Predigt am 1. Christtag 2019

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Predigt am 1. Christtag 2019

25.12.2019

zu Titus 3, 4 - 7; gehalten von Dompfarrer Urs Ebenauer

Liebe Gemeinde,
wissen Sie, was ein Wimmelbild ist? Das ist ein Bild mit lauter Einzelheiten. Man kann lange davorstehen und es betrachten und entdeckt immer wieder neue Einzelheiten. Der Predigttext hat mich auf die Idee gebracht, mit Ihnen zusammen ein Wimmelbild zu malen. Allerdings nicht auf Leinwand, sondern vor dem geistigen Auge.
Stellen Sie sich also zunächst einmal den Hintergrund vor. Ein klarer Nachthimmel. Er ist so klar, dass man die Sterne sehen kann. Ein Stern leuchtet besonders hell. Eine Konjunktion von Jupiter und Saturn. In seinem schwachen Sternen-Licht erkennen wir auf der linken Seite des Bildes einen Mann, der aus dem Fenster seines Hauses zum Himmel schaut. Nach schwerer Krankheit hat er seine Frau verloren. Es ist wieder eine dieser Nächte, in der er nicht schlafen kann vor Trauer und Einsamkeit. Der Blick in den Sternenhimmel tröstet ihn irgendwie. Er weiß auch nicht, warum.
Hoffnung?
Auf dieser recht dunklen Seite des Bildes sehen wir etwas weiter rechts ein Fabrikgebäude. Wenn das Bild sehr vergrößert würde, könnte man durch das Fenster hindurch Männer erkennen, die in der Fabrik schlafen: Wanderarbeiter, die in der Stadt arbeiten, um ihre Familien auf dem Land durchzubringen. Ein Wohnheim gibt es nicht. Wenn wenigstens die Elektrik nicht so alt wäre und andauernd gefährliche Kurzschlüsse kleinere Brände verursachen würden. Ein Haus unweit des Gebäudes sieht sehr teuer aus; wohl eine Fabrikantenvilla. Das ganze Haus ist dunkel. Im Schein einer Schreibtischlampe aber scheint der Hausherr einen Brief zu lesen. Seine Stirn ist gerunzelt. Steht etwas für ihn Unangenehmes darin?
Gerechtigkeit?
Noch etwas weiter rechts sind da Männer bei einer Schafherde. Sie sind deutlich besser zu erkennen. Denn bei ihnen ist ein eigenartiger Mann. Oder ist es eine Frau? Von ihm geht ein Leuchten aus, das sich auf den Körpern der Männer widerspiegelt. Er scheint zu den Männern zu sprechen. Die einen sehen sehr erschrocken aus. Andere blicken das Wesen ungläubig an. Wieder andere strahlen. Man sieht den ersten, der aufsteht, um sich auf den Weg zu machen. Man kann sich vorstellen, dass die anderen folgen werden.
Als erschien die Freundlichkeit Gottes …
In der Mitte des Bildes steht ein armseliger Stall. Durch das halboffene Tor kann man ganz gut hineinschauen. Irgendwo steht ein Futtertrog für das Vieh. Darin liegt, notdürftig auf ein Stofftuch gebettet, ein neugeborenes Kind. In der Ecke hat es sich ein Mann bequem gemacht und schläft. Eine junge Frau sitzt auf einem Schemel neben dem Trog. Sie wirkt sehr erschöpft. Vor dem halboffenen Tor steht ein Mann. Er scheint an das Tor zu klopfen. Offenbar möchte er dringend herein. Es ist wohl der, den wir eben beim Aufbruch beobachten konnten. Er strahlt sichtbar innerlich, aber er wird auch angestrahlt von einem Licht, das von dem Kind auszugehen scheint.
Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes …
Im Hintergrund sehen wir die Morgendämmerung aufziehen. Von ihr her wird es auf der rechten Seite des Bildes, also rechts von dem Stall langsam hell. In diesem Licht erkennen wir vor einem Haus einen Mann, der seine Hand an der Türklinke hat. Die Tür ist halb offen. Es sieht so aus, als hätte er fortgehen wollen und es sich dann aber wieder anders überlegt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man dieselben Gesichtszüge, die auch der schlafende Mann im Stall trägt. Es ist wohl derselbe.
Machte Gott uns selig nach seiner Barmherzigkeit…
Im Licht der fast aufgegangenen Morgensonne sehen wir zwei Männer beieinander stehen. Der eine hat an seiner Kleidung etwas Stroh. Oder ist es Heu? Im gegenüber steht einer, den halten zwei andere. Offenbar kann er nicht allein stehen. Der Mann mit dem Stroh an der Kleidung berührt ihn. Wenn man etwas weiter nach links schaut, fast am Rand des Bildes, kann man den Kranken wieder entdecken. Er ist jetzt mit dem Mann, der ihn geheilt hat, unterwegs. Er geht mit ihm mit. Er folgt ihm. Offenbar hat ihm der Mann mehr gegeben als nur zwei gesunde Beine.
Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig nach seiner Barmherzigkeit…
Gehen wir zurück zu dem Stall. Neben dem Tor entspringt eine Quelle. Das Quellwasser fließt in einen Bach. Der speist einen Teich, den wir ganz im Vordergrund sehen. In dem Teich taucht ein Mann einen anderen unter. Im Wasser spiegelt sich eine Taube. Allerdings kann man die Taube nicht sehen; nur das Spiegelbild. Um die beiden stehen viele herum und scheinen sich sehr zu freuen. Der Blick dessen, der untergetaucht wird, ist irgendwie sehr gelöst.
Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig nach seiner Barmherzigkeit durch das Bad der Wiedergeburt im Heiligen Geist.
Weiter im Vordergrund sehen wir ein Krankenhaus. Die Bäume darum herum sehen tropisch aus. Die Menschen in ihm haben eine schwarze Hautfarbe. Ein Mann im Arztkittel behandelt einen anderen. Neben ihm steht eine junge Frau. Sie ist ganz weiß. Offenbar ist sie gekommen, um ihm zu assistieren, denn sie reicht ihm einen Tupfer. Von dem Quellteich aus geht ein weißer junger Mann in Richtung auf das Krankenhaus, in dem wir die weiße junge Frau entdeckt haben. Offenbar will auch er dorthin.
Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig… durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.
Zwei Menschen haben brennende Laternen in der Hand und gehen von dem Quellteich aus in Richtung auf die linke Seite des Bildes. Wollen sie zu dem einsamen Mann oder den Arbeitern in der Fabrik? Die Richtung haben sie jedenfalls eingeschlagen.
Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig… durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Heiland.
Im Hintergrund auf der rechten Seite geht gerade die Sonne auf. Man kann schon den obersten Rand entdecken. Der Himmel ist schon ganz hell. Menschen in der Nähe des Quellteiches schauen dorthin. Sehnsüchtig scheinen sie den Anbruch des Morgens zu erwarten. Sehnsüchtig warten sie, dass die Nacht und die Finsternisse ein Ende haben.
damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben.
Ein Weihnachtsbild, liebe Gemeinde. Haben Sie es jetzt vor Augen?
Den Stall in der Mitte, in dem Gott in einem kleinen Menschenkind seine Menschenliebe gezeigt hat. Die Hirten, die als Erste davon erfahren. Die Szene, wo Josef Maria verlassen will und dann doch bleibt; wo Gottes Menschenfreundlichkeit einem unehelich schwangeren jungen Mädchen gilt.
Die Szene, wo der erwachsene Jesus den Gelähmten heilt und auf diese Weise die Menschenfreundlichkeit Gottes so spürbar werden lässt, dass es den Geheilten an Leib und Seele gesund macht. Er kann gar nicht anders als Jesus nachzufolgen.
Der Quellbach, der vom Stall her in den Quellteich fließt und so eine Verbindung herstellt zwischen Weihnachten und uns – durch die Taufe. In der Taufe begegnen wir dem, der das Kind in der Krippe war. So und nur so kann es für uns Weihnachten werden.
Die Menschen schließlich, an denen die Erneuerung im Geist sichtbar wird und die die erschienene Menschenfreundlichkeit Gottes erfahren und weitergeben. Die jungen Leute, die ein Jahr ihres Lebens Menschen in einem Krankenhaus in Afrika widmen. Oder die, die ein Licht in die Finsternis der rechten Seite des Bildes tragen. Vielleicht können sie den einsamen Mann durch ihre Zuwendung trösten. Vielleicht war es einer von ihnen, der mit einer Kampagne den Anstoß gegeben hat, die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter zu verbessern. Durch sie wird die Menschenliebe Gottes spürbar. So wird es Weihnachten auch nach dem 26. Dezember.
Und wir wollen auch – als letzte Szene des Bildes – die gerade aufgehende Morgensonne nicht vergessen. Von Weihnachten her tragen wir eine Hoffnung in uns: Die Menschenfreundlichkeit Gottes überwindet alles Dunkle in unserer Welt. Das Licht, das vom Stall ausging, wird einmal unsere Welt erfüllen. Dann wird auch die linke Seite des Bildes nicht mehr im Dunklen liegen und unsere Welt wird ein Himmelreich sein.
Amen.

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