzt, hat lediglich auch nach vielen Jahren ihre frühere Heimat sprachlich nicht verleugnen können. Die Leute sagten. Sie war „eine von uns“.
Wie ist das nun mit dem Kind in der Krippe? Ist das „eines von uns“? Ist es ein Kind wie jedes andere? Ist Gott in diesem Kind wirklich einer von uns geworden?
Wenn man sich die Evangelien anschaut, dann mag man an diesem Punkt Zweifel bekommen. Gestern haben wir das Vorwort des Johannesevangeliums gehört. Da ist dieses Kind das menschgewordene ewige Wort Gottes. Matthäus erzählt uns von einem großen Stern, der die Geburt des Kindes ankündigt und sogar drei Sterndeuter dazu bringt sich auf den Weg zu machen. Bei Lukas ist von himmlischen Engelserscheinungen die Rede, die die Geburt des Christuskindes begleiten. Zudem ist seine Mutter eine Jungfrau – auch etwas, was uns von ihm grundlegend unterscheidet. – All diese Erzählungen haben ihr Recht und lassen uns Wichtiges über Jesus Christus wissen. Aber ein wirkliches Menschenkind ist dieser Jesus in der Krippe dann eigentlich nicht.
Ganz anders der Apostel Paulus. Von ihm haben wir übrigens den ältesten Bezug auf Weihnachten überhaupt. Paulus will den Römern eigentlich gar nichts von Weihnachten erzählen. Ihm geht es darum, seine Beauftragung durch Gott zu unterstreichen. Im Zusammenhang mit seiner Vorstellung als Apostel will er am Anfang seines Briefes schon mal einen kurzen Abriss seines Evangeliums von Jesus Christus geben.
Paulus schreibt, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, „der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch“. Ich finde das faszinierend. Spätere Generationen mussten die Gottessohnschaft Jesu für ihre Hörer und Leser deutlicher herausarbeiten. Da kamen dann Engel und Weise und die Geburt aus einer Jungfrau ins Spiel. Für Paulus ist Jesus schlicht und ergreifend ein Mensch. Das Kind, das geboren wurde, ist ein Kind wie alle anderen Kinder auch. Ein Kind, wie auch wir es waren. Nur dass es von seiner Herkunft her kein Deutscher war, sondern ein Jude. Und es stammt aus einem königlichen Geschlecht. Durch seinen Vater Josef ist es ein Nachkomme des Königs David. Das einzige, was ihn ein wenig hervorhebt. Davon gehabt hat Jesus aber auch nichts. Er war ein ganz einfacher Sohn eines Zimmermanns. Allerdings erfüllten sich damit die Verheißungen der Propheten. Denn sie haben den Messias als einen Nachkommen Davids angekündigt.
Manche unter uns wird das vielleicht irritieren. Aber für Paulus ist – nach dem Fleisch, wie er schreibt – Jesus zunächst einmal ein Menschenkind geworden, wie wir alle auch einmal ein neugeborenes Menschenkind waren. Jesus war ohne Einschränkungen einer von uns. Gott ist in seinem Sohn ganz und gar ein Mensch geworden. Das Kind in der Krippe hat sich ganz und gar auf unsere menschliche Existenz eingelassen. Es ist einer von uns geworden.
Wie gut, dass es so war! Wie sollte das Kind in der Krippe unser Erlöser sein, wenn es nicht einer von uns geworden wäre? Wenn Gott nicht ganz und gar an unserem menschlichen Leben teilgenommen hätte? Niemals hätte er uns Menschen die Liebe Gottes in Wort und Tat nahebringen können. Ein irgendwie geartetes himmlisches Wesen hätte den Menschen sicherlich nicht so begegnen können, wie Jesus es getan hat. Nur ein wirklicher Mensch konnte auch unser Leiden und Sterben, unsere Schuld tragen und ertragen. Nur an der Auferstehung eines wirklichen Menschen können auch wir teilnehmen. Wäre Jesus als ein himmlisches Kind in diese Welt gekommen, wir wären weiterhin verloren. Es gäbe keine Hoffnung für uns. Aber er ist ein Menschenkind geworden – ganz und gar. Unsere Schuld ist zu seiner Schuld geworden. Unser Leiden zu seinem Leiden. Unser Tod zu seinem Tod. Sein Leben darum auch zu unserem Leben.
Darum ist diese nüchterne Darstellung des Weihnachtsgeschehens so wertvoll. Sie erinnert uns daran, dass Jesus zunächst einmal ganz und gar als ein jüdisches Menschenkind geboren wurde.
Nun haben die Darstellungen der drei Evangelisten natürlich auch ihr Recht. Wer wollte auf die Engel vor den Toren Bethlehems und andere himmlische Erscheinungen wie den Stern von Bethlehem verzichten oder auf die johannäische Sicht auf Christus als das ewige Wort des Vaters? Das müssen wir bei Paulus auch nicht. Denn er beschreibt Jesus Christus ja von zwei Seiten. Die eine Seite ist, dass Christus ganz und gar Mensch war. Die andere Seite ist, dass Jesus „eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten.“
Das haben die Menschen ja gespürt, die Jesus begegneten. Er war ein Mensch. Aber einer, von dem die Kraft Gottes ausging. Wer ihm begegnete, spürte etwas von dem Geist Gottes, der in ihm wohnte. Jesus konnte Menschen anrühren und innerlich berühren wie niemand sonst. Er war so etwas wie die Verkörperung der Liebe Gottes, die er predigte. Darum haben schon die frühsten Christen Jesus mit Gott identifiziert und ihn als HERR angerufen – eigentlich eine allein Gott vorbehaltene Anrufung. Nur weil Gott in diesem Menschen wohnte, konnte Jesus und Menschen mit der Liebe des Vaters in Verbindung bringen. Nur weil Gott mit Jesus eins war, konnte Christus Kranke an Leib und Seele zeichenhaft heil werden lassen. Nur weil Gott sich mit ihm eins gemacht hat, konnte der Gekreuzigte für uns den Tod besiegen.
Darum schreibt der Apostel auch von der Einsetzung in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. Natürlich war Jesus Christus von Anfang an Gottes Sohn. Aber seinen himmlischen Thron hat er eben nach den Worten des Apostels erst mit seiner Auferstehung bestiegen. Nicht der Stern, nicht die Engel, nicht die Geburt aus einer Jungfrau – die Auferstehung macht erst wirklich und unmissverständlich deutlich, wer das Kind in der Krippe wirklich war. Was die Jünger am Ostermorgen erlebten, hat es offenbar gemacht. Ganz und gar Menschenkind war Jesus, aber zugleich eben auch ganz und gar der Sohn des Ewigen. Unsere Vorväter im Glauben haben übrigens großen Wert darauf gelegt, dass das beides gleichzeitig gilt und nicht durcheinandergeraten oder sich vermischen darf.
Darin liegt das Geheimnis der Weihnacht. Dass mit Jesus der Gottessohn in die Welt gekommen und ganz und gar und ohne Einschränkungen Mensch geworden ist. Darin liegt das Geheimnis der Weihnacht. Darin liegt aber auch das Geheimnis unserer Erlösung.
Wie es in dem Weihnachtslied „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ heißt:
Er wechselt mit uns wunderlich:
Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in seines Vaters Reich (…)
die klare Gottheit dran.
Er wird ein Knecht und ich ein Herr,
das mag ein Wechsel sein.
Wie könnt es doch sein freundlicher, (…)
das herze Jesulein!
Amen.

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