Predigt am 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 8. April 2018

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Predigt am 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 8. April 2018

08.04.2018

zu Kolosser 2, 12 - 15; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
er kniete nieder mitten in dem Garten mit seinen alten Olivenbäumen am Rande der Stadt. „Vater im Himmel, sie trachten mir nach dem Leben. Sie können die Liebe nicht ertragen, die du uns schenkst. Die Mächtigen haben Angst, dass deine Liebe diese Welt regieren könnte. Nichts anderes wollte ich ihnen zeigen mit meinem Einzug am Anfang der Woche. Aber nun sagen sie, ich sei ein Aufständischer gegen das Imperium. Unsere eigenen Leute haben Angst vor der Barmherzigkeit. Sie sagen, ich stifte die Leute zum Abfall von dir an, wenn ich deine Gebote anders auslege als sie. Sie sagen, ich entheilige den Tempel, wenn ich es ablehne, dass Blut fließt an der Stätte der Anbetung. Warum lassen sie sich vom Hass anleiten? Warum leben sie deine Liebe nicht? Warum wollen sie nichts hören von einer Welt des Friedens? Sie werden von den Mächten der Sünde und des Todes beherrscht. Nun zieht sich die Schlinge um meinen Hals immer enger zusammen. Judas hat mich an sie verraten; ich ahne es. Wenn ich bleibe, werde ich sterben. Herr, ist das dein Wille? Dass ich mich dem Bösen ausliefere? Ist mein Weg der an das Kreuz? Soll der Tod mein Los sein?“
Liebe Gemeinde, die Mächte des Bösen, der Sünde, des Todes sind stark. Wie auch immer wir sie verstehen, als Mächte, die außerhalb von uns selbst wirksam sind oder als Mächte, die eigentlich aus dem Innern des Menschen kommen. Jesus jedenfalls haben diese Mächte ans Kreuz gebracht. Sie konnten es nicht ertragen, dass er die Liebe Gottes lebte.
Wir spüren diese Mächte zu allen Zeiten. An diesem Wochenende sind wir wieder einmal betroffen von einem mörderischen Anschlag. Viele Menschen sind in Münster von einem Augenblick zum anderen verletzt, getötet, in Verzweiflung und Trauer gestürzt worden. Es heißt, ein psychisch kranker Mann sei der Attentäter gewesen. Zur Zeit Jesu hat man gerade solche Krankheiten auf böse Mächte zurückgeführt, die einen Menschen beherrschen und ihn so grundlegend verändern. Aber es gibt auch die Tragödien des Alltags, die keine Schlagzeilen machen und nicht weniger Menschen betreffen. Im vergangenen Monat lief im ZDF der Film „24 Wochen“. In der Mediathek kann man ihn noch ansehen. Er beschreibt den typischen Fall einer Familie, die mit der Schwangerschaft eines behinderten Kindes konfrontiert ist. Das Ungeborene hat das, was wir das Down-Syndrom oder Trisomie 21 nennen. Die Situation belastet vor allem die Mutter sehr. Als bei weiteren Untersuchungen ein schwerer Herzfehler bei dem Kind festgestellt wird, entscheidet sie sich schließlich gegen ihr Kind. Der Film zeigt dann, wie es im Mutterleib in der 24. Woche mit einer Spritze getötet wird. – Ich habe einen derartigen Gewissenskonflikt noch nicht bestehen müssen. Ich will darum niemanden verurteilen. Aber es bleibt objektiv der Tatbestand, dass bei uns ungeborene, aber lebensfähige Menschen aufgrund einer Krankheit oder Behinderung legal ums Leben gebracht werden können. Sind da nicht auch Mächte der Sünde und des Todes am Werk? Sie sind es aber sicherlich nicht nur bei einem solchen Thema. Auch auf der Ebene der Gesellschaft und der Politik begegnen sie uns. Ich denke da nicht zuletzt an die Milliarden, die in unserem Land mit Waffen und Rüstungsgütern verdient werden. Das kurdische Volk beispielsweise wird zurzeit mit deutschen Panzern im Norden Syriens mit Krieg überzogen und wir profitieren letztlich davon.
„Ihr wart tot in den Sünden“, schreibt der Apostel.
