Predigt am 1. Sonntag in der Passionszeit (Invokavit), 10. März 2019

We are sorry - this page is not available in your language.
You might use Google Translate™ to get an automatically translated version of this page by clicking the following link:

Predigt am 1. Sonntag in der Passionszeit (Invokavit), 10. März 2019

10.03.2019

zu Hebräer 4, 14 - 16; gehalten von Prädikant Matthias Neubert

Liebe Schwestern und Brüder,
was haben wir nicht alles an großartigen Dingen:
Wir leben hier in einer Stadt mit einer einzigartig geprägten und reichhaltigen langen Geschichte. Touristen aus aller Welt kommen zu uns, um dies zu sehen und zu erleben.
Wir haben ein außerordentlich wertvolles, mit vielen zum Teil einmaligen Kunstschätzen ausgestattetes Kirchengebäude. Auch das interessiert eine große Anzahl von Gästen aus nah und fern.
Wir haben wundervolle Orgeln, die nicht nur im Gottesdienst die Seele nach „oben“ ziehen, sondern auch Musikliebhaber aus aller Herren Länder begeistern.
Wir haben eine reichhaltige und hochkarätige Kirchenmusik, von der sich die verschiedensten Menschen auf unterschiedliche Art und Weise ansprechen lassen.
Wir haben geordnete kirchliche Verhältnisse und Mitarbeiter, die ihre Gaben und Begabungen verantwortungsvoll einsetzen.
Die „Haben“ Liste ließe sich weiter fortsetzen.
Fehlt uns eigentlich überhaupt etwas? Vermissen wir in unserem Alltag Entscheidendes? Wenn nicht, dann können wir uns zufrieden zurück lehnen und einfach die eingangs geschilderten großartigen Dinge genießen.
Wenn ja, dann lohnt es sich, über die 3 Verse aus dem Hebräerbrief nachzudenken.
Denn dort ist zu lesen: „Weil wir einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes“.
Da ist es wieder, dieses „ wir haben“. Hier bezieht sich das „Haben“ auf den Hohenpriester. Vielleicht klingt das ein bisschen verstaubt und nicht unbedingt tourismusfreundlich, wenn wir von einem Hohenpriester sprechen. Seit Martin Luther sind das Amt und die Funktion von Priestern in der Evangelischen Kirche nicht mehr der Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Bei manchen ist der Begriff des „Hohenpriester“ eher negativ besetzt. Ist doch in der Leidensgeschichte Jesu von einem Hohenpriester Kaiphas die Rede, der dem Volk der Juden geraten hatte, dass es gute wäre, wenn ein Mensch (also Jesus) für das ganze Volk stürbe. (Joh. 18,14)
Das war, wenn auch nicht im juristischen Sinne, sein Todesurteil. Pilatus hat es dann quasi „höchstrichterlich“ umgesetzt.
Und als Kind habe ich im Kindergottesdienst gelernt, dass es die grausamen Juden waren, die unseren lieben Herrn Jesus umgebracht haben.
Ein positiver Blick auf das Amt und den Dienst der Priester ist im Alten Testament zu finden. Ihre Aufgabe bestand in einer Art Vermittlerrolle zwischen dem von der unmittelbaren Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossenen Menschen und dem Heiligen Gott selbst. Wie es dazu kam haben wir eben in der alttestamentlichen Lesung gehört. Außerdem gehörte zum Dienst der Priester die Einhaltung und Durchführung der kultischen Bestimmungen. Sie waren damit für den rechten Gottesdienst zuständig. Die Beziehungspflege mit dem dreieinigen Gott ist ja der tiefste Sinn von Gottesdienst.
Der Hohepriester hatte unter anderem zwei besondere Aufgaben: Er musste das Sühneopfer zur Vergebung der Schuld darbringen und Gott nach seinen Willen für das Volk befragen.
Etwas verkürzt lässt sich sagen: Der Priester ist dafür da, Gott und Mensch wieder zusammen zu bringen.
Auf diesem Hintergrund ist der Predigttext heute eine eindrückliche Einladung, zu Jesus zu kommen. Das persönliche Bekenntnis zu ihm hat etwas mit unserem realen Leben zu tun.
ER
ist der Weg des Heiligen Gottes zu uns oft schwachen, verunsicherten, geplagten und sehr fehlbaren Menschen.
ER
hat von oben nach unten die Himmel durchschritten um uns ganz nah zu sein.
Er
hat sich ganz menschlich und irdisch verletzbar gemacht.
ER
hat am Kreuz aus Liebe zu einer Menschheit, die Gott bewusst oder unbewusst den Rücken zukehrt, all das daraus resultierende Böse auf sich genommen.
Bald wird wieder hier und da die Arie aus Bachs Matthäuspassion „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ erklingen. Sie nimmt in einzigartiger Weise die Hingabe Gottes in seinem Sohn an uns Menschen auf.
Von Gottes Seite aus ist mit Jesus alles vollkommen und für immer geklärt. Da gibt es nichts mehr zu tun.
An uns Menschen geht die Aufforderung:
Lasst uns fest halten an dem Bekenntnis zu Jesus.
Und lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade.
Martin Luther hat sinngemäß einmal gesagt: „Glaube ist keine Vermutung, sondern eine Beziehung“.
Die Aktion liegt bei Gott, die Reaktion bei uns Menschen. Hier ist jeder zu einer persönlichen Antwort herausgefordert. Nur eine klare Antwort bringt Glaubensgewissheit, die auch unter schweren Lasten, bei Krankheit und aller anderer Not trägt.
Wir leben in einer Stadt, die unübersehbar von ihrer Entstehung an durch den Glauben an Jesus Christus geprägt worden ist. Seien es Inschriften an Hauseingängen, kunstvolle Darstellungen oder die vielen Huthäuser und anders mehr, die davon zeugen.
Besonders unser Dom ist in seiner Architektur und den darin befindlichen Kunstwerken stummer Verkündiger der Zuwendung Gottes zu den Menschen.
Die Orgeln erklingen zum Lobe Gottes und lassen uns seine Nähe spüren.
Die Inhalte der wunderbaren hier stattfindenden Kirchenmusiken laden zum Bekenntnis zu Gott ein.
Der Dienst aller Mitarbeiter der Gemeinde hat bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten das Ziel, Menschen auf vielfältige Weise mit Jesus bekannt zu machen und im Glauben zu stärken. Die regelmäßigen Gottesdienste dienen zur Einladung und der Beziehungspflege mit dem barmherzigen Gott.
Alles, was ich eingangs unter der Rubrik „Haben“ ansprach, dient als Hinweis und zur Wegweisung zu dem, der für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen ist.
ER
ist der wahre „Hohepriester“, der allein die lebendige Beziehung zu dem allmächtigen und barmherzigen Gott möglich gemacht hat. Wenn wir IHN „haben“, dann ist die allesentscheidende Frage für unser Leben in Zeit und Ewigkeit geklärt.
Und Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

all news


Kommentare

No comments

Add comment

Fields marked with an asterisk (*) must be filled.

to top