Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias, 12. Januar 2020

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Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias, 12. Januar 2020

12.01.2020

zu Matthäus 3, 13 - 17; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,

da macht sich ein Mann auf den Weg. Reisende sind nach Nazareth gekommen und haben von einem Johannes erzählt. Er sei ein Prophet Gottes, so berichteten sie. Er halte sich am Jordan auf und rufe die Menschen zur Buße, zur Änderung ihres Lebens. Dem Sohn des Josef geht diese Erzählung nicht aus dem Kopf. Sie ist für ihn wie eine Botschaft, die direkt von Gott zu kommen scheint: „Geh dorthin, fange ein neues Leben an.“ So lässt er alles hinter sich. Er verabschiedet sich von seiner Mutter und seinen Geschwistern. Der Abschied ist nicht leicht: „Was will er in der Fremde? Hat er nicht hier seine Aufgaben? Will er nicht lieber endlich eine Familie gründen, wenn er etwas Neues beginnen möchte?“ Aber er geht. Er kann gar nicht anders. Er wandert hinüber zum See Genezareth und dann das Jordantal hinunter bis zu der Stelle, wo Johannes sein Lager aufgeschlagen hat. Die Stelle ist nicht schwer zu finden. Er ist nicht der Einzige, der sich von Johannes taufen lassen will.
Zwei Menschen sitzen am abendlichen Essentisch. „Wann wollen wir denn unser Kind nun taufen lassen“, fragt die Mutter. „Wollen wir das Kind nicht selbst entscheiden lassen, ob es getauft werden möchte?“ entgegnet der Vater. „Es kann diese Entscheidung ja treffen, wenn es im Konfirmandenalter ist. Dann wird es ja gefragt, ob es in diesem Glauben bleiben und darin wachsen will. Aber ich möchte so gern, dass unser Kind durch die Taufe mit Christus verbunden wird. Es soll nicht nur unser Kind, sondern auch ein Kind Gottes sein. Wir wollen doch alles tun, was gut ist für unser Kind. Das ist etwas Gutes. Auch jetzt schon und nicht erst in vierzehn Jahren!“ „Wenn es Dir so wichtig ist, dann bin ich einverstanden. Wir geben ihm ja auch einiges andere mit, ohne dass er sich das aussuchen kann“, stimmt der Vater schließlich zu.
Der Zimmermann ist am Jordan angekommen. Er hört den Ruf des Johannes zur Umkehr: „Wendet euch ab von euren falschen Wegen. Kehrt um zu Gott. Lasst euch taufen als Zeichen der Buße und Reinigung von euren Sünden!“ Jesus tritt zu ihm. Der Täufer sieht ihm ins Gesicht und erkennt ihn. „Jesus von Nazareth, Sohn des Josef!“ Jesus steigt vom Ufer hinab und kommt zu Johannes, der bis zur Hüfte im Wasser steht. Aber Johannes wehrt ab. „Eigentlich müsste ich von dir getauft werden und du willst dich von mir taufen lassen?“ Johannes ist doch nur der Wegbereiter, der Vorläufer des Messias, des Christus. Wie kann er dann Jesus taufen? – Aber wie kann er Jesus nicht taufen? Ist Jesus nicht das Kind, das in ärmlichen Verhältnissen geboren worden ist – ähnlich wie so viele Kinder in der Welt? Ist er nicht ganz und gar ein Mensch – wie all die anderen auch, die der Täufer zu Buße ruft? Ist es nicht sein Weg, die Tiefen menschlicher Existenz auszuloten, ganz und gar einer zu werden wie wir, Bruder uns Menschen zu sein, um uns den Weg zu Gott zu eröffnen? „Lass es zu“, sagt Jesus. „Nur so können wir dem Willen Gottes gerecht werden.“ Die verschränkten Arme des Täufers öffnen sich.
„Schön, dass Sie ihr Kind taufen lassen wollen“, sagt die Pfarrerin. „Das ist eine gute Entscheidung für ihr Kind.“ „Ja“, sagt die Mutter. „So soll es doch auch sein. Jesus hat doch auch die Kinder getauft.“ „Das stimmt nicht ganz. Was Sie meinen ist die Geschichte von der Segnung der Kinder. Da hat Jesus gesagt, dass Kindern das Himmelreich offen steht. Darum taufen wir auch Kinder. Aber Jesus selbst hat niemanden getauft. Er ist vielmehr selbst getauft worden. Das ist aber gar kein Nachteil. Ganz im Gegenteil. Wir werden auf diese Weise wie Jesus getauft. Wir stehen bei unserer Taufe sozusagen mit Jesus im Wasser der Taufe. Dadurch wird dann Ihr Kind in der Taufe auf das engste mit Jesus verbunden. Und darum hat der auferstandene Christus nach Ostern seinen Nachfolgern auch den Auftrag gegeben, in die Welt hinauszugehen, alle Menschen für den Glauben zu gewinnen und zu taufen. Wenn ein Mensch getauft wird, erfüllen wir also den Willen Jesu Christi.“ – „Wie schön! Ich wusste doch, dass das die richtige Entscheidung ist.“