Gott sei Dank, hat Jesus im Garten Gethsemane nicht den Entschluss gefasst zu fliehen. Sonst hätten wir diesen Mächten des Todes nichts entgegen zu setzen. Gott sei Dank hat Jesus der Versuchung wiederstanden, sein Leben zu retten, sich selbst an die höchste Stelle zu setzen. Er ist seinen Weg ans Kreuz gegangen. Als dieser Predigttext in der vergangenen Woche zur Diskussion stand, sagte einer aus der Runde, in seinem Heimatdorf habe es eine Kneipe gegeben. Wenn dort ein Zettel bezahlt war, dann wurde er auf einen Dorn aufgespießt, der auf dem Tresen stand. Damit war dann alles beglichen. Ein ähnliches Bild gebraucht der Apostel. Es gibt da eine offene Rechnung, die wir nicht bezahlt haben. Wir sind es Gott schuldig geblieben, die Liebe zu leben, die er uns schenkt. Wir haben uns den Todesmächten ausgeliefert. Aber Jesus hat es anders gemacht. Er ist seinen Weg ans Kreuz gegangen. Er hat Gottes Liebe bis zum letzten Atemzug gelebt. Er hat damit, so der Apostel, diese offene Rechnung an das Kreuz geheftet. Damit ist sie beglichen. Für uns alle!
Für uns alle? Ja, für uns alle. Denn wir sind durch unsere Taufe einbezogen in das, was von Karfreitag bis zum Ostermorgen geschehen ist. In früheren Zeiten wurden an diesem Sonntag nach Ostern die Taufbewerber nach ihrer Bewerbungs- und Bewährungszeit im Glauben getauft. Sie bekamen weiße Kleider angezogen. In diesen weißen Kleidern als Zeichen der Reinheit und Sündlosigkeit wurden sie ganz in einem Fluss untergetaucht. Sie starben – symbolisch in dieser Welt, aber real bei Gott – den Tod Jesu mit. Aus dem Wasser der Taufe kamen sie heraus wie neugeborene Kinder. Darum heißt dieser Sonntag auch genauso auf Latein: „Quasimodogeniti“. Mit ihrer Taufe begann ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Christus. Ein Leben in der Freiheit von den Mächten der Sünde und des Todes. Der Apostel schreibt darum: „ Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“
Durch die Taufe sind wir alle einbezogen in den Sieg Christi über die Mächte der Sünde und des Todes. Der Apostel verwendet seiner Gemeinde gegenüber ein wirklich starkes Bild: Er schreibt von einem Triumphzug Christi. Gott hat zu Ostern die Mächte der Sünde und des Todes wie einen Verlierer in einem antiken Krieg nackt ausgezogen und zum Spott der Leute durch die Straßen geführt. Die Mächte von Sünde und Tod versuchten Jesus am Karfreitag auszulöschen, aber Gott hat den Spieß umgedreht und ihnen zu Ostern die Macht genommen. Mit Christus hat das Leben gesiegt – und wir haben teil daran durch unsere Taufe. Wir sind frei von den Mächten, die gegen das Leben stehen. Wir sind frei zu einem Leben, das von Gottes Liebe und seiner Liebe zu dem Leben geprägt ist.
Liebe Gemeinde, die Sünden- und Todverfallenheit dieser Welt zeigt sich an so vielen Punkten. Ich habe anfangs zwei Beispiele aus dieser Welt genannt. Aber es gibt unter uns Christen Gott sei Dank auch Gegenbeispiele. Sie zeigen die Freiheit, die uns Christus durch das Geschehen von Kreuz und Auferstehung ermöglicht hat. Sie zeigen die Freiheit, die uns Christus übereignet hat mit dem Wasser der Taufe.
Da war jemand an nicht unwichtigen Stellen ein Teil unseres Wirtschaftssystems und das an Stellen, wo so etwas wie Korruption eine Rolle gespielt hat. Es gab dann den Punkt, wo die Person, an die ich denke, das nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte. Sie hat eine Karriere aufgegeben und ein sicheres und nicht geringes Einkommen. Sie hat es getan, um einen anderen Weg zu gehen. Letztlich ist es der Weg der neugeborenen Kinder gewesen, also der getauften Menschen, die mit und durch Christus schon in dieser Welt ein neues Leben führen.
Ich denke auch eine Familie, die ein Kind mit Trisomie 21 hat. Dieses inzwischen erwachsene Kind hat das Leben seiner Familie sicherlich anders geprägt als ein Kind mit einer – in Anführungszeichen – „normalen“ Genstruktur es getan hätte. Sicherlich war damit auch manche Belastung für die Familie verbunden. Aber wenn man dieses Kind so erlebt, dann kann man nur froh und dankbar sein, dass seine Eltern auch dieses Kind als ein Geschenk Gottes angenommen haben.
Heute Morgen denke ich auch an die vielen Freiwilligen, die in Münster Schlange gestanden haben, um Blut zu spenden. Sie wollten helfen und haben es an einer Stelle getan, wo ihre Hilfe wirklich benötigt wurde.
Die Mächte der Sünde und des Todes sind stark. Noch immer. Aber diese und viele andere Beispiele zeigen: Durch unsere Taufe mit Christus verbunden brauchen wir ihnen keine Macht über unser Leben zu geben. Wir sind frei. Wir können die Liebe Gottes leben, durch die Christus uns berührt hat. Wir sind mit ihm hineingeboren in ein neues Leben. Wir sind wie die neugeborenen Kinder.
Amen.

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