Der Täufer lässt Jesus im Jordan niederknien und taucht ihn dann unter Wasser. „Ich taufe Dich im Namen des HERRN!“ Langsam kommt Jesu Kopf wieder aus dem Wasser heraus. Er steht wieder auf, wischt sich die nassen Haare aus dem Gesicht, klettert die Uferböschung hinauf und will nach seiner Kleidung greifen. Da verklärt sich sein Blick. Es ist ihm, als könne er in eine andere Welt schauen. Es ist, als stünde der Himmel ihm offen und das Himmelreich werde für ihn sichtbar. Was bisher eine Ahnung für ihn war, wird nun zur Gewissheit: Gottes Geist hat ihn ergriffen; Der Herr der himmlischen Heerscharen will ihn auf einen Weg führen, Israel zu erlösen; Er ist mit ihm selbst eins geworden. Johannes wird Zeuge dieses Geschehens. Als Jesus aus seiner Starre wieder erwacht und sich angezogen hat, fragt er ihn: „Was hast Du gesehen?“ „Gottes Geist hat mich durchdrungen. Er kam auf mich herab vom Himmel wie eine Taube. Ich weiß jetzt: Gott hat mit mir – und gerade mit mir – etwas vor. Das Himmelreich soll durch mich anbrechen.“
Die Patin hat das Kind auf dem Arm und hält es über den Taufstein. „Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sagt die Pfarrerin und schöpft dazu Wasser aus dem Taufbecken über den Kopf des Kindes. Dann segnet sie es: „Unser Herr Jesus Christus verbinde sich mit Dir durch das Wasser der Taufe. Er behüte Dich auf allen Deinen Wegen. Er lasse seinen Segen durch dich wirken. Er öffne Dir das Himmelreich, spürbar schon jetzt in diesem Leben und über dieses Leben hinaus. Friede sei mit Dir.“ – „Das war ein schöner Gottesdienst!“ findet die Mutter auf dem Nachhauseweg. „Nun wissen wir, dass auch unserem Kind das Himmelreich Gottes offen steht.“
Liebe Gemeinde, die Geburt Jesu haben wir ganz groß mit Gottesdiensten, Geschenken, Festessen und all den schönen Liedern und Musiken begangen. Die Taufe Jesu verdiente es, nicht weniger prachtvoll gefeiert zu werden. Denn hier sind wir unmittelbar einbezogen in das, was gefeiert wird. Die Geschichte von Weihnachten kommt hier erst wirklich zu uns. Gott ist in dem Kind in der Krippe Mensch geworden. Aber als Jesus in das Wasser des Jordans hinabsteigt, da wird er es noch einmal in einer ganz besonderen Weise. Er wird nicht nur äußerlich einer von uns. Er nimmt sich in seiner Taufe der ganzen Gebrochenheit unseres menschlichen Lebens an. Wie wir sündigen Menschen hat Jesus den Umkehrruf des Täufers gehört und lässt als Zeichen dafür die Taufe an sich vollziehen. Er schafft dadurch die Möglichkeit, dass wir durch das Wasser der Taufe mit ihm verbunden werden. So kann Gottes Geist auch auf uns herabkommen; der Heilige Geist kann auch unser Leben und unsere Existenz erfüllen. Weil Jesus von Johannes im Wasser des Jordan getauft worden ist, weil umgekehrt wir wie Jesus getauft worden sind, steht auch uns der Himmel offen.
Was für ein wunderbares Geschenk es ist, durch die Taufe ein Kind Gottes zu sein, darüber gab es am Freitagabend nach dem offiziellen Teil des Neujahrsempfangs Gespräche unter anwesenden Gemeindegliedern. Anlass war die Bürgerpreisverleihung an Angelika Johnigk und Cornelia Brosowski von der Selbsthilfegruppe Trauernder Eltern. Die Gespräche drehten sich darum, dass Christen von ihrem Glauben an Jesus Christus her und ihrer Hoffnung auf ein Leben auch über den Tod hinaus solchen schweren Schicksalsschlägen anders gegenüberstehen als die, die keinen Glauben haben. Ich erzählte, dass ich einmal eine weltliche Rednerin erlebt hatte, die den Eltern sagte, das Leben sei zu kurz, um sich in der Trauer zu verlieren. Sie sollten möglichst schnell zur Tagesordnung übergehen. Christen brauchen Leid und Schmerz nicht zu verdrängen, weil sie den Gekreuzigten an ihrer Seite wissen. Es ist insofern kein Zufall, dass die Selbsthilfegruppe unter dem Dach der Diakonie einen Platz gefunden hat. Es ist auch kein Zufall, dass ein Gottesdienst die zentrale Veranstaltung im Jahr ist. In diesem Jahr kamen übrigens wieder noch mehr Menschen am 2. Dezembersonntag in den Dom.
Christus ist durch die Taufe einer von uns geworden, damit wir durch die Taufe mit ihm verbunden werden. Das wird eben schon in diesem Leben spürbar: Wir werden getragen im Leid; wir sind aber auch dankbar in Freude; wir haben Kraft für andere; wir gehen nicht zuletzt mit einer Hoffnung durch das Leben! Wir sind Kinder Gottes.
Amen.

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